Outing: Es stimmt, ich bin verliebt …

Viele werden sie schon gelesen haben, allen anderen sei sie ans Herz gelegt: Die Rezension von Alexander Kluy in „Psychologie heute“.

An sich reagiere ich sonst nicht auf Kritiken. Schließlich ist jede Erwähnung in einem Print- oder online-Medium ja schon eine erfreuliche Tatsache: Das Buch wird wahrgenommen, jemand setzt sich hin und schreibt ein paar Zeilen darüber, sehr schön.

Ein Satz in der wirklich sehr wohlwollenden Kritik hat mich aber ins Nachdenken gebracht:

„Dabei entlehnt er [gemeint bin ich], manchmal zu stark in zu einfache Formulierungen verliebt …“

Bin ich das, habe ich mir überlegt, bin ich wirklich in zu einfache Formulierungen verliebt?

Ja, es stimmt, ich muss mich outen. Ich mag es sehr, Sachverhalte so einfach zu formulieren, dass sie verstanden werden.

Mittlerweile habe ich nun schon jede Menge Rückmeldungen zum „schwarzen Schaf“ erhalten, und bei den meisten spielte das eine Rolle: Die Sprache des Buches sei einfach, so dass jederzeit klar sei, was ich meine.

Bei all dem Kauderwelsch, das in der Medizin und auch in Psychiatrie und Psychotherapie herrscht, bin ich froh und glücklich, meine Inhalte einfach formulieren zu können. „Zu einfach“ hieße dann wohl, dass wichtige Details oder Zwischentöne auf der Strecke geblieben sind. Auch nach längerem Nachdenken wird mir nicht klar, wo das der Fall sein sollte.

Mein Fazit: Ich fasse das als Lob auf und bemühe mich, weiter so zu schreiben, dass ich „verliebt in [zu] einfache Formulierungen“ bin.

Peter Teuschel

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10 Kommentare zu Outing: Es stimmt, ich bin verliebt …

  1. Fliederbuschprinzessin sagt:

    Wenn ein Autor seine Zielgruppe kennt und für sie schreibt ist er vor allem eines: Super. Es gibt soviel verzwirbelte Sprache. Das schwarze Schaf ist ein Beispiel dafür, dass sie- der Autor- nicht selbstverliebt ihr Fachwissen in vermeintlich wichtiger pseydointelektueller Sprache verfasst, sondern sich auf unsere Laien-Stufe begibt. Ohne Dünkel Weitaus schwieriger ist das – und perfekt gelungen:)

  2. Sabine sagt:

    Gut so, weil leicht verständlich und doch so sensibel wahrnehmbar, dass man draus lernen kann, ohne das man sich erneut verletzt fühlt. Das Buch erklärt prima, macht zwar sicherlich ansatzweise auch betroffen, haut einen aber nicht „aus den Puschen“. Auseinandersetzung mit alten Verletzungen ist immer schwierig, soll aber helfen, das zu fair-arbeiten!! Als „Fair-Arbeitungslektüre“, sprich Anleitung zum Glücklicher werden daher ausgezeichnet geeignet.

  3. comicfreak sagt:

    ..einen komplexen Sachverhalt mit einfachen Worten aus zu drücken ist eindeutig die Premiumklasse der Schreiberei 😉
    Wenn ich z.B. Preusslers „Krabat“, der ein gutes Buch ist, mit Brezans „Die schwarze Mühle“ vergleiche, liegt Brezan, der fast nur kurze Hauptsätze verwendet, eindeutig vorne. Durch das Weglassen der Schnörkel gewinnt die Geschichte an Dynamik und Tiefe.

    Merke: „einfach“ bedeutet nicht „simpel“ und ist ganz schön schwer 😉

  4. K-Kind sagt:

    Ganz einfach, einfach finde ich gut! Verständlich, nachvollziehbar. Wem nützen Schnörkelleien? Wer betroffen ist und das Buch liest, findet sich. Ich finde es gut geschrieben und finde mich! Leider habe ich im Moment wenig Zeit zum lesen, aber aufgehoben ist nicht aufgeschoben. Freue mich, weiter zu lesen.

