Wurzeln und Flügel

Was ich in den zurückliegenden Jahren immer wieder gehört habe: Es ist nicht entscheidend, ob ich in armen oder reichen Verhältnissen aufwachse.

Viel wichtiger ist die Frage: Haben mich meine Eltern geliebt? Und habe ich diese Liebe gespürt? Haben mich meine Eltern auf das Leben vorbereitet, indem sie mich angenommen haben? Mich gefördert, in meinen Eigenheiten akzeptiert, mir liebevoll Grenzen gesetzt und mich losgelassen haben? Mir Luft zum Atmen und Lust aufs Leben geschenkt haben?

Gerade schwarze Schafe können diese Fragen nicht mit „Ja“ beantworten.

Goethe sagt:
Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.

Mein Eindruck bei ganz vielen schwarzen Schafen: Es fehlt an beidem.

Andere machen gute Erfahrungen, die sie tragen, ihnen Halt und Zuversicht verleihen. Die ihnen eine Zukunft und einen Platz in der Welt ermöglichen.

Dolores O´Riordan hat eine Ode an ihre Familie geschrieben. Sie dankt ihren Eltern für deren Liebe.

Was ich mich frage: Muss das schwarze Schafe schmerzen? Oder kann das auch Trost sein? Ist es Tragik, wenn Liebe in der Welt ist und ich zu wenig davon bekomme? Und noch einen Schritt weiter: Kann ich Liebe geben, auch wenn ich selbst zu wenig bekommen habe? Und wem kann ich sie geben? Anderen? Mir?

Peter Teuschel

 

 

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7 Kommentare zu Wurzeln und Flügel

  1. Eva Graz sagt:

    wunderbarer song…. danke fürs raussuchen… genial schön!

  2. Eva Graz sagt:

    eine freundin sagte mal, eine kindheit wird immer defizitär erlebt – denn die bedürfnisse von kindern sind unendlich 😉

    wenn man erwachsen wird, kann man viele dinge anders sehen und „beurteilen“. wenn man zulässt, dass man sie selbst ansehen möchte.

    ein äußerst wichtiger punkt scheint mir (allgemein) zu sein, ob die emotionalen oder körperlichen schmerzen, die man ev. erlitten hat, aus unfähigkeit der eltern, oder aus freude am quälen entstanden sind. es gibt so furchtbare familiengeschichten, wo so offensichtlich ist, dass die eltern/mutter/vater auch sadistisch veranlagt gewesen sein müssen. es gibt auch eltern, die einfach aufgrund von vielen umständen und ihrer geschichte her auch viele fehler machen, oder liebe nicht geben können, einfach weil sie selbst „zu fertig“ sind, wo man aber gespürt hat, sie WOLLEN das BESTE für einen. in diesem sinn „unbeabsichtigte“ lieblosigkeit oder isolation etc. sehen zu können, heilt sicherlich auch im nachhinein (schwere) wunden und ist auch verstehbar, verständlich. denn das gefühl, sie wollten das beste für ihr kind, auch, wenn es nicht da war oder sein konnte, ist etwas, das man auch für sein leben mitnehmen kann.

    eigentlich gibt es nur ein einziges unglück: sich selbst FERN zu sein.
    heil zu werden mit sich, seiner geschichte, seinen erfahrungen, seinen erlebnissen, ist das glücksbringende, das es gibt. nichts ist so schlimm, als sich selbst nicht zu kennen, zu mögen, zu verstehen, oder suchen zu verstehen. wenn ich mit mir bin, habe ich das gefühl, alles bewältigen zu können. wenn ich mich von mir entzweie, bin ich verloren.

    in diesem sinn: es ist nie zu spät für eine glückliche kindheit.
    das heilwerden liegt in mir. schmerz? aber ja.. aber es ist auch heilungsschmerz, und er macht mich ganz. ob er bleibt? wahrscheinlich. manches trägt man wohl immer mit sich. aber auch der schmerz darf sein, als begleiter.

    traurigkeit ist das atemholen der freude.

