Schwarze Schafe: Gar nicht mal so leicht, das mit der Distanz!

Gestern machte eine Meldung die Runde, dass sich ein schwarzes Schaf in einen Tankstellenshop verirrt hatte. Die Polizei hat das Tier, das sich und andere gefährdet habe, gerettet und auf eine nahegelegene Wiese verfrachtet.

So weit, so gut.

Aus der Sicht des schwarzen Schafes sieht diese Geschichte allerdings etwas anders aus:

Ausgestoßen und gemobbt von seiner weißen Herde hat sich das schwarze Schaf nach einer langen Leidenszeit entschlossen, etwas Distanz zwischen sich und die anderen Schafe zu bringen. Also hat es die Herde verlassen, um anderswo sein Glück zu suchen. „Ein Tankstellenshop ist da schon mal ein guter Anfang“, hat sich das Schaf gedacht. „Da halten viele Fahrzeuge, die überallhin unterwegs sind. Vielleicht kann ich dort irgendwo zusteigen und mir die große weite Welt anschauen, einen Ort suchen, an dem schwarze Schafe willkommen sind.“

Aber dann kamen leider diese Männer in Uniform mit den schwarzen Sonnenbrillen und taten recht besorgt und schnappten sich das reiselustige Schaf. Ab mit dir auf eine Wiese, wo du hingehörst!

das schwarze Schaf in Polizeigewahrsam Bild: ©www.20min.ch

Das schwarze Schaf in Polizeigewahrsam
Bild: ©www.20min.ch

Naja, wenigstens haben sie es nicht zur weißen Herde zurückgebracht.

Ich sehe das Schaf vor mir, wie es abwartet, bis es dunkel ist. Im Schutz der Nacht wird es wieder aufbrechen.

Erster Versuch gescheitert, aber einmal ist keinmal. Und Schafe sind lernfähiger, als die Polizei glaubt. Zumal schwarze …

Peter Teuschel

 

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16 Kommentare zu Schwarze Schafe: Gar nicht mal so leicht, das mit der Distanz!

  1. Sophie sagt:

    Was sagt uns das?

    Wenn man Distanz zur Krisenherde schaffen will, muss man aufpassen, dass die Schutztruppe nicht als deren Zuträger fungiert. 😉

  2. Vielleicht hat das Schaf das Buch „Rita, das Raubschaf“ gelesen und sich davon inspirieren lassen. Rita wurde aber nicht gemobbt, sondern war einfach gelangweilt, und ist deshalb ausgebrochen und zusammen mit dem Meerschweinchen Ruth auf große Fahrt gegangen. Vielleicht eher ein Buch für die bunten Schafe?

  3. Hallo, Herr Teuschel,

    wie Sie wissen, sind schwarze Schafe clever.
    Das schwarze Schaf Ihrer Geschichte hat sich lange geärgert, weil es von den weißen Schafen gemobbt und vom Schäferhund gebissen wurde. Doch nebenan – ja, nebenan, da war so eine schöne Wiese. Voll mit Blumen und frischem Gras, mit einem netten Schafbock drauf, aber für das arme schwarze Schaf unerreichbar. Es hatte einmal versucht, dorthin zu kommen. Ach, was sage ich: Einmal? Immer wieder! Aber entweder hatten die weißen Schafe es eingekesselt, weil sie ihr Mobbingopfer nicht verlieren wollten. Oder ein andermal, da hatte es schon gedacht, jetzt klappt es, da war der Schäferhund angesaust und hatte es zurück zur Herde gedrängt.
    Am Abend stand es am Zaun, der es von der Wiese trennte und guckte ganz traurig hinüber.
    Da kam der Schafbock an. Übrigens war er ebenfalls schwarz.
    Zusammen heckten sie einen Plan aus.

    Am nächsten Tag büxte das Schaf aus. Es machte, bevor die weißen Schafe und der Schäferhund es merkten, einen großen Satz – und stand mitten auf der Straße. Ein Auto bremste quietschend. Die Mobbing-Schafe hatten wirklich keine Lust, ihm auf die Straße zu folgen, sie waren ja nicht lebensmüde. Der Schäferhund auch nicht. Noch mehr Autos bremsten. Autos hupten. Sie standen, einige Fahrer schimpften, einige Kinder lachten. Das schwarze Schaf lief durch die Autoreihen hinüber zu dem Tankstellenshop auf der anderen Straßenseite. Vor dem Shop stand ein Mann mit einem Blumenstrauß. „Danke“, blökte das Schaf und fraß vom Strauß die Blüten ab. Dann lief es in den Shop.
    Der Verkäufer dort war es nicht gewohnt, dass schwarze Schafe sein Geschäft aufsuchten. Er rief sofort die Polizei. Die kam auch gleich.
    Der Polizist war sehr nett. Er nahm das schwarze Schaf auf den Arm und wollte erst einmal ein Foto. Sein Kollege machte mit dem Handy eine Aufnahme.

