Anmerkungen zum Kontaktabbruch innerhalb der Familie

Heißt Distanz immer Kontaktabbruch?

In den Kommentaren zur Nachtcafe-Sendung kam die Frage auf, wie ich zum Thema Beziehungsabbruch bei familiären Konflikten stehe und warum ich nicht prinzipiell zum „Ausstieg“ aus der Familie rate. Das ist ein wichtiges Thema, das ich hier noch einmal aufgreifen möchte.

Im Buch „Das schwarze Schaf“ habe ich als Ziel jedes Menschen, der Opfer innerfamiliärer Benachteiligung geworden ist, die Distanz angeführt. Darunter verstehe ich Abstand von allen Menschen innerhalb und außerhalb der Familie, die mir schaden und, in meinen Augen noch wichtiger, Distanz zu eigenen Einstellungen und Bewertungen.
Ich darf mich hier einmal selbst zitieren: „Abkehr bedeutet nicht, diesen Menschen den Rücken zu kehren und sie zu meiden. Das kann in Einzelfällen gut und richtig sein, aber in der Regel empfiehlt es sich, die „eigene Stellung zu halten“ , also im Kontakt mit diesen Menschen zu bleiben und sich gegen Benachteiligung zu wehren.“ (S. 238 im Buch, 3.Auflage)

Im Laufe der Jahre, die seit der Veröffentlichung des Buches vergangen sind, habe ich sehr viele schwarze Schafe kennengelernt, die auf unterschiedliche Weise diese Distanz hergestellt haben. Es waren auch viele darunter, die den Kontaktabbruch mit der Familie als einziges Mittel gesehen haben, mehr als ich zuvor gedacht hatte.
Aber mein obiges Zitat würde ich trotzdem wieder so schreiben.

In sehr vielen Fällen ist der Kontaktabbruch nicht das geeignete Mittel, um das Schicksal als schwarzes Schaf zu bewältigen.

Nur ein Beispiel dazu: Nach einem Leben als benachteiligtes Familienmitglied kommt der große Hammer mit Enterbung und Verstoßen aus der Familiengemeinschaft zu einem Zeitpunkt, wenn das schwarze Schaf bereits Kinder hat. Diese Kinder haben regelmäßigen Kontakt mit den Großeltern. Wie soll das schwarze Schaf sich nun verhalten? Den Kindern den Umgang mit den Großeltern verbieten? Eine überaus knifflige Situation, die ich mehrere Male miterlebt habe. Die in dieser Konstellation von den Betroffenen gewählte Art der Distanz war nie der Kontaktabbruch, was ich gut nachvollziehen konnte.

Aber auch in allen anderen, nicht so speziellen Situationen wählen viele schwarze Schafe eine Form der inneren Distanz, die einen Kontakt mit den Eltern und/ oder Geschwistern, wenn auch meist in deutlich reduzierter Frequenz, noch möglich macht. Die Gründe für diesen Weg sind vielfältig, aber meist verstehbar. Häufig habe ich auch erlebt, dass ein schwarzes Schaf zunächst einmal komplett die Beziehung abgebrochen, aber nach einiger Zeit in deutlich distanzierterer Weise wieder aufgenommen hat.

Ich rate schwarzen Schafen nicht zum Kontaktabbruch.
Ich rate schwarzen Schafen aber auch nicht, den Kontakt nicht abzubrechen.

Wann immer ich beteiligt bin, rate ich dazu, sich keinen Weg von vorne herein zu verbieten, sondern die jeweils für den einzelnen am besten passende Lösung zu suchen.

Soviel zum Thema „schwarzes Schaf“.

„Familie“ geht weit über das Thema „schwarze Schafe“ hinaus

Nun behandle ich aber nicht nur schwarze Schafe, sondern habe ein wesentlich weiter gefasstes Betätigungsfeld in meiner Rolle als Psychiater und Psychotherapeut.

Was Kontaktabbrüche in der Familie allgemein betrifft, habe ich schon alles gesehen: Wichtige und erforderliche Beziehungspausen, die unter Umständen ein Leben lang andauern. Nach Jahren der Distanz erfolgte und sinnvolle Wiederannäherung. Ich kenne Beziehungsabbrüche aus Rache, zur Bestrafung und vor dem Hintergrund eines schlechten Einflusses Dritter auf den Kontaktabbrecher. Mir sind Fälle bekannt, in denen jemand sich als schwarzes Schaf bezeichnet, aber durch sein Verhalten bewirkt hat, dass keiner in der Familie mehr etwas mit ihr oder ihm zu tun haben will.