  3. V.G. sagt:

    Passend zu Ihrem Thema „Wurzeln und Flügel“ gibt es ein Gedicht von Khalil Gibran:

    Von den Kindern

    Und eine Frau, die einen Säugling an der Brust hielt,
    sagte: Sprich uns von den Kindern.
    Und er sagte:
    Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
    Sie sind Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens
    nach sich selbst.
    Sie kommen durch euch, aber nicht von euch.
    Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
    Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken.
    Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben,
    aber nicht eure Seelen.
    Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das
    ihr nicht besuchen könnt,
    nicht einmal in euren Träumen.
    Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht,
    sie euch ähnlich zu machen.
    Denn das Leben läuft nicht rückwärts,
    noch verweilt es im Gestern.
    Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder
    als lebende Pfeile ausgeschickt werden.
    Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit,
    und Er spannt euch mit Seiner Macht,
    damit seine Pfeile schnell fliegen.
    Laßt euren Bogen von der Hand des Schützen
    auf Freude gerichtet sein;
    denn so wie Er den Pfeil liebt, der fliegt,
    so liebt Er auch den Bogen, der fest ist.

  4. Energiequelle sagt:

    Ich denke grundlegend für die Schwarze Schaf Erfahrung mit allem was dazu gehört, sind natürlich auch Erwartungshaltungen, die ein Kind in einer bestimmten Familiensituation an seine Eltern hat…besonders im Vergleich mit seinen Geschwistern oder gemessen an den Möglichkeiten die es gab oder gäbe, wenn die „Täter“ also Eltern und Geschwister bereit und in der Lage wären, sich ihrer Handlungen bewusst zu werden.
    Mit das Schlimmste sind m. E. nicht nur das Aushalten der Ausgrenzung, sondern darüber hinaus, das Aushalten des blinden Fleckes der Eltern…die nicht zugeben, die nicht nachdenken und fühlen wollen, dass sie bewusst benachteiligen, das Abstreiten ihrerseits, das Ausweichen oder das Vorschieben des anderen Elternteils oder vermeintlicher sachlicher Gründe, das Ausreden-sich-selbst-glauben..wenn die Benachteiligung überhaupt zugegeben wird, das die Eltern nichts merken, …wollen…, sich nicht hinterfragen…lassen ..nicht zuhören…wollen oder können…, die Wand des Schweigens, die Schuldzuweisungen, die das schwarze Schaf aushalten muss,…. und die verlangte Selbstverleugnung auf Seiten des schwarzen Schafes dass man , möchte man noch bisl Restzugehörigkeit spüren, oder einfach die Hoffnung auf Normalität und Zugehörigkeit nicht aufgeben, so tun muss als wäre nichts…so bisl friss Vogel…oder stirb, etwas anderes bzw, besseres gibts nicht für dich. .. ..und dann liegt man manchmal auf einer Wiese und schaut den Wolken hinterher und denkt…wie wäre mein Leben ohne meine Brüder? Wie wäre meine Leben wenn ich nicht das schwarze Schaf sondern die Prinzessin wäre… welche Möglichkeiten und Chancen hätten sich ergeben ohne Kampf, Selbstzweifel und Schmerz? wenn ich z.B. Biographien höre, wie die von C. Fest, (dessen Vater im dritten Reich bei den Nazis nicht mitgemacht hat), wie dessen Familie unter schwierigsten Bedingungen mit Respekt und Verantwortung und viel Liebe und Empathie zusammengehalten hat, welche Gespräche es gab, und welchen Wert die Familie hatte, dann tut es mir vor allem Leid, um diese Familienerfahrung…ich hätte meiner Familie auch gerne viel mehr gegeben… lieben dürfen…ist ja die eigentliche Erfüllung!
    Liest man dagegen das Buch „Im Meer gibt´s oder schwimmen Krokodile“ , das von einem afghanischen Jungen handelt, der von seiner Mutter in einer nahe gelegenen Stadt im Alter von zehn Jahren ausgesetzt wird, weil es im Dorf für ihn lebensgefährlich wird, der sich jahrelang unter Lebensgefahr durchschlägt bis nach Italien und dort als erstes Kontakt zu seiner Mutter aufnimmt…und dankbar ist… wie sollte man dem ein schwarzes Schaf erklären…er musste fort weil er der Älteste war…die Geschwister durften bei der Mutter bleiben…

    und ich schließe mich dem Beitrag an… Loslassen und sich selbst erkennen und lieben … Das Leben ist ein Geschenk…wir haben es von unseren Eltern…vergeben und frei werden…

    ( Erzengel Gabriel hilft dem verletzten inneren Kind..wir sind ja nicht alleine…).
    .