    Dann kratzte er sich hinter dem Ohr und sagte: „Zu dieser komischen Herde da drüben gehört das ja wohl nicht. Die sind ja alle weiß.“
    Im nächsten Moment fiel sein Blick auf den schwarzen Schafbock, der allein auf seiner Blumenwiese stand, herüberguckte und lautstark blökte.
    „Du gehörst bestimmt zu dem!“, sagte der Polizist entschlossen.
    Er packte das schwarze Schaf, und der Kollege regelte den Verkehr, so dass der Polizist samt Schaf sicher über die Straße kam.
    Dann brachte er das schwarze Schaf auf die Blumenwiese.

    „Na, hat doch prima geklappt“, blökte der Schafbock und stupste die schwarze Schafdame an.
    Die weißen Schaf-Mobber standen in einer Ecke ihrer Wiese und schimpften. Wer mobben möchte und kein Mobbingopfer hat, ist ein armer Hund, ich meine natürlich: Ein armes Schaf.

    Das schwarze Schaf allerdings und der schwarze Schafbock achteten gar nicht auf die weiße Herde.
    Sie hatten genug zu tun.
    Sie fanden nämlich grade ihre gemeinsamen Interessen heraus. Und das wiehernde Blöken, das sie von Zeit zu Zeit von sich gaben, das ist Gelächter auf Schafisch.

    Herzliche Grüße von Marianne Kaindl.

    • Peter Teuschel sagt:

      Klar, so kann es auch gewesen sein. Und da spielen gewiss nicht noch irgendwelche Katzen eine Rolle? So ganz im Geheimen …?

      • Katzen? Nö, hier in dieser Geschichte nicht. Aber in meinem Leben und in meinem Kopf und in meinem Buch gibt’s auch Katzen. Schwarze. 🙂

      • osterhasebiene langnase sagt:

        Ja, ich glaube mit Katzen hat das auch noch irgendwie zu tun, mit schwarz-weißen…ganz im Geheimen:) Warum Sie nur immer alles wissen…Herr Teuschel. Langsam werden Sie mir unheimlich. Aber sonst stimmt die Geschichte schon.

    • caroline.eve.trapp@google.com sagt:

      ehr schöne Geschichte ! Genauso ist es gewesen ……

    • maro sagt:

      Tolle Geschichte! Die gefällt mir gut. Mit happy End.
      Was kann es schöneres geben.
      VG, maro

      • osterhasebiene langnase sagt:

        Ist auch mein Favorit…die Variante mit Happy End. Da glaub ich wirklich wirklich dran. Viele liebe Grüße an alle schwarzen Schafe.

  4. caroline.eve.trapp@google.com sagt:

    Ich habe das Bilderbuch Swimmy für einen kleinen Jungen der von seiner Familie ausgekränzt wurde und jetzt in einer Wohngruppe lebt umgeschrieben.(dieser Junge ist dunkel häutig -seine Geschwister nicht)
    Dies ist die Geschichte ! Ich würde mich freuen ,wenn sie gefällt und an schwarze ,weiße,bunte Schäfchen und Schafe weiter erzählt wird………