Kontaktabbrüche können gut oder schlecht, sinnvoll oder leichtfertig, unmotiviert, grausam, bestrafend oder die einzige Rettung sein.

Aus Sicht eines schwarzen Schafes, das für sich den Weg des Beziehungsabbruchs wählt, mag dies befremdlich erscheinen. Aber niemand sollte sein eigenes Schicksal als Maßstab für allgemeine Handlungsanweisungen verstehen. Und auch wenn die eine oder der andere die Welt ausschließlich durch die eigenen Augen sehen will, so mag dies für sie oder ihn in Ordnung sein.

Ich selbst kann mir diese prinzipielle Einengung auf richtig/ falsch oder gut/ schlecht  nicht erlauben und sie entspricht auch nicht meiner Einstellung. So einfach gestrickt ist das Leben nicht. Als Psychiater (und als solcher saß ich im Nachtcafe) muss ich mir meinen Weit- und Überblick behalten, der sich zum einen aus meiner Ausbildung und zum anderen aus meiner Erfahrung ergibt.

Das bedeutet nun nicht, dass es nicht für viele schwarze Schafe die beste und einzige Lösung ist, die Beziehung und den Kontakt zu ihrer Familie abzubrechen. Hinter diesen Menschen stehe ich genauso wie hinter allen, die andere Wege gehen und wieder anderen, die mit dem Thema „Familie“ ganz andere Probleme haben.

Peter Teuschel

 

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53 Kommentare zu Anmerkungen zum Kontaktabbruch innerhalb der Familie

  1. Justina sagt:

    Eine super, super – differenzierte (noch differenzierter als vorher) Pro- und Kontra-Darstellung für einen Bruch oder Nicht-Bruch mit seiner Familie. Ich persönlich habe jetzt zumindestens kein schlechtes Gewissen mehr für meine Entscheidung. Eine andere Entscheidung (Annäherung) würde ich theoretisch für mich nicht ausschließen – nur, wie bewegen sich die anderen? Wie immer, nichts dazu gelernt bzw. „wir haben doch Recht“…. Ein weites Feld…. Jedenfalls dieser Kommentar von Ihnen Herr Dr. Teuschel hat sicherlich nicht nur bei mir, Zweifel ausgeräumt und war , wie ich schon sagte, super. Justina

  2. osterhasebiene langnase sagt:

    Das für mich Entscheidende an dieser Diskussion ist: Steht die Familie als Gemeinschaft über dem Individuum und muss diese Gemeinschaft um jeden Preis aufrecht erhalten werden? Wie hoch ist der Preis? Jeder Mensch (davon gehe ich aus, da wir Gruppenwesen sind) möchte sich zu seiner Familie zugehörig fühlen. Es gibt leider dysfunktionale Gruppen/Familien, die einem Schwächeren (meist unbewusst) die Schuld für begangenen Misshandlungen/Opfer zuweisen und sich an ihnen schadlos halten (keine akademische Ausbildung schützt davor, sondern hilft eher noch zur geschickten Verschleierung). Dann wird Familie zum Konkurrenzkampf, zur Leistungsgemeinschaft. Lange Zeit hat man die Opferhaltung eingenommen, die (negativen) Erwartungen bedient, um dazuzugehören, bis man merkt, dass man sein eigenes Leben opfert und seine eigene Wünsche (nach Liebe und Anerkennung) nicht verwirklichen kann, weil die eigene Kraft zersetzt wird. Man bekommt immer das falsche Feedback. Jedes zarte Pflänzchen an Eigenem (das man stolz präsentiert) wird in dieser Gruppe niedergemacht. Diese Opferhaltung muss im Interesse der Selbsterhaltung gestoppt werden. Es ist nötig, einen sicheren Ort zu finden, um die
    eigenen Kräfte sammeln zu können, einen Ort, an dem Eigenes wachsen und sich entfalten kann. Um das psychische Ausbluten zu verhindern, muss eine neue schützende und unterstützende Umgebung gefunden werden. Ich glaube, dass das eine realistische Sichtweise ist. Nur innere Distanz („da steh ich drüber“ ist esoterisches Geschwätz) in alten destruktiven Strukturen kann kaum funktionieren. Was bekomme ich real von dieser Familie zurück? Ist das „Wir haben dich lieb!“ auch sichtbar und fühlbar z.B. in Form von selbstloser Unterstützung und selbstloser Anerkennung und Freude oder wird jede Leistung sofort abgewertet, um sich größer zu machen, sein Selbstbewusstsein aufzupolieren auf Kosten des anderen. Gibt die Familie Kraft oder raubt sie diese? Wird gefragt: Was ist dir wirklich wichtig? oder wird gesagt: „Was dir wichtig ist, zählt nicht? Wenn unter dem Strich nur Minus rauskommt, dann sollte man sich auf den Weg machen. Man muss andere einfach lassen, ablassen und es als Illusion erkennen, hier wirklich (Seelen)Nahrung zu bekommen. In tausend Mythen und Märchen wird dieser Schritt als Entwicklungsweg in die eigene Individuation beschrieben. Und ich denke, wer
    nie auszieht, wird auch nie (bei sich) ankommen und das finden, was ihn wirklich nährt.