  5. jazzfeeling sagt:

    Das Gedicht von Kahalil Gibran ist (un)antastbar, es ist nur schön und vor Allem auch wahr. Es macht immer wieder Freude , es ist immer wieder lesenswert.
    Zu dem oft gehörten Satz “es ist nie zu spät eine glückliche Kindheit zu haben!”, fällt mir mehr ein: Das ist mir zu positivistisch, so was kann und will ich nicht mehr hören das gehört in den Bereich der vermeidenden und billigen Esoterik.
    Liebe denkt man ( Kind!!) nicht, man spürt sie!
    Alle intellektuellen Versuche sind vergebens, es geht hier um Gefühle.
    Und ich glaube da ist es völlig egal ob jemand ( Eltern, Vater, Mutter ) reich ist oder arm, das Kind begreift die Liebe nicht , es fühlt sie. Und das wärmt und wie !
    Das lässt sich auch nicht intellektuell aufarbeiten ( nach dem Motto ach die hatten ja auch eine schwere Kindheit, ach die wollten ja nur das Beste), das Alles lässt sich nur fühlend begreifen.
    Ich glaube es ist wichtig zu verzeihen, es ist nötig zu verstehen aber sich die Dinge im Nachhinein schönzureden, ist kontraproduktiv.
    “Traurigkeit ist nur das Atemholen der Freude”, das mag sein Eva, aber um Traurigkeit geht es hier nicht, der Schmerz liegt tiefer.
    Zum Thema Lieblosigkeit der Eltern hier ein Satz von Arno Gruen:
    “ Der Preis ist der Haß auf das eigene Sein, das nun für immer die Schuld für die Lieblosigkeit übernommen hat. Die Lieblosigkeit der Eltern wird als Klage gegen das eigene werdende Selbst verinnerlicht.”
    Du hast schon Recht @Energiequelle, das schlimmste ist das Schweigen!
    Schweigen der Eltern: Eine weinende Mutter und ein ins Leere starrender Vater, solche Situationen erhöhen die Schuldgefühle nur.
    Dann doch lieber mein Schweigen: Eine lachende Mutter und ein SmallTalkender Vater.
    Und wo bleibt das Kind ? Und wo bleibt der Mensch ? Und wo bleibe ich?
    Loslassen ist ein sehr guter Ansatz, ein guter Anfang, dann kommt die Selbsterkenntnis, die ja, wie Oskar Volksmund sagt, der erste Schritt zur Besserung ist. Was er nicht sagt: danach kommen Minenfelder und Eisberge. Der erste Schritt ist wichtig aber es ist der kleinste Schritt.
    Ich wünsch` euch und mir auch den Mut zum Weitergehen!

  6. amanda sagt:

    Ja, emotionale Defizite schmerzen sehr.
    Das einzige, was mir geholfen hat, sind ‚heilende Gegenbilder‘. Ich habe mir für sehr viele negative Erfahrungen mit meinen Eltern und Geschwistern wohltuende Szenen aufgebaut. Dies macht man im Rahmen einer Pesso-Therapie (oder Pesso-Gruppe). Man gestaltet sich eine Szene (mit Rollenspielern oder der Therapeutin) so, wie man sie als Kind gebraucht hätte und spürt gleichzeitig, dass man es wert ist, so gut behandelt zu werden. Der Schmerz kommt dabei natürlich auch hoch, ist dann aber gut auszuhalten.
    Jedenfalls glaube ich, dass nur unter dem hellen Licht von guten Erfahrungen sich die schlechten Erfahrungen abschwächen lassen. Daher wünsche ich euch viele wirklich wohltuende Begegnungen!

  7. Ratti sagt:

    Hallo @
    Ich denke liebe ist Etwas, dass du wenn du es als Kind nicht bekommen hast und das schwarze Schaf bist/wirst, aus welchen Grund auch immer die gesamte Vita beeinflusst! Kämpfe und Schmerzen, Erkenntnisse und Verknüpfungen. Lebenslang!
    Leider ist das bei so vielen lieblosen Erfahrungen des Alltags der Fall!
    Darum glaube ich ist es wesentlich bei sich zu sein.
    Authentisch, gegenwärtig und die Welt mit offenen Sinnen zu betrachten und in sich auf zu nehmen. Das Geschenk des Lebens zu verinnerlichen. Und Eltern und Familie als Starthilfe zu begreifen! Nicht mehr und nicht weniger!
    Lg
    Ratti

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