Bunte Schafe unerwünscht?

Gerade findet auf Twitter und in Facebook ein kleiner Shitstorm statt. Hier springe ich gerne mal auf den fahrenden Zug auf, weil das Thema ein klassisches „Bunte-Schafe“-Problem ist.

Gerade diejenigen Kinder, die ihre künstlerische Ader nicht nur im Privaten ausleben, sondern einen Beruf daraus machen wollen, haben es in vielen Familien nicht leicht.

© Vera Kuttelvaserova - Fotolia.de

© Vera Kuttelvaserova – Fotolia.de

Jeder kann nachvollziehen, dass Eltern für Ihre Kinder „nur das Beste wollen“ und sich für diese einen Beruf wünschen, mit dem sie später einmal ihr Geld verdienen können.
Es gibt aber auch Kinder (und ich kenne einige von diesen ehemaligen Töchtern und Söhnen), die kreuzunglücklich werden, wenn sie von ihrem künstlerischen Weg abgedrängt und in eine Ausbildung gezwängt werden, die nur den Eltern sinnvoll erscheint.

Geradezu sinnbildlich für dieses Thema sind die Mädchen-T-Shirts von GAP, die derzeit für einigen Unmut sorgen:

Foto: Huffington Post

Foto: Huffington Post

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf der Huffington Post kann man einen entsprechenden Artikel dazu lesen.

Seltsam: Die Künstlerin (es sind ja Mädchen-T-Shirts) wird durchgestrichen zugunsten eines anderen Berufes. Wieso ? Warum?

Mich beruhigt es immerhin, dass offenbar auch andere Menschen diese T-Shirts nicht gerade gelungen finden.

Peter Teuschel

 

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3 Antworten auf Bunte Schafe unerwünscht?

  1. Justina sagt:

    Eine kleine Anregung an alle die Jüngeren, die derzeit in ihren Familien an die Wand laufen, da sie ihre eigenen kreativen Wege nicht gehen dürfen: Wie wäre es mit einer Kontaktaufnahme mit JORIS und PHILIPP DITTBERNER (sie gehören derzeit zu den besten deutschen Sängern-Song-Schreiber). Beide wurden von der Familie, auch von Omi, unterstützt und leben sich derzeit in ihrer selbstgewählten Welt – erfolgreich – aus. Ich könnte mir denken, daß sie – noch nicht abgehoben – Gleich- oder Ähnlichdenken – evtl. ein paar Ideen geben könnten. Falls ich mich versehentlich in die falsche Rubrik eingeklickt haben sollte: Dies war ein kleiner Beitrag für die bunten Schafe, die genauso wichtig sind wie die schwarzen. Sie bereichern unsere teilweise rigide und kalte Welt durch Frische und Kreativität. Justina

  2. Frida sagt:

    Glücklicherweise gibt es immer wieder Menschen, die sich nicht beirren und von ihrem eigenen Weg abbringen lassen. Es ist nicht so einfach, eigene Talente an sich zu entdecken (über die Künstler mehr verfügen), dafür braucht jeder Mensch die Reflektionen und Reaktionen nahestehender Menschen, wie Lehrer, Freunde und Verwandte, die das erkennen und dem Menschen seine Talente bewusst machen können. Im Idealfall kann das die eigene Familie sein, aber das ist leider oft nicht der Fall. Manchen Menschen gelingt das entwickeln ihres Talentes erst auf Umwegen, wie es bei Molière (“Der eingebildete Kranke“) der Fall war. In einem Artikel über ihn habe ich gelesen, dass er Jura studierte und seine Zulassung als Anwalt erhielt. Sein Großvater nahm ihn oft mit ins Theater und so kam er erstmals mit der Kunst in Berührung. Zu dieser Zeit waren Tragödien in Mode und er selbst hatte vor, welche zu schreiben. Als er seine eigene kleine Theatergruppe gründete und sich selbst als Regisseur einer Tragödie versuchte, brachte er stattdessen die Leute zum Lachen. Als er das merkte, amüsierte und erheiterte er sein Publikum mit seinem komödiantischen Talent. Er war ein sehr guter Beobachter seiner Zeitgenossen und er fürchtete Krankheiten und den Tod. Das alles hat er auf sehr humorvolle Weise in seinen Stücken verarbeitet.
    Seine besondere Wahrnehmung und seine gute Beobachtungsgabe aber, sind nicht bei all seinen Zeitgenossen auf Gegenliebe bestoßen: er sah mehr, als ihnen lieb war und seine Beobachtungen
    lösten eben nicht nur Heiterkeit aus. Neid, Wut, Hass und viele andere Emotionen werden durch die Schilderungen solcher treffenden Beobachtungen mit ausgelöst, das ist für einen künstlerisch veranlagten Menschen nicht immer leicht zu verkraften. Die Tatsache, dass besondere Talente auch Neid und Hass wachrufen, auf den, der über sie verfügt, macht vielen künstlerischen Menschen zusätzlich Angst und wird vielleicht dazu führen, dass sie ihre künstlerischen Fähigkeiten lieber, wie von Herrn Doktor Teuschel beschrieben, im privaten Bereich (im Geheimen) etwas ausleben.

    Bunte Schafe haben schon die Ablehnung ihrer Person in der Familie erfahren und für sie ist es dann besonders schwer, erneut in der Gesellschaft mit ihren Talenten „anzuecken“. Wollen sie sich selbst
    verwirklichen, dann müssen sie dafür besonders viel Mut und Kraft aufbringen.

  3. maro sagt:

    @Frida: Vielen Dank für diese Ausführungen. Ergänzend dazu ein kleiner Auszug über den französischen Maler Henri Matisse. Er flog mehrfach mit seinen Bildern aus Galerien hinaus. Seine Malerei entsprach nicht dem damaligen Zeitgeist und wurde entwertet. Er und andere Künstler hatten es schwer mit ihren Arbeiten, die erst wesentlich später als neue Stilrichtung erkannt wurden. Auch in den Wissenschaften wurden revolutionäre Neuerungen als „Hirngespinste“ abgetan, bis sie später als ernst zu nehmend anerkannt wurden. Menschen, die weit voraus denken, sind damit eher konfrontiert als andere, die in ihrer Zeit mitwirken.
    Damit beraubt sich die Menschheit im schlechtesten Fall um Visionäre. Im besten Fall bleibt der Visionär von seinen Ideen überzeugt und arbeitet weiter dran. Ein nicht ganz einfaches Dasein.

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