Schwarzschafige Weihnachten

Meine Weihnachtswünsche auf Schräglage möchte ich hier noch einmal explizit für alle schwarzen Schafe wiederholen (nicht alle lesen ja auch dort mit):

Ich wünsche Weihnachten!

Nein, nicht einfach nur „schöne Weihnachten“.

Einige werden die nicht haben und von anderen weiß ich, dass es ihnen am liebsten wäre, wenn die Feiertage nur schnell vorübergehen würden.

Also wünsche ich allen die Weihnachten, die sich sich erhoffen: Festliche, fröhliche, besinnliche, lange, kurze, flüchtige, im Kreise von Familie, Freunden, oder in bester Gesellschaft mit sich alleine.

Für alle, die Weihnachten genießen können: Feiern Sie schön!

Für alle, die Weihnachten nicht genießen können: Es sind nur ein paar Tage. Die gehen auch vorbei.

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Und für Weihnachten gilt ebenso wie für den Rest des Jahres:

Ich habe keine 

Macken

das sind

Special Effects!

Peter Teuschel

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45 Kommentare zu Schwarzschafige Weihnachten

  1. Onrebus sagt:

    Vielen Dank, Herr Dr.Teuschel,
    für diese, wohltuend ehrlichen, Weihnachtsgrüße. Wie oft werden wir in diesen Tagen mit „Frohe Weihnachten“ vollgesülzt!?
    Gefühlt läuft ja Weihnachten schon wieder seit Ende August. Wer ärgert sich nicht über die frühen Lebkuchen, und Nikoläuse?
    Zur Zeit meiner Zeilen ist es 20.45Uhr. Bei den meisten war bereits die Bescherung. Der Konsumwahnsinn hat seinen alljährlichen Höhepunkt erreicht.
    Und, wird die innere Leere durch die, hoffentlich überwiegend schönen Geschenke, gestillt?
    Ich komme aus einem recht wohlhabenden Elternhaus. Mir wurde in der Kindheit-fast- jeder
    Weihnachtswunsch erfüllt. Nur eines nicht: Liebe und Geborgenheit, nach der ich mich immer
    so gesehnt habe.Weihnachten war immer „Das Fest der Hiebe“ im Hause Onrebus.
    Ich glaube, ich habe es schon im vergangenen an dieser Stelle geschrieben: Ich war zuletzt
    im Jahr 1979 zu Weihnachten bei meinen Eltern. „Nie wieder!“ habe ich mir gesagt.
    Das soll man nicht tun, okay. Es sollte in diesem Jahr anders sein. Meine Mutter ist inzwischen
    verstorben. Ich dachte, ich mache meinem Vater eine Freude, die Feiertage, zusammen mit meiner Schwester, bei ihm zu verbringen.
    Vor wenigen Tagen rief er mich an, er könne zu Weihnachten gut „auf mein Geheul verzichten“
    Er wolle, zusammen mit meiner Schwester „Spass haben“. Sie gehen in die Oper erc.
    So bleibt es beim „Fest der Hiebe“. Körperliche Schläge können, für mich, nicht härter sein.
    Doch möchte ich allen Usern hier ans Herz legen: Überwindet Euch! Ruft daheim an, oder auch einen Freund oder Nachbarn. Verbittert nicht!. Denn nur so kann Weihnachten so werden, al was es gedacht ist: Das Fest der Liebe.

    • cindy sagt:

      Weihnachten ist für die meisten schwarzen Schafe keine schöne Zeit, gleichgültig, ob sie noch Kontakte zur Herkunftsfamilie pflegen oder nicht…
      Die einen fürchten sich vor den Zusammentreffen mit der Herkunftsfamilie, den Anfeindungen, die entweder hinuntergeschluckt werden oder den Streits, die entstehen, wenn man’s nicht hinunterschluckt…
      Denjenigen, die den Kontakt zur Herkunftsfamilie abgebrochen haben, wird durch die Erinnerungen an vergangene Weihnachten die Leere bewusst, die nun entstanden ist… Aber ich denke, das ist wie die Trauer um einen verstorbenen Menschen – vergessen kann man’s nie, aber der Schmerz wird schwächer – hoffentlich…!

  2. Leonarda sagt:

    Nein, ich rufe nicht mehr zu Hause an, Ich habe allerdings entgegen meinem Vorsatz, auch nicht mehr zu schreiben, einen kurzen Brief losgeschickt. Der Grund: Mein Vater hat mir zu meinem Geburtstag gratuliert und entblödete sich nicht hinzuzufügen, daß in anderen Familian Mißverständnisse (!!!!!!) geklärt würden. Ich ließ seinen Brief mehrere Woche liegen. Mein Mann riet mir, den Brief dahinzulegen, wohin er gehört, auf die Müllhalde. Ich habe ihm dann in wenigen Sätzen erklärt, daß ich „meine Mißverständnisse“ geklärt habe, er das für sich gerne auch tun kann, daß ich damit aber nichts aber auch gar nichts zu tun habe. Er habe ja schließlich zwei Kinder (meine Geschwister), die für ihn wichtig sind und mit denen er sich besprechen kann. Danach konnte ich seinen Brief zerreißen.
    Die sehr differenzierten Weihnachtswünsche an die schwarze Herde von Herrn Teuschel haben mir ausgesprochen gut gefallen. Sein neustes Buch habe ich zu Weihnachten bekommen. Gelegentlich werde ich mich dazu äußern, ich hätte nämlich noch ein paar Fragen dazu…. Leonarda

    • maro sagt:

      Schwerwiegende Zerwürfnisse und Verletzungen als Missverständnis zu definieren zeigt doch sehr die fehlende Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit den Gefühlen der verletzten Person.
      Ist es Ignoranz oder die Unterdrückung der eigenen verletzten Gefühle, die erfahren wurden …
      Es wundert mich nicht, wenn solche Erfahrungen als Schock erlebt werden und trennend wirken.
      Diese Dinge werden bedauerlicherweise immer noch nicht ernst genommen. Und ich habe die Befürchtung, dass die Gesellschaft (und damit auch die Eltern) rückwärts gerichtet handelt. Mit zunehmender Verschlechterung wirtschaftlicher und sozialer Verhältnisse wächst auch die Verständnislosigkeit gegenüber anderen, trotz psychosozialer Aufklärung. Es sind häufig dieselben Menschen, die sich mit diesen Themen beschäftigen und therapeutische Hilfe wählen. Die Vermeider werden eher seltener professionell behandelt, was das dysfunktionale System aufrecht erhält. Leider. Es hätten alle mehr vom Leben. Das wird wohl Theorie bleiben.
      Ich erlebe immer wieder Menschen, die mehr oder weniger brachial auf Gefühle anderer reagieren. Die Erziehung vermittelt ja schon das defizitäre Verhalten und Denken. Das Unvermögen der Politik und runtergebrochen auf die Eltern zur gewaltfreien Erziehung ist m. E. die vergiftete Wurzel.

      • Roswitha sagt:

        Liebe Schwarze Schafe, die Weihnachtstage waren für mich wirklich schwarzschafig. Tags über rotierten meine Gedanken und Nachsts hatte ich wieder typische doofe Schwarze Schafe Träume. Es ist ja auch kein Wunder, wenn es mir so geht. Schließlich ist in meiner Vergangenheit einiges passiert. Besonders schlimm sind außer Weihnachten, Geburtstage und der Muttertag.

        Meine Kinder freuten sich sehr über das geschehene Weihnachten. Das Krippenspiel – die Geschenke und der geschmückte Baum.

        Ich habe mir vor dem Fest einen Plan zurechtgelegt. Teile ich mir doch die Zeiten ein bei denen ich vollkommen Bewusst das Geschehene genieße und mit dem Mann und den Kindern fröhlich feiere. Dann gönne ich mir zwischen durch ein paar Augenblicke in denen ich mir bewußt erlauben darf zu Grübeln oder zu Trauern und zum Wütend sein.

        Dieses System würde mir helfen. Für meine Kinder ist es schließlich auch wichtig eine Ausgeglichene Mama zu haben. Auch wenn ich mich manchmal zurückziehen muss. Fürs Zurückziehen legte ich mir einen Vorwand zurecht. Zum Beispiel; das Einräumen der Spülmaschiene. .. Die Qualität meiner Anwesenheit ist schließlich wichtiger als die Quantität. Nur manchmal drangen sich die bösen Erinnerungen auf und so konnte ich dann schöne Augenblicke nicht richtig wach erleben.
        So wie wir Schwarze Schafe mal saftiges Gras finden und dann wieder trockenes – so gibt es auch bei unserem Gemüt ein Auf und ein Ab.
        Wenn ich dann so richtig mit meinen Schmerzen in einem Gemutstief lande,- dann stelle ich mir als letzten Ausweg ein Schwarzes niedliches innerliches Schaf vor. Dieses Schaf darf ich dann in meiner Fantasie richtig zärtlich knuddeln.
        Zu Weihnachten hab ich mein Schaf wieder oft geknuddelt.
        Tschüss Schwarze Herde

        • Nina sagt:

          Hallo Roswitha, danke für deinen Super-Beitrag. Deine Art mit Weihnachten umzugehen finde ich sehr konstruktiv. Vor allem was deine Präsenz gegenüber deinen Kindern betrifft. Ich habe ein fast 9 Monate altes Baby und bevor ich ein Kind hatte, war Weihnachten aus Gründen, die hier jeder verstehen kann, bestenfalls für die Steuererklärung nützlich. Ich saß an meinem Küchentisch mit Weihnachtsleckereien und im Hintergrund lief irgendein Film und meinem Papierkram. Das war ok.
          Aber jetzt, wo ich auf einmal ein Kind habe, ist alles anders. Mein Mann ist Moslem, der versteht von Weihnachten nix und ich habe dieses Jahr dann wirklich kläglich versagt und fürchtete mich schon vor nächstem Jahr. Aber ich werde mir nächstes Jahr nochmal in Ruhe deinen Post durchlesen und es besser machen 🙂 Danke!

          • cindy sagt:

            Das Wichtigste ist. dass wir unseren Kindern immer wieder zeigen. dass wir sie lieben! Meinen Kindern die Liebe geben zu können, die ich als Kind nicht bekommen habe, ist mir ein großer Trost – nicht nur an Weihnachten…!

