Charles Bradley: Das schwarze Schaf und die Religion

In diesem Artikel auf welt.de schildert Charles Bradley, was er alles schon mitgemacht hat – nicht zuletzt von Seiten seiner Familie. Er sei sich immer ungewollt vorgekommen und habe sich wie das schwarze Schaf der Familie gefühlt.

Um so erstaunlicher, dass Bradley dennoch die Pflege seiner Mutter übernommen hat, als diese betreuungsbedürftig wurde.

Allerdings bin ich diesem Phänomen schon des öfteren begegnet. Die Pflege eines Elternteiles, zu dem man ein schlechtes Verhältnis hatte, ist in vielen Fällen motiviert aus einer Mischung aus Schuldgefühlen (die, obwohl es paradox klingt, bei schwarzen Schafen häufig sind) und dem Versuch, durch Maximaleinsatz am Ende des Elternlebens doch noch etwas Liebe und Anerkennung zu bekommen (was meist misslingt).

Bradley selbst erklärt seine Handlungsweise eher weltanschaulich/religiös. Zitat: „Glücklich wird man erst, wenn man lernt, auch die zu lieben, die einem Unrecht tun.“

Die spannende Frage, ob „schwarze Schafe“ im Schnitt religiöser sind als geliebte Kinder, kann ich übrigens nicht beantworten. Ich habe auf diesen Aspekt bisher wenig geachtet. Meinem bisherigen Eindruck nach trifft aber eher das Gegenteil zu!

Charles Bradley hat übrigens auch einen Bezug zur Psychiatrie: Der gelernte Koch war eine Zeitlang Küchenchef in einer psychiatrischen Klinik (Quelle: Wikipedia).

The world is going up in flames:

Peter Teuschel

 

Peter Teuschel

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2 Kommentare zu Charles Bradley: Das schwarze Schaf und die Religion

  1. SambaDark sagt:

    Dass schwarze Schafe religiöser sind als die geliebten, kann ich nicht beurteilen. Ich kann nur aus meiner Familie beitragen, dass die Schwester, die am religiösesten ist und dies auch häufig betont, mich kürzlich anrief. Dabei hatte ich allerdings das Gefühl, dass sie schlechtes Gewissen beruhigen will (meine Email an die Geschwister, dass ich mich ausgegrenzt fühle und darunter sehr leide, war einige Wochen zuvor) oder ihren Heiligenschein weiß halten will – nach dem Motto „Ich habe ja Kontakt zu dir gehalten“. Während des Gesprächs musste ich mir wieder anhören, was ich alles falsch mache und als ich wiederholte, wie ich mich in der Geschwisterreihe fühle (warum tue ich das nur immer wieder, wo ich es mir doch alles nur einbilde!), warf sie mir vor, sie hätte mich schließlich gerade aus echtem Interesse angerufen. Vielleicht bin ich auch nur der Typ Pechmarie?
    Naja, das ist jedenfalls die religiöseste von uns – und ich wohl eher weniger. In die Kirche gehe ich ab und zu, um Impulse durch Predigten zu bekommen, die bei unserem Pfarrer tatsächlich oft hervorragend sind oder die netten Menschen der Gemeinde zu sehen. Also eher alle zwei bis drei Monate als jeden Sonntag – und ob es da wirklich was gibt da draußen – da bin ich mir auch nicht wirklich sicher…
    Wie ist das bei euch?

    • Peter Teuschel sagt:

      Auch Ihnen ein herzliches Willkommen!
      Meine Erfahrung: Wenn jemand denkt, er sei die Pechmarie, ist er es meistens nicht …

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