    • iceandsnow sagt:

      Unendlichen Dank für Ihren Kommentar, der mir aus der noch immer verwundeten Seele spricht!

      Wenn nach unzähligen Anläufen in vielen Jahrzehnten, die Familienliebe und Anerkennung zu erringen, NICHTS zurückkommt außer Zynismus und Kälte, weiß man es gibt nur einen AUS-Weg:

      K O N T A K T A B B R U C H !

      Es schmerzt anfangs, aber die ewigen Zurückweisungen, das ewige Zurück-Gestoßenwerden, OBWOHL ich in meinem Leben viel erreicht habe, schmerzen weitaus mehr. Wahrscheinlich ist es die Eifersucht, DASS ich mehr als sie und mein Versager-Bruder erreicht habe.

      Jedenfalls bin ich unendlich erleichtert, dass zynisch-hämische Grinsen meiner Mutter nicht mehr sehen zu müssen.

      Ehrliche Beziehungen und Freundschaften sind Goldes Wert!

      Noch einen erholsamen Advent!

      iceandsnow

  3. Sabine sagt:

    Danke für die erläuternden Ausführungen. Bei mir passt die Kategorie letzte Rettung, lach. Ausserdem gehört das Problem immer dem, der es hat. Insofern sehe ich überhaupt nicht ein, das ich mich mit deren Problemen auseinandersetze. Ich mag mich daran echt nicht mehr abarbeiten. Und tschüss und mir gehts gut so …

  4. cindy sagt:

    Vorweg möchte ich sagen, dass ich die Sendung „Nachtcafe“ (noch) nicht gesehen, aber aufgezeichnet habe…

    Ich habe da eine Frage an Herrn Teuschel und dazu zitiere ich ihn: „Mir sind Fälle bekannt, in denen jemand sich als schwarzes Schaf bezeichnet, aber durch sein Verhalten bewirkt hat, dass keiner in der Familie mehr etwas mit ihr oder ihm zu tun haben will.“
    Um welche Verhaltensweisen ging es da? War das schwarze Schaf kriminell, psychisch krank oder hat es vielleicht nur manchem Familienmitglied lieber die Wahrheit ins Gesicht gesagt, anstatt hinter dem Rücken des Betroffenen zu tuscheln? Und gerade dann, wenn beim schwarzen Schaf Kriminalität oder eine psychische Krankheit vorliegt, sollten sich die lieben Familienmitglieder nicht vielleicht doch mal überlegen, welchen Beitrag sie selbst zu diesen „Verfehlungen“ geleistet haben?!

    Für mich ist der Kontaktabbruch die beste Lösung, insbesondere, seit mir klar ist, dass mein Erzeuger ein Narzisst ist und Narzissten kennen keine Kompromisse – sie sind egoistisch, wollen nur ihren eigenen Kopf durchsetzen, da helfen auch keine Gespräche, das ist mir bei der Anklage meiner Erzeuger vor Gericht erst so richtig klargeworden…
    Ich selbst wäre sogar bereit für eine erneute Kontaktaufnahme, aber nur unter der Bedingung, dass vorher eine Familientherapie durchgeführt wird, jedoch wurde mir auch schon von einer Psychologin gesagt, dass Menschen wie meine Erzeuger sich auf so etwas niemals einlassen würden, denn da könnte ja herauskommen, dass sie vielleicht doch nicht so perfekt sind, wie sie allen weismachen wollen…
    Wenn Narzissten in der Familie sind, dann halte ich einen Kontaktabbruch auf jeden Fall für ratsam, denn wenn man bleibt, wird man krank oder selbst zum Narzisst…!