      • cindy sagt:

        Hallo maro,

        in den meisten Punkten stimme ich Ihrem Kommentar zu, nur nicht beim letzten Satz – die Unfähigkeit vieler Menschen, emphatisch und mitfühlend gegenüber anderen zu sein, gab es schon immer und ist meiner Meinung nach kein Problem der heutigen Zeit, genauso wie es schon immer schwarze Schafe gab und es sie in Zukunft auch immer geben wird… Der einzige Unterschied ist wohl, dass man heute versucht, das Problem zu erkennen und zu analysieren, während es früher einfach so hingenommen wurde… Scheidungen gibt es heute auch viel mehr als früher, aber nicht, weil es früher weniger Eheprobleme gab, sondern weil man eine schlechte Beziehung zum Ehepartner lieber hingenommen hat, als sich zu trennen…
        Einfach von „Missverständnissen“ zu sprechen, wenn eine Person systematisch verletzt und ausgegrenzt wird, ist ein Versuch, sich elegant aus der Affäre zu ziehen, um die Schuld nur nicht bei sich selber suchen zu müssen…
        Nachdem meine „Eltern“ bereits anwaltliche Schritte gegen mich eingeleitet hatten, nur weil sie ihren Kopf im Bezug auf den Umgang mit meinen Kindern nicht durchsetzen konnten, habe ich wochenlang erfolglos versucht, telefonisch Kontakt mit meiner Cousine aufzunehmen, um eventuelle „Missverständnisse“ aus dem Weg zu räumen… Ich habe sie dann über Facebook folgendermaßen angeschrieben: „Da das mit dem Telefonieren anscheinend nicht so funktioniert, versuche ich es jetzt doch nochmal auf diesem Wege… Was wird über uns erzählt, das so schrecklich ist, dass man sich noch nicht einmal zum Geburtstag eines unserer Kinder irgendwie meldet?“ Darauf lautete ihre Antwort wortwörtlich: „Wenn du so anfängst können wir das telefonieren wirklich lassen.
        Wir wissen alle, dass du krank bist.
        Und ich werde auf jeden Fall zu deinen Eltern halten, denn wir wissen alle wie du bist, und ich denke deine Eltern haben nichts davon irgendwelche lügen zu erzählen.
        Du kannst froh sein, solche Eltern zu haben, und dass deine Kinder so tolle Großeltern haben.
        Überlege mal, was deine Eltern schon alles für dich (euch) getan haben.
        Ich kann es nicht nachvollziehen, dass man so hart sein kann, aber im Prinzip kann es mir ja auch egal sein, mir tun nur die Kinder leid, denn ich denke die leiden am meisten.“
        Dazu muss man sagen, dass meine „Eltern“ nie wirklich viel für uns Kinder und auch ihre Enkel getan haben – ein paar tausend Euro sind gegen ihre Millionen ein Almosen und wenn ich ihre helfenden Hände dringend gebraucht hätte, z.B. bei Umzügen, Kinderbetreuung oder auch wenn ich krank war, so haben sie sich in den meisten Fällen geschickt davor gedrückt, dann hatten sie auf einmal immer andere Termine oder es war ihnen zuviel, weil sie ja mit Mitte 60 auch nicht mehr die Jüngsten seien usw…. Versprochen wurde von denen viel, wie z.B. auch die Finanzierung einer Privatschule für unsere Kinder, aber kaum etwas davon eingehalten…
        Das angebliche Mitleid meiner Cousine mit meinen Kindern ist vorgeschoben – diese Facebook-Antwort ist jetzt über ein Jahr her und seither haben sie und auch ihre Mutter sich nie mehr bei uns oder vor allem auch nicht mehr bei meinen Kindern gemeldet, obwohl sie sogar die Patentante meiner Ältesten ist – warum nicht, wenn ihr die Kinder doch angeblich sooooo leid tun????
        Der Gipfel ist für mich die Anschuldigung, dass ich „krank“ sei – sie sollten lieber alle mal vor ihrer eigenen Tür kehren, vor allem mein „Vater“, der meiner Meinung nach eine narzistische Persönlichkeitsstörung hat, aber keiner von denen es bemerken will, weil sie jetzt alle hinter dem Geld meiner tollen „Eltern“ her sind… Da ist es doch das einfachste Mittel, mich mal eben als „krank“ hinzustellen, mich quasi für nicht zurechnungsfähig zu erklären und mich zusammen mit meinen Kindern aus dem Weg zu den Millionen zu räumen…!
        Seither habe ich keinen Kontakt zu meinen „Eltern“ und auch diesem Teil der Familie mehr gesucht, denn wenn man dort nur noch geduldet wird, wenn man den Manipulationen und dem Geld meiner „Eltern“ verfallen ist, gehören ich und meine Kinder dort wirklich nicht mehr hin…!

        • maro sagt:

          @cindy:
          zu Ihrer Aussage „die Unfähigkeit vieler Menschen, emphatisch und mitfühlend gegenüber anderen zu sein, gab es schon immer und ist meiner Meinung nach kein Problem der heutigen Zeit, …“ stimme ich voll zu. Das sehe ich auch so. In meinem Kommentar ging es mir nicht um damals und heute. Der Zusammenhang zwischen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen und Verständnislosigkeit (auch gegen sich selbst gerichtet!) ist nicht zu unterschätzen. Die Zeiten zwischen wirtschaftlicher Angespanntheit und Entspannung wechseln. Schwierige Perioden lassen sich für das Individuum besser überwinden, wenn ein finanzielles Polster und ein stützendes soziales Umfeld vorhanden sind. Ohne gutes, soziales Umfeld und/oder ohne, oder geringes finanzielles Polster haben es Menschen schwerer. Die Zwänge Eingeständnisse (z.B. Jobwahl) zu machen sind größer. Auswirkungen auf die eigene Person können sich z.B. gesundheitlich zeigen. Erwähnenswert sind komplexe Probleme sozial schlecht gestellter Menschen. Hier können sich Arbeitslosigkeit, psychische Probleme, Sucht etc. kombinieren, wobei das eine das andere bedingen kann. Solche Lebenslagen entbehren Mitgefühl – für sich und für andere. Dies ist schlichtweg eine Überforderung für den täglich mit der Lebenssituation Kämpfenden.

          • cindy sagt:

            @maro: Gerade das macht es mir so schwierig, eine Art „Entschuldigung“ für das Verhalten meiner „Eltern“ zu finden – mein „Vater“ stammt zwar aus einer einfachen Arbeiterfamilie, aber aufgrund seiner hohen Intelligenz und seines Status‘ als Junge hat sich seine ganze Familie für ihn aufgeopfert und meine „Mutter“ war die einzige Tochter wohlhabender Eltern, um die sich auch liebevoll gekümmert wurde…
            Beide wurden erst in der Nachkriegszeit geboren und es ging ihnen – im Gegensatz zu vielen anderen in dieser Zeit – verhältnismäßig gut! Um sie wurde sich gut gekümmert, sie mussten keinen Hunger leiden und beruflich und für die Zukunft standen beiden alle Türen offen…! Wirkliche Krankheiten (auch psychische) waren auch nicht erkennbar, außer dass mein „Vater“ mit den Jahren und nachher auch durch das über meine „Mutter“ geerbte Geld immer egozentrischer wurde, dies aber nach außen hin geschickt zu verbergen weiß…
            Hätte meine „Mutter“ z.B. Depressionen gehabt oder mein „Vater“ wäre arbeitslos gewesen oder es hätte sie sonst mal irgendein Schicksalsschlag getroffen, hätte ich endlich eine Entschuldigung für sie, aber so ist mein „Vater“ für mich ein böser Mensch, ein kleiner egozentrischer Teufel, für den es zwar eine Erklärung, aber keine Entschuldigung gibt… Er versteht die Gefühle anderer Menschen nur zu gut, hat aber kein Mitgefühl, sondern nutzt diese Gefühle nur zu seinem eigenen Vorteil aus!!!!

            • maro sagt:

              Meine Aussage bezog sich auf andere Lebensumstände. Ihre familiäre Situation ist eine völlig andere. Ich kann die Zusammenhänge Ihrer Familiengeschichte nicht beurteilen. Dafür sind sie einfach zu komplex. Was aber in Ihren Schilderungen immer wieder deutlich wird, ist ein gewisses Extrem. Und dies scheint mir auffällig zu sein. Extreme sind nicht die Regel. Nach Ihrer Schilderung über Ihren Vater stellt sich die Frage nach der Fähigkeit emphatisch mitzufühlen. Das impliziert die Liebesfähigkeit. Ist dies nicht möglich, könnte eine psychische Erkrankung vorliegen. Das herauszufinden wäre die Aufgabe eines Arztes. Es setzt aber den Wunsch des Vaters voraus dies wissen zu wollen. Wer nicht leidet, geht nicht zum Arzt.
              Man kann sich auch fragen wie eine Ehefrau, bzw. Partnerin mit einem solchen Mann klarkommt … Warum sind sie zusammen gekommen … Es gibt eine Menge Fragen, die man sich selbst stellen kann. Ob das auf Basis einer psychischen Gesundheit basiert, ist eine andere Frage. Aber nach dem was Sie mitteilen, ist eine Klärung alleine eher nicht möglich.

              • cindy sagt:

                @maro, meiner Ansicht nach hat mein „Vater“ eine narzistische Persönlichkeitsstörung entwickelt, entstanden durch die Vergötterung durch seine Familie – ein typisches goldenes Schaf…!
                Meine „Mutter“ hingegen war schon immer in jeder Hinsicht recht faul und bequem und wurde von ihrem Vater sehr verwöhnt… Ihre Mutter hat versucht, sie „auf die Beine“ zu bekommen, hat sie ins Internat, auf eine Haushaltsschule etc. geschickt, aber ohne Erfolg… Leider lernte sie dann auch noch sehr jung meinen „Vater“ kennen, der geradezu auf ein solches Goldvögelchen mit wenig Selbstbewusstsein gewartet hat…!
                Meine „Eltern“ führen eine perfekte Ehe – mein „Vater“ braucht sein Anhängsel, das haushaltsmäßig gerade das Nötigste erledigt, wobei er diesbezüglich auch nicht anspruchsvoll ist und meine „Mutter“ wurde mit den Jahren emotional völlig von ihm abhängig, hat keine eigenen Freunde oder Interessen – sie sagt, dass sie das nicht braucht, da sie ja ihren Mann habe… Mein „Vater“ beherrscht die Kunst der Manipulation perfekt und lobt sie für jede Kleinigkeit über den grünen Klee hinaus… In dieser Symbiose fühlen sich beide pudelwohl und Probleme wird es erst geben, wenn einer von beiden ablebt, insbesondere, wenn dies mein „Vater“ sein sollte…

                • maro sagt:

                  Wenn Ihre Mutter ein geringes Selbstwertgefühl hat und dies schon früher so war, dann ist in ihrer Herkunftsfamilie etwas schief gegangen. Ein Mensch, der von seinen Eltern so geliebt wird wie er ist – ohne Gegenleistung – hat ein stabiles Selbstwertgefühl. Dies scheint bei Ihrer Mutter sowie bei Ihrem Vater nicht geklappt zu haben. Da stellt sich die Frage welche Art von Liebe wurde vermittelt und an Sie weitergegeben. Erlernte und internalisierte Muster …
                  Die Liebe wird wohl den größten Interpretationsspielraum bei Menschen haben. Liebe wird sehr unterschiedlich ausgelegt. Deshalb ist es so wichtig zu fragen was das Gegenüber braucht. Menschen projizieren ihre eigenen Bedürfnisse auf ihr Gegenüber. Das kann fatal sein.

            • maro sagt:

              Arno Gruen schreibt sehr eindrucksvoll in seinem Buch „Wider den Gehorsam“ über die gewaltvolle Erziehung, die bereits im Säuglingsalter begonnen hat. Die Unterdrückung des natürlichen Verhaltens des Säuglings führt zur Entfremdung des Selbst und zur Übernahme des Fremden, das aufgezwungen wurde. Der somit gewalttätig erzeugte Gehorsam wird zur gesellschaftlichen Institution, durch die diese KRANKHEIT ! weitergegeben wird. Wir sind alle bis zu einem gewissen Grad davon betroffen, schreibt Arno Gruen weiter. Aber wir erkennen das nicht als Krankheit, so Arno Gruen.
              Um diese Inhalte nachzuvollziehen ist das Lesen dieses Buches sehr zu empfehlen.
              Arno Gruen hat ganz grundlegende Erkenntnisse aufgezeichnet. Für mich ist er ein scharfsinniger Denker mit einem ausgezeichneten kritischen Blick.

              • osterhasebiene langnase sagt:

                Danke, @maro für den Buchtipp. Das klingt sehr interessant.

                • maro sagt:

                  Sehr gern.