    Schwarzschäfchen
    In den Bergen wo es das saftigste Gras gibt lebte eine Schafherden Familie mit ihren Kindern alle Kinder waren schneeweiß wie der Schnee nur eines war schwarz wie die Nacht .Nicht nur sein Fell unterschied sich von seinen Geschwistern er konnte schneller die Berge hoch klettern und er verlief sich nie,weil er ja immer alleine war. Seine Geschwister wollten nie mit ihm spielen.Sie sagten du bist schwarz und weil wir weiß sind und schöner und edler gehörst du nicht dazu.
    So musste er allein spielen . Er achtete immer auf den Weg,damit er allein zurück finden konnte.Deshalb verlief er sich nie und konnte schneller die Berge hoch klettern.Aber er war sehr traurig ,weil er so allein war und ihn niemand lieb hatte. Auch seine Eltern mochten ihn nicht so wie die anderen schneeweißen Schäfchen .
    Sein Name war Schwarzschäfchen Eines Tages kamen hungrige Wölfe und fraßen die ganze Familie auf Nur einer entkam den Wölfen.Das war Schwarzschäfchen ,weil es ja so schnell klettern konnte.
    .Nun war er ganz alleine und traurig . Er lief in die Welt hinaus . Da sah er viele wunderbare andere Geschöpfe die er noch nie gesehen hatte. Eine nette Katzenfamilie lernte er kennen und viele nette Lebewesen ……
    .Nun erlebte er die Wunder der Welt und ward bald wieder glücklicher.So wurde er wieder heiterer und mutiger .
    Er lief und lief bis er in ein schönes Tal kam . Im Tal gab es eine saftige Wiese auf der eine Herde lauter schneeweißer Schafe grasten .Als sie Schwarzschäfchen sahen waren sie sehr erschrocken -so ein schwarzes Schäfchen hatten sie noch nie gesehen .Schwarzschäfchen sagte habt kein Angst ich suche eine neue Familie weil meine von den Wölfen aufgefressen wurde. Die schneeweißen Schafe waren erleichtert und beschnupperten ihn . Er roch wie sie und alles war wie bei ihnen -nur er hatte ein schwarzes Fell . Das fanden sie wunderbar ! Sie umringten ihn und er fühlte sich wohl .. Dann erzählten sie das sie sich vor den Wölfen sehr in Acht nehmen müssen und immer wieder Schäfchen den Wölfen zum Opfer fielen .
    Schwarzschäfchen überlegte und überlegte . Dann kam ihm die zündende Idee . Wenn die Wölfe kommen drängen wir uns eng zusammen und steigen aufeinander bis wir die Form eines riesigen Ungeheuers haben und ich steige in den Kopf und bin das Auge .Davor werden die Wölfe Angst haben.
    Nicht lange da heulten die Wölfe . Schnell bildeten sie die Form des Ungeheuers und Schwarzschäfchen war das Auge .
    Als die Wölfe das Ungeheuer mit seinen großen schwarzen Auge sahen -erschraken sie sich so heftig das sie reis aus nahmen und wurden nie wieder gesehen !
    Sie fragten Schwarzschäfchen willst du bei uns bleiben . Wir haben dich lieb ! Nicht , weil du unser wachsames Auge bleiben könntest und vor Gefahren warnen könntest und wir uns zum Ungeheuer verwandeln können. Du bist ein einzigartiges wunderbares Schäfchen. Wir sind glücklich das du zu uns gefunden hast.
    Und so lebte die schneeweiße Herde glücklich weiter und Schwarzschäfchen lebte mit ihnen.
    Schwarzschäfchen fühlte sich in seiner Rolle als wachsames Auge sehr wohl !

  5. Pingback: Das schwarze Schaf als Archetyp | Die schwarze Herde

  6. Frida sagt:

    Dem schwarzen Schaf wurde immer gesagt, das seine Meinung nicht zähle und jeder in der Herde der weißen Schafe hatte ihm das immer wieder bestätigt. Das wollte das schwarze Schaf aber nicht glauben und deshalb lief es weg, um eine andere Herde zu suchen, wo es Schafe gab, mit denen es
    reden konnte. Auf seiner Flucht sah es die Tankstelle und hoffte, jemand würde es mitnehmen, irgendwohin, wo es mit anderen Schafen reden konnte.
    Nun wurde es einfach wieder eingefangen und ungefragt auf eine Weide gebracht, wo nur ein anderes Schaf anzutreffen war.
    Das schwarze Schaf wollte dem Polizisten seine Meinung dazu sagen, aber dieser hörte überhaupt nicht zu, er packte es einfach, brachte es auf eine neue Weide und scherte sich nicht um seine Meinung, es war so, wie es das schwarze Schaf auf seiner Weide mit den weißen Schafen schon früher erlebt hat, wieder zählte seine Meinung nichts, aber wenigstens wurde es nicht dorthin zurückgebracht.
    Das schwarze Schaf geht sogleich auf das unbekannte Schaf zu und will ihm sagen, wie empört und wütend es darüber ist, dass seine Meinung für den Polizisten nicht zählte und dieser es gegen seinen Willen auf diese Weide gebracht hat. Es hofft dass dieses Schaf anders ist, als die weißen Schafe, mit denen es früher zusammenlebte, aber es hat noch Angst, dass diese Recht behalten könnten. Es denkt sich, dass es dann wieder weglaufen kann, wenn das Schaf genauso ist wie die anderen, die ihm keine Hoffnung gelassen und immer wieder zu verstehen gegeben haben, dass sie nichts auf seine Meinung geben würden. Es ist davon überzeugt, dass es andere Schafe geben muss, mit denen es reden kann, für die seine Meinung zählt, deshalb wird es weitersuchen…

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