Kuckuckskinder: Seltener als gedacht?

Kuckuckskinder sind oft klassische „schwarze Schafe“. Sie haben darunter zu leiden, dass sie vom Vater (mitunter auch von beiden Eltern) schikaniert, weggeschoben und unter Umständen sogar verstoßen werden. Hintergrund ist die Annahme (oder die Gewissheit) des Vaters, dass das Kind nicht von ihm, sondern von einem anderen Mann ist.

Über die Häufigkeit von Kuckuckskindern gab es bislang nur Mutmaßungen oder aber Zahlen aus Vaterschaftstests, die wegen des Verdachts ehelicher Untreue durchgeführt wurden. Dabei kursierten Häufigkeiten von 10 bis 20 %.

Jetzt hat eine belgische Forschergruppe der Universität in Leuven die genetische Linie von 500 Belgiern unter Zuhilfenahme der Ahnenforschung ausgewertet. Sie fanden eine Häufigkeit von unter einem Prozent (0,9%) an Kuckuckskindern pro Generation.
Das Team um Larmuseau zitiert auch Studien aus Italien, Spanien, Südafrika und Mali, die zu ähnlichen Ergebnissen kommen.

Muss der Mythos von der Häufigkeit der Kuckuckskinder also revidiert werden?

Wie so oft sagen Prozentwerte nichts aus über das Leid, das im Einzelfall für Betroffene entsteht. Aus meiner Erfahrung sind auch die Fälle, in denen der Vater lediglich vermutet, das Kind könne nicht von ihm sein, außerordentlich einschneidend für die „entliebten“ Töchter oder Söhne. Umgekehrt gibt ein nicht erklärliches abweisendes Verhalten eines Vaters immer wieder Anlass zur Frage: „Bin ich ein Kuckuckskind?“ Dabei darf auch nicht vergessen werden, dass die „Mär“ von den 10 bis 20% unehelichen Kindern, die einem Vater untergeschoben werden, natürlich auch das Misstrauen vieler Männer befeuert hat.

Strict father punishes his son

Insofern sind die neuen Zahlen wichtig, um gerade zu rücken, dass Kuckuckskinder bei weitem nicht in dieser Häufigkeit auftreten wie es immer wieder kolportiert wird.
Ein Trost für von dieser Thematik auf die eine oder andere Weise Betroffene ist das aber natürlich nicht.

Peter Teuschel

 

P. S. Zu diesem Thema habe ich vor einiger Zeit einen Gastbeitrag im Kuckucksvaterblog geschrieben: Der Dolch.

 

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2 Kommentare zu Kuckuckskinder: Seltener als gedacht?

  1. Sabine Q. sagt:

    Danke, zauberhaft! Hat mir mein Mann übrigensheute auch schon zukommen lassen. Nützt aber nix, denn ich habs schriftlich, dass meine vermeintliche, väterliche Halbschwester doch nicht die Meine ist … Schwamm drüber, damit kann ich leben. Allerdings sieht sie den restlichen, väterlichen Halbgeschwistern, mit denen ich wiederum zweifelsfrei die Mutter gemeinsam habe, bestechend ähnlich. Der Herr in meiner Geb.-Urkunde hat sich recht freudig dominant vererbt, auch mit unterschiedlichen Müttern. Nur an mir ist er nun mal (liegt in der Natur der Sache, lach …) quasi vorbeigeschlittert. Und das ahnte er auch und behandelte mich halt wie das schwarze Schaf. Happy End war dann aber ein sehr liebevoller Stiefvater. Als der jedoch wiederum viel zu früh verstarb, gings wieder rund für mich … und deshalb hab ich mich inzwischen aus diesem Familienkarussel ausgeklinkt. Es geht mir gut damit, alles bestens! Merci trotzdem nochmal, das Leben ist bunt!

  2. cindy sagt:

    Als Kind habe ich mich oft gefragt, warum ich von meiner Herkunftsfamilie so mies und unfair behandelt werde, habe mich auch oft gefragt, ob meine Eltern wirklich meine Eltern sind… Aber mein Vater ist leider mit ziemlicher Sicherheit mein leiblicher Vater, dafür ist die (zumindest optische) Ähnlichkeit mit der väterlichen Seite einfach zu groß… Und wenn ich adoptiert gewesen wäre, wäre es mir dort bestimmt besser gegangen, weil ich dann wenigstens wirklich erwünscht gewesen wäre…!

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