                • osterhasebiene langnase sagt:

                  Arno Gruen – das ist eine wirkliche Entdeckung!! Vielen Dank nochmals, @maro! Kann gar nicht mehr aufhören seine Bücher zu lesen, seine Gedanken stimmen so sehr mit meinen Wahrnehmungen (uns schon lange gehegten Vermutungen) und Erfahrungen überein. Es geht Gruen darum, die Ganzheitlichkeit (Übereinstimmung von Innen und Außen) wiederzufinden, Selbsthass und Fremdhass zu erkennen, die Gefühle von Hilflosigkeit zu integrieren, Lebenslügen zu entlarven, zur Eigenverantwortung finden….und…und…und. Dies geht alles weit über die Psychotherapie hinaus (also das „offiziell“ Pathologische) und kommt ganz ohne esoterisches Drumherum aus. Da steckt die Menschheit noch ziemlich in den Kinderschuhen, wenn man den Zustand der heutigen Welt auf diese frühkindlichen Unterdrückungen und daraus folgende Verdrängungen zurückführt. Und eigentlich wäre die Lösung aller Probleme logischerweise auch dort zu suchen. Das dürfte aber noch ein sehr langer Weg sein, denn Menschen bevorzugen immer die „leichtere“, kurzfristige Lösung/Entlastung, auch wenn sie langfristig zur Zerstörung führt. Dass die wahre Kraft (und Authentizität) aus der Akzeptanz der eigenen Hilflosigkeit entsteht, das hat sich noch lange nicht herumgesprochen. Es ist das paradoxe Denken, das uns so sehr schwer fällt und das so gerne durch „Scheinlogik“ verdrängt wird.

              • cindy sagt:

                @maro: Vielleicht liegt es daran, dass meine Omi schon immer recht dominant war, vor allem auch gegenüber Ihrem Mann, der aufgrund seiner Gutmütigkeit (er hat wohl sogar für andere Menschen gebürgt!) die Familie fast in den Ruin getrieben hätte… Dank ihrer eingeführten Gütertrennung kamen die Gläubiger dann an ihren Teil des Vermögens nicht mehr ran und so konnte wenigstens ein Teil des Familienvermögens gerettet werden… Einerseits ein schlauer Zug meiner Omi, aber andererseits schlecht für mich, denn mein „Vater“ hat sich aufgrund des Geldes bei ihr eingeschleimt, hat eine Faust in seiner Tasche gemacht, die er dann bei mir rausgelassen hat!!!! Ich bin meiner Omi tatsächlich sehr ähnlich, habe sogar am gleichen Tag mit ihr Geburtstag und genau diese Umstände sehe ich auch als Grund dafür, warum ausgerechnet ICH zum schwarzen Schaf geworden bin und nicht meine Schwester, obwohl auch sie bestimmt unter der Gleichgültigkeit der Eltern gegenüber uns Kindern gelitten hat…

                • maro sagt:

                  @cindy: wie auch immer sich das Dilemma einer Familie zeigt, dahinter liegen immer verletzte Gefühle. Das Geld ist nur Anlass der Zerwürfnisse, nicht der Grund. Je eher Sie sich den dahinterliegenden Verletzungen, Ihren Gefühlen widmen, desto eher werden Sie sich befreien können. Dann wird Ihnen vielleicht sogar das Geld egal und überlassen den anderen Ihr Sosein.
                  Sonst besteht die Gefahr, dass Sie sich im Kreis weiter drehen.

      • osterhasebiene langnase sagt:

        Von „Missverständnissen“ zu sprechen (im o.g. Zusammenhang) ist das typische Bagatellisieren. Die Krux ist leider, dass andere Menschen nicht zu ändern sind und dass sie anders wären (vermutlich), wenn sie es könnten. Böse Absichten zu unterstellen (generell) führt nur von sich selbst weg. Es ist eine Form von Beziehungsunfähigkeit – woher auch immer – die am besten zu akzeptieren ist, um dauerhafte Verletzungen zu vermeiden. Man sollte aufhören, unrealistische Erwartungen zu hegen. Es tut zwar verdammt weh, erkennen zu müssen, wie leer man in diesem Kontakt letztendlich ausgegangen ist und wie groß der eigene Einsatz war, doch länger darin zu verharren macht die Sache nicht besser. Am schnellsten ändern sich Menschen und Situationen, wenn sie sich selbst überlassen werden, also wertvolle Energie abgezogen wird. Was Energie bekommt, wächst und gedeiht. Wichtig ist es m.E. zu erkennen, dass das Schwarze Schaf (die Rolle) ebenfalls zur Stabilisierung eines „krankhaften“ Systems beigetragen hat. Daraus zu entkommen gelingt m.E. nur über die volle Verantwortung dem eigenen Leben gegenüber. Was will ich? Was brauche ich? Was ist mein Ziel? Von anderen etwas zu erwarten, das sie nicht geben können, ist Zeit- und Energieverschwendung. Diese Erkenntnis ist mit das Härteste, was es gibt, aber m.E. der einzig wahre Weg zur Heilung. Alles andere ist so wie immer mit dem Kopf gegen die Wand rennen. Ändern kann der Mensch nur sich selbst, niemals einen anderen.

  3. Leonarda sagt:

    Hallo Osterhasebiene Langnase und Maro, Ich versuchte meinen Beitrag wegen der Mißverständnisse möglichst knapp zu halten. Ich werde nun aber ein paar Details -ich versuche, möglichst kurz zu fassen. – zu- erzählen, um den Zs.hang herzustellen. Ich wurde (ungefragt…) in eine Familie als Sandwich-Kind groß. Probleme wurden nie besprochen, mein Vater saß (wie im „Zappelphilipp“) still und stumm und schaute auf dem Tisch herum. Die eine noch verbliebene Großmutter (die Mutter meiner Mutter), die wochenlang zu Besuch war redete mit uns kein Wort – mein Vater war als nicht-Akademiker nichts wert und damit auch wir. Enstehende oder entstandene Aggressionen wurde sämtlichst auf mir abgeladen oder an mir heruntergelassen. Mein jüngerer Bruder hat unter dieser (Schul-) Zeit zu Hause nicht so gelitten. Er war der erwünschte Stammhalter, dazuhin entwickelte er sich zum Einser-Schüler. Meine ältere Schwester, auch Einser-Schülerin, lernte mit 16 schon ihren Mann kennen, und erhielt dort den nötigen Rückhalt. Ich selber wurde s.o. zum Prellbock für Aggressionen, Sündenbock für alles. Die Reaktionen auf mich waren Ignoranz, Ignorieren meiner Person. Meine schon früh rebellische Art wurde entweder mit Beschimpfungen meiner Person oder sich Lustig-Machen oder Ignoranz quittiert. Ungerechtigkeit mir gegenüber war die Tagesordnung. Einmal erhielt ich(ca 6J.alt) für Frechheit Prügel mit dem Lederriemen von meinem Vater. Meine Geschwister, die durchaus auch keine Engel waren, sind nie in dieser Form bestraft worden. Damals konnte ich die psycholog. Erklärung für mein Verhalten naturgemäß noch nicht wissen. Heute würde ich sie meinem Vater nicht mehr geben. Vergessen habe ich dies nie, ich und werde ihm das auch nie verzeihen, da er noch nie einen Fehler bei sich sieht. Schließlich hat er seine frühere SS-Zugehörigkeit am Oberarm eintätowiert. Dies kann und werde ich hier nicht diskutieren, ist für mich aber kein ausreichende Grund für seine Erbärmlichkeit. Von Zeit zu Zeit – obwohl ich den Kontakt unwiderruflich abgebrochen habe – kommt er mit „man müsse über Mißverständnisse reden“ etc.etc. Womit ich schon wieder, wie gehabt den Schwarzen Peter in meinen Händen hielte. Ich kann auch meinen Geschwistern nicht verzeihen, da sie aus alldem nichts gelernt haben und nichts lernen wollen. Nun, Einser-Abiture können den Mangel an emotionaler und sozialer Intelligenz nicht aufwiegen. Deren Selbstkritik, falls überhaupt rudimentär vorhanden, wird der Egomanie untergeordent…. Mir hat das Briefe-Schreiben geholfen, mich als Schwarzes Schaf und dennoch vollwertig zu akzeptieren. Vor Jahren stieß ich auf das Buch von Claudia Seifert: „Wenn Du lächelst, bist Du schöner“. Mir hat das sehr geholfen. Ich kann dies allen schwarzen Schafen, vor allem denen die wie ich in der Nachkriegszeit zur Welt kamen und damit mittelbar betroffen sind, nur empfehlen. Leonarda

    • cindy sagt:

      Letztendlich ist der Tenor immer derselbe – das schwarze Schaf wird heruntergemacht, auf welche Art auch immer gequält und sehr oft auch als Prellbock ausgenutzt und die Täter wollen dies einfach nicht so sehen, aus Angst, ihr eigenes Gesicht zu verlieren! Mir ist klar, dass sich diese Menschen niemals ändern werden, zumindest solange es ihnen trotz ihres Verhaltens gut geht…!
      Grundvoraussetzung für eine Vergebung ist für mich, dass mich diejenigen, denen ich verzeihen soll, ehrlich um Verzeihung bitten, aber auch das wird wohl nie geschehen, dessen bin ich mir bewusst und deshalb ist es für mich das Beste, einen Schlussstrich zu ziehen, wobei ich denen allen trotzdem die Pest an den Hals wünsche!!!!

    • maro sagt:

      Hallo Leonarda,
      Vielen Dank für Ihre erläuternde Antwort. Ich kann mir das gut vorstellen, was Sie geschrieben haben und auch nachfühlen.
      Beste Grüße, maro

      • cindy sagt:

        @maro: Verletzte Gefühle könnten bei allen anderen Mitgliedern meiner Herkunftsfamilie im Spiel sein, nur nicht bei meinem „Vater“ – als erstgeborener und einziger Sohn wurde er von den übrigen Familienmitgliedern vergöttert, bis heute darf er dort alles! Keiner hat ihm je mal Grenzen gesetzt und meine „Mutter“ ist durch deren Heirat quasi zur Göttin aufgestiegen…
        Alle in der Familie wussten z.B., dass meine „Eltern“ mich und nachher auch mit meiner Schwester bereits als Baby abends einfach stundenlang alleine in der Wohnung eingesperrt haben, um sich zu amüsieren, denn ihre tolle Ehe musste ja gepflegt werden – keiner von denen hat etwas unternommen!!!! Ich glaube, selbst wenn meine „Eltern“ mich umgebracht hätten, hätten die noch alle Beifall geklatscht – sie hätten es ja dann tun müssen, weil ich ja so ein böses krankes Mädchen war…!
        Mir geht es nicht um die oder deren Geld, im Gegenteil: Für mich ist und bleibt das Geld der Hauptgrund für mein Dilemma – man sagt nicht umsonst, dass Geld den Charakter verdirbt… Mit dem geerbten Geld hat mein „Vater“ nun alles erreicht, was er immer wollte: keine Zukunftssorgen mehr, er kann tun und lassen, was er will, braucht sich selbst um niemanden mehr zu kümmern, ist frei, kann gehen wann und wohin immer er will und hat Macht über Menschen…! Dass er wahre Liebe mit Geld nicht kaufen kann, stört ihn nicht weiter – für mich ist er ein kleiner hinterlistiger Teufel in Menschengestalt, der nie irgendwelche Gefühle hatte, die hätten verletzt werden können!!!!
        Mittlerweile bin ich sogar davon überzeugt, dass sich alles ohne dieses viele Geld ganz anders entwickelt und ich vielleicht auch ein besseres Leben gehabt hätte, denn dann hätte sich mein „Vater“ nicht wegen des Geldes bei meiner Omi eingeschleimt und ich hätte seine Wut dann auch nicht abbekommen…

  4. Roswitha sagt:

    Liebe cindy, es gibt doch schon die Vogelgrippe und Rinderwahn. Jetzt auch noch Schafpest? 🙂

  5. cindy sagt:

    Liebe Rosi, schwarze Schafe und ihre Familien sind natürlich immun gegen die Schafpest…!