  5. sozisusi sagt:

    Das Thema ist schon grad kompliziert und für mich schmerzhaft genug, wenn dann das Buch auch noch als „hochintellektuelles Geschwalle“ -wie ich ironisch zu sagen pflege- daher kommt, entmutigt es mich schon gleich es zu lesen und mich überhaupt damit auseinanderzusetzen, ich fühle mich irgendwie noch mehr verletzt. Gottseidank gibt es heute ja Leseproben…. Es haben sicherlich -wie ich- nicht alle die Chance gehabt das Abitur zu machen und zu studieren, obwohl ich sehr gut in der Schule war und es geliebt habe zu lernen und immer noch fleißig tue. Z.B. besuche ich als Gasthörerin Vorlesungen an der Uni, ich bin glühende Verehrerin der Profs, die mir ihre komplizierte Materie so vermitteln, dass ich sie mit Volksschulabschluss (so nannte man das zu meiner Zeit) kapiere und nachvollziehen kann. Es ist für mich ein wahrer Motivations-schub. Der hat seinen Lehrauftrag verstanden, ist ein wahrer Humanist in meinen Augen, der sich nicht mittels Fachchinesisch wichtig tun muss. Das einfache ist das schwerste, so sehe ich das.

  6. Ruth Gramit sagt:

    Das kennzeichnet nach meiner Erfahrung den Vollprofi, wenn jemand einfach, verständlich und doch präzise einen Sachverhalt mit eigenen Worten schildern oder erklären kann. Ein dickes Kompliment von mir für Ihren Stil. Machen Sie bitte weiter so!

  7. shgmobbinggraz sagt:

    Schon Bruno Paul de Roeck schrieb in seinem Bestseller GRASS UNTER MEINEN FÜSSEN (eines meiner Lieblingsbücher), dass er keine Fremdwörter im Buch verwendet und alles so einfach wie möglich schreibt, und er hofft, die Fachwelt würde es trotzdem verstehen *sfg*.

    TOP – ZU einfach gibts nichts – und: einfach ist EINFACH GENIAL!
    Die Welt ist ohnehin schon viel zu kompliziert….

    Vorzügliche Hochachtung für Ihr Werk!
    Eva Pichler

  8. Carl sagt:

    Absolut dafür. Denn so ein Buch muss Breitenwirkung haben!
    Und es soll, meiner Ansicht nach, für Menschen verständlich sein, die sonst wenig lesen!

  9. osterhasebiene langnase sagt:

    Die Sprache von Dr. Peter Teuschel ist in ganz besonderer Weise einzigartig, wie ich finde. Sie ist klar und eindeutig in jedem Fall. Man spürt, dass der Autor, was er sagt, genau so meint. Sein Text enthält keine impliziten Fragen. Das Schöne ist aber, dass sie auch zeigt, wie viel Hoffnung alleine darin liegt, zu erkennen und auszusprechen, dass etwas so ist, wie es ist. Die Sprache ist nicht gekünstelt. Ja man könnte fast sagen, der Autor ist die Sprache. Mich persönlich hat es dazu animiert, in das Buch Herzchen rein zu malen. Außerdem hatte ich zum ersten Mal das Bedürfnis nach der Lektüre mit dem Autor persönlich zu sprechen, was mir bisher so auch noch nie in den Sinn gekommen ist. Ich denke auch, dass dies ein Zeichen von absoluter Professionalität ist.

    • Peter Teuschel sagt:

      Danke für die Blumen! Das mit den Herzchen gefällt mir natürlich besonders gut, wenn Sie mögen, posten Sie doch mal ein Foto.
      Aber es stimmt schon, beim Schreiben und im Beruf brauche ich mich nicht zu verstellen oder irgendwie „anders“ zu sein als ich eben bin. Natürlich sitze ich an der einen oder anderen Formulierung mal etwas länger, bis die Worte das ausdrücken, was ich sagen will. Das Gute bei den Büchern ist, dass ja auch noch eine Lektorin quasi „nachkorrigiert“, weil ich immer was übersehe.

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