    • Roswitha sagt:

      Liebe Cindy, es wäre aber ziemlich witzig, wenn unsere Weißen Schafe – für jede Lüge oder Verdrehung einen klitzekleinen Schafpest – Pickel bekommen würden. 🙂

      • cindy sagt:

        Liebe Roswitha, ich glaube, mit den vielen Pickeln im Gesicht wären unsere weißen Schafe wohl nicht wiederzuerkennen, vor allem, wenn sie bei jedem Ihrer Versprechen, das sie machen und mal wieder nicht einhalten, auch noch welche dazukämen…!

  6. maro sagt:

    @osterhasebiene langnase:

    Es freut mich, wenn Sie Arno Gruen’s Gedanken bereichern. Für mich haben seine Ausführungen in den Büchern, die ich von ihm las, etwas Universelles.

    Zu Ihrem Satz: „… über die Psychotherapie hinaus (also das „offiziell“ Pathologische) …“

    Die Verknüpfung von Psychotherapie und Pathologie scheint mir hier zu eng gegriffen. Psychotherapie dient der Auseinandersetzung mit Themen und deren Klärung. Diese müssen nicht zwingend pathologischer Art sein. Und trotzdem nutzen Menschen diese Form der persönlichen Klärung und Weiterentwicklung, u.a. weil sie sich selbst wichtig nehmen. Eine sehr gesunde Einstellung, die nicht zu verwechseln ist mit einem überzogenen Ego.
    Im Gegenteil dazu nutzen viele Menschen NICHT die Psychotherapie, um ihre – durchaus auch schweren – Themen in einer Psychotherapie zu betrachten und zu bearbeiten, weil sie Angst haben, z.B. als „krank“ angesehen zu werden, oder sich selbst so sehen. Ob das der Fall ist oder nicht, ist nicht abhängig von der eigenen Angst vor dem äußeren und/oder eigenen Stigma. Diese Menschen ziehen ein Leben mit einer unter Umständen pathologischen Seite der psychischen Gesundheit vor. Das dahinter verborgene Gefühl von Unzulänglichkeit, einem Gefühl geringen Selbstwerts hindert diese Menschen am Zulassen einer klaren Sicht auf die eigene psychische Gesundheit. Zu groß ist die Angst unwert zu sein.
    Unter der Vermeidung, eine Psychotherapie wahrzunehmen, kann eine psychische Erkrankung bis zum Lebensende eines Menschen erhalten bleiben und psychosomatische Folgeerkrankungen haben. Das bedeutet, dass Menschen ohne Psychotherapie durchaus psychisch (auch schwer) erkrankt sein können, aber sich für gesund halten, weil sie keine Psychotherapie machen, bzw. gemacht haben. Eine psychische Erkrankung fragt nicht danach, ob der Mensch Hilfe in Anspruch nimmt oder nicht. Die Erkrankung hat ihr individuelles Eigenleben, das sich ohne Psychotherapie schleichend weiter „entfalten“ kann.
    Psychotherapie ist weniger eine Frage der Pathologie oder der „offizielle Beweis“ für eine Erkrankung, sondern eher eine Frage wie wichtig sich der Einzelne nimmt. Die Wahrnehmung einer Psychotherapie ist dann eine sehr gesunde! Einstellung.
    Viele Vermeider einer Psychotherapie haben im Kopf einen Knoten: wer eine Psychotherapie macht ist krank. Mit dem stimmt was nicht. Vorsicht! Das ist ein Fehl(kurz)schluss. Haben nicht gerade viele Vermeider unbewältigte Themen, die sie verdrängen und auf diese Weise die Psychotherapie für sich selbst für überflüssig halten und besonders gerne den „wirklich Kranken“ überlassen.
    „Wir behandeln die Falschen“ ist eine inzwischen bekannte Aussage, die darauf verweist, dass die vermeintlich Gesunden unbehandelt sind, bzw. bleiben. Es geht um eine Erkenntnis, die eine ganze Gesellschaft betrifft. Wer ist krank?! – wer ist gesund?! Eine ganz wichtige Überlegung, wie ich finde. Solange die Verdrängung im Einzelnen „funktioniert“, solange wird sich gesund gefühlt. Auch wenn sich eine psychische Erkrankung längst eingenistet hat. Dazu könnten viele Menschen aus ihren eigenen Erfahrungen mit vermeintlich Gesunden berichten.
    Wie hoch ist die Chance für einen gesunden Menschen in einer kranken Umgebung gesund zu bleiben? Ist es nicht eine psychisch gesunde Reaktion eines Menschen mit Krankheitssymptomen zu reagieren, wenn das Umfeld ungesund ist, auch wenn es sich als gesund empfindet? Müssen nicht alle Beteiligten behandelt werden, auch Diejenigen, die sich für gesund halten. Es ist weniger die Frage wer ist gesund und wer ist krank. Es stellt sich eher die Frage eines gesunden oder eines kranken Gefüges innerhalb der Familie, innerhalb des sozialen Umfelds und innerhalb der Gesellschaft. Betrachtet man die Zusammenhänge in der Familie, im sozialen Umfeld UND in der Gesellschaft kommt man auf andere Antworten; als auf das sich hartnäckig haltende Stigma mit Zeigefingercharakter: der Andere ist krank.

    • osterhasebiene langnase sagt:

      Da haben Sie natürlich vollkommen recht. So war der Satz von mir auch gar nicht gemeint, eher schlottrig und nachlässig formuliert. Ich hatte hier „nur“ die von der Krankenkasse bezahlte Psychotherapie im Sinn, bei der ja bestimmte Symptome und daraus folgende Krankheitsbilder nach ICD10 vorliegen müssen. Psychotherapie an sich ist immer eine gute Wahl, als Bewältigung der eigenen Geschichte, Bewusstmachung von Mustern, Integration abgespaltener Gefühle,… und vieles mehr. Was besseres kann sich ein Mensch kaum gönnen und brauchen würde sie eigentlich jeder, denn in unserer Gesellschaft gibt es keine völlig gesunden Menschen. Auch da stimme ich mit Ihnen überein – kann es eigentlich gar nicht geben, bei all den Konflikten und inneren Spaltungen, Zwängen und Rollen. Aber kaum ein Normalverdiener kann sich eine Psychotherapie aus eigener Tasche leisten. Nein, das ist natürlich auch eine Ausrede, weil Urlaub und schickes Auto geht auch…Das viel größere Problem sehe ich darin, dass es überaus schwierig ist, einen guten Therapeuten zu finden. Gute Therapeuten sind meist restlos ausgebucht, unbezahlbar und nicht in einer praktikablen Reichweite. Heilpraktiker gibt es ja jede Menge und ich kenne da auch einige gute, aber auch deren Angebot ist oft nur eingeschränkt brauchbar. Sie sind nicht immer „weiter“ als der Patient selbst. Mit Hypnose habe ich persönlich gute Erfahrungen gemacht, das hängt auch vom Therapeuten ab und davon, wie sie selbst mitgestaltet wird. Aber auch bei den Ärzten mit Zusatzausbildung gibt es „Schwarze Schafe“. Da lässt die menschliche Reife oft sehr zu wünschen übrig. Autoritätshörigkeit beim Patienten kann gefährlich werden, wenn beispielsweise realitätsferne und „komische“ Ratschläge gegeben werden. Auch selbst depressive Therapeuten habe in der Therapie – trotz sicherlich großem Fachwissen – die „pessimistische Brille“ auf. Ob das nun dem Patienten weiterhilft, sei dahingestellt. Jedenfalls sollte sofort das Weite gesucht werden, wenn man das Gefühl hat, hier passt es nicht für einen selbst.
      Im Grunde kann jeder Mensch, der über eine große Lebenserfahrung, Menschlichkeit oder „Weisheit“ verfügt, für andere zum „Psychotherapeuten“ werden. Sich mit sich selbst auseinandersetzen mit/durch einen anderen, ist sowieso das Beste, um zu Selbsterkenntnis (zu sich selbst) zu kommen. Nicht zuletzt eignet sich dafür auch eine Partnerschaft hervorragend, wenn beide dies wollen.
      Auf keinen Fall wollte ich jedoch ausdrücken, dass Psychotherapie nur den „Kranken“ vorbehalten ist und Menschen von vorn herein stigmatisiert!! Sie werden es leider oft in unsere Leistungsgesellschaft. Das finde ich traurig, denn sie verdienen eigentlich großen Respekt.
      Arno Gruen sagt ja auch ganz offen, dass z.B. Ronald Reagan ein Psychopath war. Psychopathen werden in der Regel nicht psychotherapeutisch behandelt und oft selbst von Fachleuten als gesund beurteilt. Trotzdem merkt fast jeder, der einigermaßen menschlich fühlt und denkt, dass da was überhaupt nicht stimmt.

  7. maro sagt:

    @osterhasebiene langnase:

    Ihre Bedenken hinsichtlich Facharzt und Psychotherapeuten kann ich gut nachvollziehen. Es wäre gelogen zu behaupten, dass es da keine Unterschiede gäbe. Es zählt der Mensch hinter der Qualifikation. Die Ausbildung ist das eine. Die Erkenntnisse, eigene Erfahrungen und Werte, die Tiefe der Auseinandersetzung und letztlich der Umgang damit ist etwas anderes.
    Bei der Ausbildung sollte genau hingesehen werden. Damit meine ich, dass ein Heilpraktiker eine ganz andere Ausbildung hat als ein Psychoanalytiker oder tiefenpsychologischer Psychotherapeut. Wer als Heilpraktiker eine Psychotherapie auf dem Niveau eines tiefenpsychologischen Psychotherapeuten anbieten will, erkennt nicht die eigenen Grenzen seiner (Fach-)Kompetenz. Das ist unseriös und unverantwortlich. Eine Fachkraft, die ihre eigenen Grenzen auf ihrem Gebiet kennt und sich danach verhält, ist kompetent und trägt Verantwortung.
    Anders ausgedrückt: Wenn ein Heilpraktiker die Aufgabe eines Psychoanalytikers machen könnte, dann bräuchte der Psychoanalytiker keine jahrelange eigene Analyse zu durchlaufen. Das ist schlichtweg grotesk. Gerade die eigene mehrjährige Analyse in der Ausbildung des Psychoanalytikers ist erforderlich, um dann in diesem Beruf tätig sein zu dürfen. Es ist Voraussetzung für diesen Beruf. Ein Heilpraktiker hat keine eigene Analyse als Voraussetzung für die Ausübung seines Berufs. Er hat ein anderes Fachgebiet und in diesem kann ein Heilpraktiker gut sein. Es mag sein, dass es Heilpraktiker gibt, die gerne die Qualifikation und die Fähigkeiten eines gesetzlich anerkannten Therapeuten haben würden und sich überschätzen und dann dazu neigen diese vermeintlichen Fähigkeiten an Patienten anzuwenden. Da stellt sich die Frage warum diese Selbstüberschätzung?!
    Andererseits gibt es auch Heilpraktiker, die ihre fachlichen Grenzen dem Patienten aufzeigen und diesen an einen Psychotherapeuten ggf. verweisen. Ein Zahnarzt kann schließlich auch keinen Blinddarm entfernen.

    Zu Ihrer Aussage:

    „… Das viel größere Problem sehe ich darin, dass es überaus schwierig ist, einen guten Therapeuten zu finden. Gute Therapeuten sind meist restlos ausgebucht, unbezahlbar und nicht in einer praktikablen Reichweite.“

    Das stimmt nur teilweise. Wohnen Sie im ländlichen Raum, haben Sie eine kleinere Auswahl an gesetzlich anerkannten Psychotherapeuten. Wohnen Sie in einer Großstadt, ist die Auswahl größer. Das verhält sich mit Ärzten ja auch so. Fahren Sie vom Land in die Stadt, um einen Psychotherapeuten aufzusuchen, dürfte das wahrscheinlich ein längerer Weg sein, als wenn Sie vom Stadtrand ins Zentrum dafür fahren müssen. Insofern stimme ich Ihnen zu.

    Was ist ein guter Therapeut für Sie? Vielleicht lohnt es sich darüber nachzudenken und diese Gedanken und Bedenken in einer therapeutischen Sitzung anzusprechen. Es gibt ja die Möglichkeit in den ersten Sitzungen sich gegenseitig kennen zu lernen. Dann kann man sich für oder gegen den Therapeuten entscheiden. Da kann sich etwas loslösen und aufklären. In den ersten Kennenlernsitzungen (es sind 5, wenn ich mich nicht täusche) haben Sie ja auch die Möglichkeit zu prüfen, ob die Antworten, bzw. Reaktionen und der Mensch überhaupt Ihnen entspricht und Sie sich eine vertrauensvolle Zusammenarbeit vorstellen können.
    Es sind nicht nur die „guten“ Therapeuten „restlos“ ausgebucht. Restlos ist insofern nicht ganz stimmig, da sie ja auch wieder einen freien Platz haben werden. Der Wartezeitraum ist heute länger als vor 20 Jahren, unabhängig von „gut“ oder „schlecht“. Selbst ein sogenannter schlechter Therapeut kann Hilfreiches beim Patienten bewirken. Möglicherweise gerade damit, dass er „schlecht“ ist.
    Das „Unbezahlbare“ würde ich nicht an der Qualität (gut / schlecht) festmachen, sondern von der Berufsausbildung. Die Krankenkasse übernimmt nach Prüfung eine bestimmte Anzahl der Kosten. Vorausgesetzt der Therapeut ist von der Krankenkasse anerkannt. In Großstädten gibt es tiefenpsychologische Institute (sie können auch anders heißen, z.B. Sigmund-Freud-Institut etc.). Dort besteht die Möglichkeit von Vorgesprächen. Diese Institute haben Listen mit anerkannten Psychotherapeuten, die dann ausgehändigt werden. Herr Dr. Teuschel wird diese Institute kennen.

    Viel wichtiger ist aber zuerst die Frage, ob Sie eine Psychotherapie WIRKLICH wollen oder nicht.

    Was ich aber nicht bestätigen kann, ist Ihr Satz:

    „… Im Grunde kann jeder Mensch, der über eine große Lebenserfahrung, Menschlichkeit oder „Weisheit“ verfügt, für andere zum „Psychotherapeuten“ werden.“

    Warum kann das nicht jeder? Ein Psychotherapeut steht AUSSERHALB der Situation (real und vor allem emotional! Springender Punkt: Die Ausbildung!). DAS ist sehr, sehr wichtig! Und genau das ist entscheidend, dass es zu KEINER Gegenübertragung vom Psychotherapeuten zum Patienten kommt. Die emotionale Distanz ist entscheidend für die Bearbeitung des Themas, bzw. Themen. Das heißt nicht, dass ein „kalter Fisch“ als Therapeut da sitzt. Empathie ist meines Erachtens eines der wichtigsten, wenn nicht sogar die wichtigste Eigenschaft des Psychotherapeuten in der Therapie. Emphatisch zu sein, d.h. mit dem Gegenüber MITfühlen (OHNE Eigenbetroffenheit). Gleichzeitig hat der Psychotherapeut sein erlerntes Wissen (Werkzeug), das er einfühlsam situationsbezogen anwendet. TRENNEN zwischen „dein“ und „mein“ ist entscheidend. Das Trennen wird in der Therapie gelernt und damit findet, neben der emotionalen Verarbeitung, Klärung und Entwicklung statt.
    Dagegen ein Partner, Freund etc. ist aufgrund seines Bezuges zum Gegenüber immer persönlich emotional involviert. Die emotionale Beziehung zwischen zwei oder mehr Menschen ist nie außerhalb der Personen. Hier gibt es keine emotionale Distanz auf professioneller Ebene.
    Sicher ist eine große Lebenserfahrung, Menschlichkeit und Klugheit von Nutzen im Umgang mit anderen Menschen. Aber die (Gegen-)übertragung ist grundsätzlich da.

    Bildhaft gesehen:
    Ein Paar versucht ein großes, verknotetes Wollknäuel zu entwirren. Dabei verheddern sie sich immer mehr in dem Durcheinander des Fadens.

    Ein Therapeut sieht sich das Wollknäuel mit dem Patienten an, der in dem verheddernden Gewirr eingewickelt ist. Da der Therapeut von außen drauf sieht, kann er dem Patienten sagen, wo der Fadenanfang ist und ihn auf diese Weise aus dem Durcheinander heraus loten.

    • osterhasebiene langnase sagt:

      @maro
      Zunächst vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Ihre Sichtweise ist interessant und in vielen Punkten für mich auch nachvollziehbar. Vor allem in der Bedeutung der Distanz zur Klärung psychischer Fragen stimme ich Ihnen absolut zu. Wobei ich aber glaube, dass es dem „besten“ Psychotherapeuten nicht immer gelingen wird, ganz objektiv zu bleiben, was ja nur menschlich ist. Wir sind alle nur Menschen, daher sollte auch in der Psychotherapie nichts Übermenschliches erwartet werden. Durch gute Ausbildung wird der Blick geschult und ein brauchbares Handwerkszeug vermittelt. Ob dies in der Praxis dann so anwendbar ist, weil ja jeder „Fall“ wieder ganz individuell ist, steht auf einem anderen Blatt. Gerade auch Peter Teuschels Buch „Der Mann, der sich in die Zebrafrau verliebte“ zeigt, welch großes Improvisationstalent ein Psychiater benötigt, das ist fast schon kriminalistische Arbeit, daher auch wahnsinnig spannend, wie ich finde. Theoretisches Wissen ist auf alle Fälle wichtig, aber ebenso Kreativität und ein Gespür für das Menschliche, worin wir uns ja alle doch recht gleichen. Dann denke ich, dass es ohne Liebe überhaupt nicht geht, denn sie öffnet den Menschen. Den Therapeuten muss man, wenn das Innere freigelegt werden soll, unbedingt mögen und akzeptieren. Diese Sympathie muss gegenseitig sein, weil sonst der ganze Prozess stockt. Daher glaube ich auch, dass eine Liebes-Beziehung die wirkungsvollste und oft heftigste Therapie überhaupt ist, weil Liebe immer die „richtigen“ Knöpfchen beim anderen drückt. Also ist auch die „Gegenübertragung“ von großer Bedeutung. Bei einer „Endlosschleife“ dann einen Therapeuten aufzusuchen, ist klug und vielleicht weniger schmerzhaft.
      Ich habe ja auch schon öfter hier erwähnt, dass meine ältere Schwester Ärztin mit Facharztausbildung Psychotherapie ist. Sie ist trotz dieser Ausbildung eine große Belastung für die Familie gewesen und immer noch das schwächste Glied, was psychische Stabilität, betrifft. Sie hat vor allem mich mit ihren Befindlichkeiten und moralischen Ansichten, ich kann sagen, von Kindheit an traktiert und „bearbeitet“. Zum Glück hatte ich auch noch meine Mutter, die vieles wieder ausgeglichen hat und mich sehr unterstützt hat, gerade was mein Studium und meine Ausbildung und überhaupt meine Freiheit anging. Von daher bin ich tatsächlich ein gebranntes Kind, was Psychotherapie betrifft. Ich habe mir dann selbst viel theoretisches Wissen angeeignet, um besser zu verstehen und auch, um eine „Waffe“ in der Hand zu haben. Lange dachte ich, dass alle Psychotherapeuten einen „Totalschaden“ haben müssen. Vorher dachte ich, dass ich selbst vielleicht einen „Totalschaden“ habe. In den letzten Jahren habe ich ganz genau beobachtet und mit der Realität verglichen, habe ganz gezielt andere Menschen gefragt, was sie von den Äußerungen meiner Schwester halten. So sind mir langsam die Manipulationen bewusst geworden und ich habe hinter dem „Gutsein“ und „Gutmeinen“ einen infamen „Rachefeldzug“ gegen mich erkannt. Lebendiges, Positives, Freies, Kreatives wurde systematisch bekämpft und als neurotisch und „böse“ hingestellt (immer klug infrage gestellt). Sie ist in meinen Augen eine ziemliche Narzisstin und auch Sadistin, kann in Wahrheit weder Freude noch Schmerz teilen und empfinden, ein Eisblock mit verschiedenen Masken. Daher muss ich ehrlich sagen, ich beurteile Menschen nicht mehr so sehr nach ihrer Ausbildung, sondern habe andere Kriterien entwickelt, vor allem ein stimmiges Gesamtbild und auch Authentizität. Ich verlasse mich da ziemlich auf mein Bauchgefühl. Bei Herrn Teuschel würde ich eine Psychotherapie machen. Ich war einmal bei ihm zum Coaching in München und bin überwältigt von der Unkompliziertheit und Wertschätzung, die mir entgegenbracht wurde. Er behandelt Menschen nicht von oben herab, sondern auf Augenhöhe, hält sich nicht für klüger oder besser. Ich würde mich nie mehr von einem Therapeuten arrogant behandeln lassen.
      Daher glaube ich, dass der wichtigste Maßstab überhaupt, die eigene Empfindung ist. Klugheit und Methode nützen nicht viel, wenn die Gefühle nicht gefühlt werden können. Mittlerweile habe ich auch wieder Respekt vor Fachwissen und Kompetenz und weiß das zu schätzen und zu nutzen.

  8. maro sagt:

    @osterhasebiene langnase:

    Da häufig Dialoge knapp gehalten werden, oder zur persönlichen Erleichterung genutzt werden, geben Sie uns durch unseren Dialog eine Chance entstandene Missverständnisse aufzulösen, was ich sehr begrüsse und gut finde. Durch einen Austausch, auch elektronischer Art, besteht ja erst die Möglichkeit das geglaubt Verstandene vom Gegenüber bestätigt zu bekommen, oder so erläutert zu bekommen, wie es gemeint war.
    Missverständnisse kommen überall vor und sind in keinster Weise peinlich. Sondern Verständigungssache. Wie sagt man so schön: „Irren ist menschlich“.
    Da wir uns hier im „www“ (world wide web) befinden, kann, z.B. ein heimliches Grinsen oder eine überhebliche Reaktion aus dem anonymen Hintergrund natürlich nicht ausgeschlossen werden. Hier lesen sicher viele Menschen mit, mit welchem Hintergrund auch immer. Für die persönliche Reife ist ja zum Glück jeder selbst verantwortlich. Ein Schriftsteller sagte ein mal, als sein Buch missverstanden wurde: „Man kann sich seine Leser nicht aussuchen“. So verhält es sich letztlich auch auf der Seite der Schwarzen Herde.
    Durch reines Lesen, ohne Dialog mit dem Gegenüber, können Fehlinterpretationen nicht aufgelöst werden. Das ist deshalb schade, weil es dann zu keiner Erkenntniserweiterung kommen kann. Und auch zu keiner wirklichen Verständigung. Deshalb versuche ich mal mit anderen Worten mein bisher „zu Papier Gebrachtes“ anders zu formulieren.

    Ihre Antwort:
    „… Wobei ich aber glaube, dass es dem „besten“ Psychotherapeuten nicht immer gelingen wird, ganz objektiv zu bleiben, was ja nur menschlich ist. …“

    Das sehe ich ähnlich. Objektivität gibt es nicht. Menschen sind immer subjektiv. Jeder. Das zeigt sich z.B. an unterschiedlichen Werteeinstellungen. Auch Psychotherapeuten sind selbstverständlich subjektiv. Allerdings zielte meine Aussage nicht auf Objektivität, bzw. Subjektivität. Ich versuchte aufzuzeigen, dass jeder Beruf durch die unterschiedliche Ausbildung jeweils andere Grenzen in seinem Wirkungsfeld hat. Ein Heilpraktiker hat andere Grenzen in seinem Fachgebiet, als ein Sozialarbeiter, der widerum andere Grenzen hat als ein Heilpraktiker und ein Psychotherapeut und umgekehrt. Es ist die Ausbildung, die den Rahmen der Behandlung bestimmt. Beim Psychotherapeuten ist es die DISTANZ, die u.a. in der Ausbildung erarbeitet wird. Das heißt: die Brötchen kaufe ich beim Bäcker und nicht beim Sozialarbeiter. Oder die Einlagen für die Schuhe gibt es im Orthopädiegeschäft. Und Gespräche über belastende Themen, die die Seele betreffen, sind beim Psychotherapeuten richtig, etc. Das heißt aber nicht, dass ein Psychotherapeut ein „Übermensch“ ist. Das ist niemand. Das war mit „Distanz“ auch nicht gemeint. Es war die fachliche Grundlage gemeint; das Handwerkszeug, mit dem die Fachkraft arbeitet. Der Mensch selbst, das Menschliche, ist damit nicht gemeint. Um zu wissen, ob man mit dem FachMENSCH arbeiten kann, ist ein persönliches Gespräch das Beste, denke ich. Da kommt der Mensch im Therapeuten rüber (Oder auch nicht. Dann wäre eine andere Berufswahl womöglich besser). Deshalb schrieb ich auch: „Es zählt der Mensch hinter der Qualifikation“.

    Zu Ihrer Aussage:
    „… Dann denke ich, dass es ohne Liebe überhaupt nicht geht, denn sie öffnet den Menschen. Den Therapeuten muss man, wenn das Innere freigelegt werden soll, unbedingt mögen und akzeptieren. Diese Sympathie muss gegenseitig sein, weil sonst der ganze Prozess stockt. …“

    Ich würde sagen, dass die LIEBESFÄHIGKEIT des Therapeuten sehr wichtig ist, die sich unter anderem in der Empathie, also dem AKTIVEN Mitfühlen und der Zugewandtheit zeigt, die der professionellen Distanz nicht widerspricht. Möglicherweise meinen Sie mit „Liebe“ das gleiche(?). Ich nenne lieber die EIGENSCHAFTEN der Liebesfähigkeit beim therapeutischen Setting und die Liebe im Privaten, weil unter Liebe (weltweit) sehr viel unterschiedliches verstanden wird. (Die Spannweite reicht bis zum Mord aus Liebe).
    Ich finde auch, dass es sehr wichtig ist, den Psychotherapeuten sympathisch zu finden, weil ja das Innere, wie Sie schon richtig sagen, freigelegt wird. Auch der Psychotherapeut kann sich für oder gegen jemanden zu Beginn entscheiden. Bei einer Entscheidung dagegen kann auch das Thema des Patienten eine Rolle spielen, das einen Psychotherapeuten selbst „betroffen“ machen kann und dann seine Distanz fehlt (das Thema wird dann professionell erarbeitet). Dann ist eine Entscheidung dagegen richtig und verantwortungsbewusst.
    Dass Sie aufgrund Ihrer Erfahrungen mit Ihrer Schwester ein „gebranntes Kind“ sind in Sachen Psychotherapie, wie Sie schreiben, kann ich durchaus gut nachvollziehen. Das ist sehr traurig. Ich erinnere mich noch daran, als Sie das erste Mal hier davon berichteten. Das macht die Sache für Sie nicht einfach. Vielleicht können Sie, z.B. auch durch Herrn Dr. Teuschel’s positive Wirkung, sehen, dass andere Therapeuten ganz anders sind als Ihre Schwester.

    Sie schreiben:

    „… Ich habe mir dann selbst viel theoretisches Wissen angeeignet, … und auch, um eine „Waffe“ in der Hand zu haben.“

    Das verstehe ich gut auf dem Hintergrund was Sie von Ihrer Beziehung mit Ihrer Schwester berichtet haben. Auch wenn Sie nur einen kleinen Auszug davon mitteilten, ist doch spürbar, dass Ihre Geschichte nicht leicht war und ist. Ich wünsche Ihnen, dass Sie eines Tages die Waffe niederlegen können.

    Nach Ihrer Meinung:

    „… Also ist auch die „Gegenübertragung“ von großer Bedeutung“.

    Meiner Meinung nach sollte die GEGENübertragung nur AUSSERHALB eines therapeutischen Settings stattfinden (die Übertragung von Patient auf den Therapeuten auch innerhalb). Sonst würden irgendwann vielleicht gegenseitig die Fetzen fliegen im Therapiezimmer. Das ist eher nicht Sinn der Sache. Abgesehen davon hält auch ein Therapeut das nicht lange aus, wenn er sich mit jedem Patienten haareraufend fetzen würde, um dann völlig erschöpft im Sessel zu hängen. Ein Therapeut hat ja schon einige Patienten am Tag. Das heisst aber nicht, dass eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema nicht stattfinden soll!
    Also Übertragung und Gegenübertragung schon im ganz „normalen“ Leben. In der Therapie wird meiner Meinung nach die Übertragung des Patienten betrachtet. Es sollte nicht sein: Keine Gegenübertragung vom Therapeuten auf den Patienten.

    Ich finde das ist eine gute Haltung:

    „… Ich würde mich nie mehr von einem Therapeuten arrogant behandeln lassen.
    Daher glaube ich, dass der wichtigste Maßstab überhaupt, die eigene Empfindung ist.“

  9. osterhasebiene langnase sagt:

    @maro
    Stimmt, digitale Dialoge sind eine ganz besondere Sache, einerseits wird ein bestimmter Gesprächspartner angesprochen, aber gleichzeitig ist es quasi eine Veröffentlichung der eigenen Ansicht und hat dadurch auch ALLGEMEINgültigkeit. Daher habe ich auch zunächst gezögert, meine persönliche, familiäre Erfahrung in Bezug auf Psychotherapie hier reinzubringen. Ich habe mich dann dafür entschieden, weil es 1. mir persönlich gut tut (nicht nur kurzfristig, als Rache oder Dampfablassen), sondern als wirkliche Befreiung und 2. weil es tatsächlich geschieht, dass Berufe auch „missbraucht“ werden (die nötige menschliche Reife nur unzureichend vorhanden ist), daher hat das Thema auch wieder sowas wie Allgemeingültigkeit. Vermutlich kommt es gar nicht so selten vor v.a. bei einer bestimmten Altersgruppe.(Nachkriegsgeneration) – kann aber so auch nicht verallgemeinert werden. Für manche Ärzte wäre eventuell ein Beamtenjob besser geeignet gewesen. Dass das alles eine sehr subjektive Sichtweise ist, ist mir klar, die ich mir aber trotzdem nicht nehmen lasse und meine Schlüsse daraus ziehe. Ich hoffe, Sie haben sich von mir nicht „missbraucht“ gefühlt, weil ich in diesem Dialog wieder in „mein“ Thema reingerutscht bin. Zum Thema Psychotherapie kann ich nicht so „objektiv“ diskutieren, wie manch anderer, aber vielleicht ist auch das eine Bereicherung und Erweiterung der Sicht für andere, denn oft werden Menschen nur nach der Fassade beurteilt. Die Psychotherapie entwickelt sich zum Glück ja auch stetig weiter und vieles wird heute nicht mehr so orthodox gehandhabt, wie noch vor 20 oder 30 Jahren.

    „Gegenübertragung/Übertragung“ ist so ein Thema wo ich merke, dass ich da leicht ins Schleudern gerate, weil hier wirklich differenziert werden muss. Wie Sie oben auch schon sagten „kalter Fisch“ oder ganz bewusste Zurücknahme des Therapeuten und Distanz – das ist ein gewaltiger Unterschied. Distanz wird erlernt durch Wissen und Selbstdisziplin/-Beobachtung, Achtsamkeit ect. Natürlich bringt gegenseitiges „Gefetze“ nicht weiter und verbraucht unnötig Energie. Aber immer noch werden in unserer betont wissenschaftsgläubigen Gesellschaft Gefühle zu Unrecht abgewertet. Die Seele des Menschen ist genauso wenig wie der Körper unter sterilen Bedingungen sezierbar und wieder beliebig zusammenfügbar. Deshalb ist jede „Geschichte“ auch so einzigartig. Die beste „Waffe“ ist eigentlich das Geschichtenerzählen, denn jeder hat auf seine Art „recht“ und ein Recht auf seine eigene Geschichte. Vom Du zum Ich zum Du, hat Martin Buber gesagt – das wäre ein „guter“ Entwicklungsweg.

    Unser Gesundheitssystem macht es uns nicht leicht. Das ICD10 verhindert, dass Menschen sich frühzeitig Beratung suchen. Hier müsste m.E. viel mehr für Prävention getan werden und auch Geld aus der Kasse zur Verfügung stehen. Bei steigendem Bedarf durch psychische Erkrankungen sind viel zu wenig Psychotherapeuten vorhanden und Menschen kommen zu spät in Behandlung. Das ist auch eine Folge von Tabuisierung und Stigmatisierung.

    Zum Heilpraktiker (bin selbst einer) kann ich nur sagen: „Eigene Grenzen erkennen!“ und verantwortungsbewusst handeln! Heilpraktiker dürfen „fast“ alles. (das Heilpraktikergesetz stammt noch aus der Nazizeit) Theoretisch dürfen sie sogar einen Blinddarm operieren, wenn sie sich an die hygienischen Vorschriften halten. Eine Frage bei der Heilpraktikerprüfung lautete mal: Dürfen HP Blinddarm operieren? Antwort: Ja klar, kein Problem. Nur sollten sie nicht den Blinddarm, sondern den Wurmfortsatz operieren.

  10. cindy sagt:

    @maro, osterhasebiene langnase:

    Eure Diskussion bezüglich Therapeuten und ihre Fähigkeiten lese ich seit einigen Tagen auch fleißig mit…
    Osterhasebiene langnases Situation ist garantiert nicht einfach – wenn ein Mitglied der Herkunftsfamilie selbst Psychotherapeut ist, erwartet man, dass Vernunft in die Familie einkehrt und es dort keine schwarzen Schafe gibt, aber oft ist gerade das Gegenteil der Fall!
    Von Leuten, denen ich meine Situation erklärt habe, kam oft der Satz „Aber dein Vater ist doch Lehrer, ein Pädagoge!“ und von solchen Leuten erwartet man Gerechtigkeit und Verständnis und in solchen Familien dürfte es eigentlich keine schwarzen Schafe geben – denkt man zumindest…
    Auch unter Therapeuten, Pädagogen, Erziehern, Sozialarbeitern, Geistlichen etc. gibt es meiner Meinung nach schwarze Schafe, aber im Gegensatz zu den meisten von Herrn Teuschel beschriebenen schwarzen Schafen in Familien sind sie nicht unschuldig da hineingeraten, sondern ganz im Gegenteil: Einige von denen suchen sich ihren Beruf vielleicht sogar bewusst aus, um zu lernen, wie man Menschen manipuliert und missbraucht… Bei den Letztgenannten haben einige ihre Stellung sogar bewusst ausgenutzt, weil sie wussten, dass man solche Taten von ihnen nie und nimmer erwartet hätte…

    Liebe osterhasebiene langnase, vielleicht ist es ein Trost, zu wissen, dass es schwarze Schafe auch und vielleicht gerade in Familien gibt, von denen man es nicht erwarten würde…!

    • osterhasebiene langnase sagt:

      @cindy
      Danke, liebe Cindy, ja, so ist das. Es sind (oft) die tollen Vorzeigefamilien, alle sind stolz (sogar ich habe diesen Mythos geteilt), dass es ein Familienmitglied so weit geschafft hat (bis zum Arzt). Tatsächlich steckt dahinter aber ein ausgewachsenes Helfersyndrom, sowas wie ein großes Selbsthilfeprogramm. Der Beruf wurde ganz bewusst so gewählt, glaube ich auch, dass es zur Symptomatik passt, so dass man seine „Krankheit“ gut ausleben kann ohne dass es groß auffällt und man sich auch noch gut fühlt. Ich habe leider zu lange mitgespielt, seit ich das nicht mehr tue, ist der innere Druck und die unterschwellige Angst weg und mir geht es viel besser. Zum ersten Mal habe ich vor zwei Jahren, also um meinen 50. Geburtstag rum, öffentlich darüber gesprochen. Zuerst dachte ich, so, jetzt habe ich also Hochverrat begangen, aber man sagte mir einfach, dass das völlig ok ist, dass ich das sagen darf. (Und ich hatte solche Angst davor!) Das war in der Altenpflegeschule, wo ich überhaupt viele menschlich positive Erfahrungen gemacht habe. So wurde ich vom Prügelknaben (der sich auch noch für die Prügel bedankt), zum „Schwarzen Schaf“. Heute bin ich bereit, keinen Preis mehr fürs Dabeisein zu zahlen, auch wenn ich noch nicht genau weiß, wie es jetzt weitergeht… Zum Glück fühle ich mich nicht mehr schuldig. Sich öffnen und darüber sprechen ist der beste Weg. Irgendwann fliegt jeder Schwindel auf und sei es auf dem Sterbebett, auch das habe ich in der Altenpflege gelernt.

  11. maro sagt:

    @osterhasebiene langnase:

    Vorab: Ich habe mich nicht missbraucht gefühlt, weil Sie Ihr eigenes Thema mit hineingenommen haben. Die Schwarze Herde ist in gewisser Hinsicht ein Minenfeld (d.h.: es ist nicht sicher, ob durch eigene Aussagen sich jemand unangenehm berührt fühlt; also ungewollt den anderen verletzen kann). Damit meine ich, dass es hier sehr unterschiedlich ursprünglich! geprägte Verletzungen gibt, die individuell konträr von einem zum anderen schwarzen (oder auch weißen!) Schaf empfunden werden können. Was für den einen eine tiefe Kränkung war, kann für den anderen etwas Lebensnotwendiges gewesen sein. Da mir das bewusst ist, weiß ich, dass Gefühle, trotz ähnlich gelagerter Themen, dennoch verschieden ausfallen können. Die individuelle und genaue! Betrachtung ist immer erforderlich. Daher halte ich es für wichtig nicht in der dritten Person (man) zu sprechen, sondern immer für sich selbst.

    Ich denke, dass auch Tabus in der schwarzen Herde angesprochen werden dürfen, was ich ja hiermit getan habe. Geteiltes Leid ist nicht notwendigerweise immer gemeinsames Leid. Das darf ehrlich geäußert werden. Und ich denke, je eher dies realisiert wird, desto besser kann mit den Gefühlen anderer und eigener sensibel umgegangen werden. Ich respektiere die Verletzungen anderer. Es sind ihre, nicht meine.

    @ osterhasebiene langnase, cindy:

    zum Thema Missbrauch des Berufs:
    Ganz klar, es kam und kommt immer wieder vor. Da haben sich schon Abgründe aufgetan. Sehr erschreckend fallen Missbraucher in Institutionen auf, die sich selbst als hohe moralische Instanz sehen und verstehen. Da klaffen Welten auseinander. Besonders gravierend und mit katastrophalen Auswirkungen finde ich Missbraucher, die mit Kindern arbeiten. Kinder können in der Regel nicht aus der Situation heraustreten und sind ausgeliefert. Der letzte Ausweg ist dann weglaufen. Sie leben häufig auf der Straße. Die Probleme für diese Kinder wachsen (Armut, Kälte, Kriminalität, Prostitution, Krankheiten, auch kürzere Lebensdauer, etc.). Sie haben so gut wie keine Chance mehr.
    Das Dilemma mit den Missbrauchern ist nicht einfach nachzuvollziehen. Insbesondere sexueller Missbrauch ist ja auch ein wirklich außerordentlich abstossendes Thema. Unter Berücksichtigung der Lebensgeschichte eines Missbrauchers erschließt sich die Berufswahl, z.B. zum Lehrer, und der weitere Lebensweg eines Missbrauchers. Wählt ein Mensch einen Beruf, in dem er mit Kindern arbeitet, bedeutet das nicht unbedingt, dass dieser Mensch zu diesem Zeitpunkt bereits Missbrauchsgedanken hatte, oder gar Taten ausgeführt hat. Der Prozess ist schleichend, denke ich. Zu Beginn steht das Interesse am Beruf und die Überzeugung zu helfen, unterstützen. Es besteht eine besondere Affinität zu den Kindern, die im günstigen Fall einfühlsam fördernd genutzt werden kann, oder im ungünstigen Fall diese besondere Einfühlung in das Kind zum Missbrauch „genutzt“ wird. Der Weg da hin ist schleichend und erstmal eher unbewusst. Ob sich ein Täter seinen ungesunden Anteilen bewusst wird, ist individuell zu betrachten. Es fehlt das psychische „Stoppschild“, das ein Nicht-Missbraucher hat. Die Grenzen des Täters sind ver-rückt. Vermutlich durch selbst erfahrenen Missbrauch in der Kindheit. Wenn das Missbrauchsthema beim Missbraucher selbst nicht aufgearbeitet wird, kann es zum Missbrauch an Schutzbefohlenen führen. Es gibt aber auch Missbraucher, die trotz therapeutischer Arbeit rückfällig wurden. Und es gibt Missbraucher, die sich selbst gemeldet haben, wenn sie die inneren Anzeichen gespürt haben. Nach meiner Erinnerung gab es in Amerika einen Wiederholungstäter, der sich von sich aus operieren lies (Genitalien), weil er spürte, dass er rückfällig wird und dass er dies nicht stoppen konnte.
    Was ich mit diesen Ausführungen NICHT sagen möchte, ist, dass Missbraucher damit entschuldigt sind. Es gibt Erklärungen, keinen Freibrief! Das bedeutet keine Entschuldigung! Die Verantwortung liegt beim Täter.
    Ich bin mir nicht sicher, ob jeder Missbrauchsfall auf einen eigenen Missbrauch zurückgeführt werden kann. Hier spielen sicher auch andere gesundheitliche und ggf. genetische Faktoren eine Rolle.

    In unserer Gesellschaft wird „Verkopfung“ erheblich stärker geschätzt, als die Gefühlswelt. Das sehe ich ähnlich, @ osterhasebiene langnase. Ich finde das bedauerlich, weil sich der Mensch damit selbst einschränkt. Und damit sich eine ganze Gesellschaft ein- und beschränkt. Deshalb schrieb ich an anderer Stelle, dass die Einbeziehung der Gesellschaft in das Gefüge wichtig ist. Wir sind ja in ständiger Interaktion mit anderen. Und damit auch der Gesellschaft.

    Distanz wird m. E. n. insbesondere durch die emotionale UND kognitive Verarbeitung erst ermöglicht. Was nutzen alle Fachbücher dieser Welt, wenn neben der Bereicherung fachlichen Wissens und kognitiver Erkenntnisse das emotionale WiederERLEBEN fehlt. Das ist nur die halbe Arbeit. Ohne begleitetes! Wiedererleben schmerzlicher Erfahrungen vollzieht sich keine Distanz. Sondern Wiederholung des Schmerzes, z.B. durch anhaltende Wut, Aufrechterhaltung alter Muster, Missbrauch, etc. In der Begleitung wird der Schmerz in gleicher Härte wieder erlebt unter genauer Betrachtung und Differenzierung der Ereignisse. Danach ist der Schmerz und das Erlebte INTEGRIERT und genau das schafft Distanz. Das ist meine Überzeugung.
    Ein sich an eine schmerzhafte Situation zu erinnern und z.B. wütend darüber werden ist nicht ausreichend für wirkliche Distanz. Ein Verharren in der Wut und stecken bleiben ist dann eher der Fall. Das kann (lebens-)wichtig sein für eine zeitlang. Für die Distanz ist das bewusst werden der eigenen erlebten Gefühle wichtig, z.B. eine übergroße Ohnmacht in der Situation mit Folge von Sprachlosigkeit, oder Wut. War Panik in der Situation da, Todesangst etc. Das ist oftmals abgespalten, weil das der Mensch nicht aushält. Erst durch den stärker werdenden Leidensdruck fällt eine Entscheidung zu begleiteter Hilfe.

    Das Thema professionelle Hilfe sehe ich vor allem auf politischer Ebene. Geld ist da. Das Gesundheitssystem erhält davon aber zu wenig. Sicherheit und Status Deutschland’s scheint wichtiger als Gesundheit. Das Menschen zu spät in Behandlung kommen, finde ich auch. Allerdings gibt es da die innere Blockade (ausreichender Leidensdruck, der die Tür zum Therapeuten öffnen kann, muss da sein). Dann haben wir ja auch noch unsere Nazi-Vorgeschichte. Auch wenn sie heute kritisch betrachtet wird, so halten sich manche Dinge in den Köpfen, z.B. abhärten gilt durchaus noch als gut. Dann gibt es immer noch den „Warmduscher“ als Lächerlichgemachter. Wenn Frauen in Führungspositionen kommen, müssen sie sich als Männer beweisen. Woher kommt das nur?! Eine weibliche (andere) Art zu führen wird immer noch missbilligt. Führung hat immer noch etwas mit durchgreifen, Druck machen und damit auch mit Gewalt zu tun, wenn auch „gesellschaftsfähig“ getarnt. Gewalt am Arbeitsplatz! Das darf man ja gar nicht sagen! Nein, der Druck wird vom Individuum akzeptiert, integriert und somit als NORMALE NORM weitergegeben. Das erspart das eigene Leiden, weil es ja als normal hingenommen wurde. Da fällt mir Arno Gruen wieder ein: „WIR WERDEN ALS ORIGINALE GEBOREN UND STERBEN MEISTENS ALS KOPIEN“.

    Danke Herr Dr. Teuschel für’s mitlesen, sichten, nachdenken und Ihre Geduld mit langen Texten.

    • Peter Teuschel sagt:

      Gerne! 🙂
      Verglichen mit anderen Foren geht es in der Schwarzen Herde ohnehin sehr gesittet und respektvoll zu.

    • osterhasebiene langnase sagt:

      @maro

      Da ich hier immer wieder meine Subjektivität betone und die Grenzen eines anderen auf keinen Fall verletzen möchte und das trotzdem passieren kann, bin ich froh, Rückmeldung zu bekommen, wenn das der Fall bzw. nicht der Fall ist. Das „man“ ist ja auch manchmal ein Trick um eigene Ansichten zu verschleiern und sie als Allgemeingültigkeit darzustellen. Dann ist das „man“ auch wieder zulässig, wenn etwas exemplarisch darstellt (also für mehrere gesprochen wird).

      Missbrauch ist eine schlimme Grenzverletzung, sei es psychisch oder körperlich. Sexueller Missbrauch ist von ganz besonderer Art, weil hier wie Herr Dr. Teuschel auch in seinem Kommentar (Schräglage) sagt, das Körperliche UND Seelische verletzt wird, was schlimme Folgen für das Opfer hat. Die Vertrauensfähigkeit wird stark beeinträchtigt und damit auch die Lebensqualität reduziert. Angst- und Panikstörungen können sich entwickeln und vieles mehr. Die Frage ist, wie können sich Frauen besser schützen? Wie können Kinder besser geschützt werden?Gerade in einen Sozialstaat wie Schweden ist die Vergewaltigungsrate extrem hoch. Ich hab gelesen, 6000 Vergewaltigungen pro Jahr plus Dunkelziffer. Viele trauen sich in Schweden nicht mehr ohne Waffe einkaufen gehen. Da glaube ich auch wieder, dass die sogenannten Gutmenschen gefährdeter sind als andere, weil sie ihre Grenzen zu leicht öffnen, (auch gesunde) Aggressionen als „böse“ verdrängt haben und ihre Grenzen weniger gut verteidigen können. Das Immunsystem ist – bildlich gesprochen – geschädigt und Freund und Feind kann nicht mehr richtig voneinander unterschieden werden. Weil Aggression oder Antipathie nicht wirklich gefühlt wird/werden darf (Intuiton/Bauchgefühl), wird dem Feind die Türe geöffnet, in der Hoffnung, dass er einem schon nichts Böses antun wird. Der Kopf rechtfertigt das mit Scheinargumenten wie Menschlichkeit/Humanität ect., dabei bringt er sich und andere in Gefahr. Kurz: der Realitätssinn ist gestört. So viele Morde, Missbrauch und Vergewaltigung geschehen im engen Freundes- und Verwandtenkreis. Echte Humanität darf auch ohne Konsequenzen NEIN sagen. Der Gutmensch trägt das Potential zur Selbstvernichtung in sich. Wir müssen auch unsere Aggressivität wieder entdecken, integrieren und erlernen, um Grenzen zu verteidigen, ohne Hass und Schuldgefühl. Das Paradies auf Erden gibt es leider nicht.

      Distanz entsteht auch durch Leiden, ja durchaus. Etwas das durchlitten wurde, ist irgendwann abgehakt. Kommt es wieder, dann heißt es vielleicht: „Hallo, da bist du ja. Kenn ich schon, jetzt kannst du wieder gehen.“ Diese Distanz ist möglicherweise sogar nachhaltiger, weil das Unterbewusstsein überzeugt wurde, dass der Kampf nun endgültig ausgefochten ist.

      Und zu guter Letzt glaube ich einfach an die große Kraft der Liebe. Sie leitet den Menschen, wenn er es zulässt. Empathie und Verstehen und Vertrauen, aber auch Antipathie, Distanz und Aggression in einem ausgewogenen Verhältnis und dazu eine Prise Humor. Vielleicht müssen wir gar nicht als Kopie sterben.

  12. maro sagt:

    @osterhasebiene langnase:

    Sie schreiben:

    „Das „man“ ist ja auch manchmal ein Trick um eigene Ansichten zu verschleiern und sie als Allgemeingültigkeit darzustellen. Dann ist das „man“ auch wieder zulässig, wenn etwas exemplarisch darstellt (also für mehrere gesprochen wird).

    Wem oder was sollte Verschleierung nutzen?? Außer einer Taktik, die unter Verlust der Glaubwürdigkeit entlarvt wird.
    Um etwas allgemein häufig Auftretendes darzulegen, ist dies anhand von Fachliteratur, Fachwissen und wissenschaftlichen Untersuchungsergebnissen, die teils auch in der Fachliteratur genannt werden, sinnvoll. Für nicht sinnvoll halte ich Schwammiges, Nebulöses, allgemeine vielseitig auslegbare Phrasen, beliebige oder willkürliche Definitionswechsel und fremde Aussagen als eigene Meinung darzulegen. Das hinterlässt nur einen schalen Geschmack und bringt meiner Meinung nach nicht weiter.
    Ich kann nur für mich sprechen, niemals für einen anderen. Außer ein anderer hat mir seine Geschichte oder ein Erlebnis erzählt. Dann kann ich das wiedergeben. Ich möchte auch gar nicht, dass für mich gesprochen wird in einer als „schwarze-Schaf-Allgemeingültigkeit“, die eher an Projektion erinnert. Wer ein persönliches Erlebnis auf die Allgemeinheit der schwarzen Schafe überträgt kann falsch liegen. Aus eigener Erfahrung empfinde ich es eher als unangenehm, wenn mir ein fremdes Erleben als MEIN Erleben übergestülpt wird. Auch wenn manche Ereignisse mehrere Personen ähnlich oder sogar gleich erleben, muss das nicht zwingend heißen, dass es dann gleich Allgemeingültigkeit für eine ganze Gruppe hat. Jeder Mensch hat sein eigenes, persönliches, individuelles Erleben und Verarbeiten, und seinen eigenen Blick auf die Welt. Als Beispiel der Missbrauch: Missbrauch traumatisiert Menschen. Das lässt sich allgemein sagen. Aber: wie der Missbrauch individuell erlebt wird und welche Folgen entstehen, ist von Mensch zu Mensch verschieden.

    Zur DISTANZ hatte mir vor vielen Jahren ein Psychologe, den ich privat kennengelernt hatte, mal gesagt, dass bei wirklicher Verarbeitung das beeinträchtigende Thema tatsächlich NICHT MEHR ZURÜCK kommt. Das war auch meine Erfahrung.

    • osterhasebiene langnase sagt:

      @maro

      Zu guter Letzt, aller guten Dinge sind drei:
      1. „man“ als Verschleierung der eigenen Ansicht kann dazu dienen, keine Verantwortung für das Gesagte zu übernehmen (vielleicht weil man`s nicht so genau weiß) – nicht mehr und nicht weniger, muss auch gar nicht groß moralisch bewertet werden.
      2. Die sogenannten hochpsychologisch bearbeiteten Themen kommen immer wieder, schon als Test, ob sie auch wirklich bearbeitet sind – tja, so hinterhältig kann das Leben sein.
      3. Es ist immer gut, wenn man einen Psychiater/Psychotherapeuten persönlich kennt, dann kann man sich ein viel besseres Bild machen.

      • maro sagt:

        @ osterhasebiene langnase:

        Sie haben sicher gute Gründe für Ihre Meinungen. Diese will ich Ihnen auch nicht nehmen. Auch wenn wir selten einer Meinung sind, respektiere ich Ihre Sichtweise. Meine Meinung möchte ich allerdings auch respektiert wissen und diese vertrete ich.
        Ein „Muskelspiel“ um Fachwissen, psychotherapeutischer Erfahrung und altersbedingte Lebenserfahrung als gegeneinander gerichtete Konkurrenz läuft m.E. Gefahr im „www“ zu eher wenig ernsthaften Gedanken anzuspornen und Unverständnis und/oder Gelächter zu fördern. Das ist ein Grund weshalb ich meine Berufe und mein Alter nicht erwähne, aber auch v.a. weil es das Schubladendenken fördert. Für mich zählt nicht ausschließlich der Beruf oder das Alter, auch wenn ich mich der Psychoanalyse nah fühle und auf eine weitreichende Lebenserfahrung zurückblicke. Es ist in letzter Konsequenz der Mensch mit seinen Werten, differenzierten Meinungen und Erkenntnissen, der mich überzeugt. Das kann auch ein Straßenkind sein.

        In der Psychoanalyse nimmt der Prozess der konstruktiven Auseinandersetzung den längsten Zeitraum ein (verglichen mit anderen therapeutischen Verfahren) und ich finde dies überaus wichtig, um nachzufühlen, nachzudenken und letztlich können innerhalb dieses zeitlichen Rahmens weitreichendere, differenzierende und befriedigendere Erkenntnisse erzielt werden als in zeitlich kürzeren Sitzungen. Zumindest ist dies für mich wichtig. Es mag Menschen geben, die sich mit schnelleren Lösungen oder sich mit anderen Verfahren gut fühlen. Das ist auch in Ordnung. Dies ist sicher individuell verschieden.

        Für mich ist es die Selbstliebe, die mich schützt und wärmt.

        • maro sagt:

          P.S.: beim Straßenkind ist es die unmittelbare existenzielle Lage, die mich überzeugt. Diese ist authentisch, echt.

          • osterhasebiene langnase sagt:

            @maro

            Gegen moralische und perfektionistische Instanzen ist kein Kraut gewachsen, da hat das Menschliche nicht viel Platz. Anerkennung dort zu suchen ist vergebliche Liebesmüh, ja das Straßenkind kann man lieben, da kann man vom hohen Ross herabsteigen und gnädig sein. Das ist echt. Menschen ohne Gesicht können nie gefasst werden, das ist sehr clever. Es geht nicht um Überzeugungen/Diskussion/Austausch, sondern darum „wer ist der bessere Mensch“, in diesem Wettstreit können alle nur verlieren.

  13. cindy sagt:

    @osterhasebiene langnase:
    „Da glaube ich auch wieder, dass die sogenannten Gutmenschen gefährdeter sind als andere, weil sie ihre Grenzen zu leicht öffnen, (auch gesunde) Aggressionen als „böse“ verdrängt haben und ihre Grenzen weniger gut verteidigen können. Das Immunsystem ist – bildlich gesprochen – geschädigt und Freund und Feind kann nicht mehr richtig voneinander unterschieden werden. Weil Aggression oder Antipathie nicht wirklich gefühlt wird/werden darf (Intuiton/Bauchgefühl), wird dem Feind die Türe geöffnet, in der Hoffnung, dass er einem schon nichts Böses antun wird. Der Kopf rechtfertigt das mit Scheinargumenten wie Menschlichkeit/Humanität ect., dabei bringt er sich und andere in Gefahr.“

    Wie sich das äußert, sieht man ja jetzt auch aktuell an den Verbrechen in der Silvesternacht in Köln – anfangs traute man sich noch nicht einmal, auch nur zu vermuten, dass unter den Tätern eventuell Flüchtlinge sein könnten, weil diese Menschen ja angelblich nicht böse sein können… Aber es sind wie alle auch Menschen und darunter gibt es nun einmal gute UND schlechte…! Dies gilt für ALLE Menschengruppen, egal welcher Herkunft, welches Geschlecht, welche Religion, welchen Beruf, wie alt, wie reich usw….
    Viele Menschen halten Leute von bestimmter Herkunft noch immer für „immun“ gegen das Böse, doch ein GESUNDES Misstrauen gegenüber jedem Menschen ist mehr als angebracht…!

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