    Wenn das schwarze Schaf Kinder hat, sollte es den Kontakt zu den Großeltern nur dann zulassen, wenn sicher ist, dass die Großeltern sich nicht über Anweisungen der Eltern hinwegsetzen oder die Enkel gar gegen ihre Eltern aufhetzen – ansonsten kommt es beim Kind zu einem Loyalitätskonflikt und der Kontakt zu den Großeltern sollte abgebrochen werden!
    Und eine drohende Enterbung sollte auch nicht der einzige Grund für eine Aufrechterhaltung des Kontaktes mit der Familie sein – wie letztendlich das Testament aussieht, erfährt man meist erst nach dem Tod des Erblassers…!

    • Peter Teuschel sagt:

      Die pseudo-schwarzen Schafe habe ich im Buch im Kapitel über die „Pechmarie“ beschrieben. Und nein, nicht immer trägt die Familie eine Mitschuld. Genauso wenig wie das typische schwarze Schaf eine Mitschuld trägt.

      • Roswitha sagt:

        Mir ist eine Konstellation bekannt, die so ähnlich verlief wie bei diesem Märchen.
        Da wurden die Geschwister (Brüder) aufgeteilt in Sonnenvogel und Nesthocker.
        Der eine bekam jegliche Hilfe und Nachsicht. Der Andere musste stolze Erwartungen erfüllen
        und sich um die Familie kümmern.

        Leider kann ich nicht sagen wer nun die schlechteren Karten hat.
        Der Nesthocker wurde traumatisiert und gleichzeitig auch der Sonnenvogel. Beschreiben kann ich es nicht.
        Den Sonnenvogel hab ich geheiratet und ich liebe ihn.
        Das Nesthäkchen ist mein Schwager. Ich kann auch ihn verstehen, – auch wenn mich seine Entscheidungen nerven. Das Verständnis kostet mich aber viel Überwindung. Das Trauringe ist; Sie verstehen sich untereinander nicht.

        Die Verantwortung liegt auch hier bei der ungleichen Behandlung in der Erziehung.

        Es gibt einen enormen Unterschied zwischen Goldenen Schafen und Sonnenvögel.
        Goldene Schafe sind es gewohnt ständig für jeden Pups Bewunderung zu ernten. Mein Mann braucht das nicht und bekam nur ungeduldige Anweisungen was zu tun sei. Er ist stark und selbstbewusst und hat Empathie. Ich muss nur aufpassen, nicht in Bequemlichkeit zu verfallen und mich öfter selbst in den Haushalt ein zu bringen.
        Sonnenvögel würden selbst mit Magen- Darm -Virus und einem gebrochen Bein in die Arbeit rennen und anschließend die Frau und Kinder fragen, was sie erlebt hätten oder ob es ihnen gut ging. Wenn die Frau jammern würde, dass es ihr schlecht ging, dann würde ein Sonnenvogel sogar nebenbei den Haushalt machen, -ungeachtet davon ob er selbst krank wäre.

        Die Achtsamkeit liegt darin, dass ich hinter die Fassade sehen kann.
        Auch wenn mein Mann wenig auf seine eigenen Bedürfnisse achtet. Ich könnte ihn ermuntern sich ohne ein schlechtes Gewissen eine Auszeit zu gönnen.
        Ob nun mein Schwager ein echtes Schwarzes Schaf ist?
        Das kann ich nicht beurteilen.
        Ob echt oder nicht, spielt keine Rolle. Ob er nun richtige Entscheidung traf oder ständig Bockmisst verursacht, spielt auch keine Rolle. Fakt ist; Es fand eine Ungleichbehandlung statt. Das ist Grund genug Toleranz und Verständnis zu haben.
        LG

        • cindy sagt:

          Roswitha, da hast du echt Glück gehabt, einen solchen Ehemann abbekommen zu haben!!!!
          Ich gönn’s dir wirklich von ganzen Herzen und ich bin mir sicher, dass du das bei deinem Mann auch niemals ausnutzen würdest!
          Leider geraten die Sonnenvögel oft gerade an Partner, die diese Charaktereigenschaft gnadenlos ausnutzen – so scheint es bei meinen Schwiegereltern der Fall zu sein… Er ist der Sonnenvogel und hat sich fast das ganze Leben lang von ihr ausnutzen lassen – sie wurde richtig verwöhnt, ging jede Woche zum Friseur, tolle Klamotten, teure Kosmetik, ging selbst nicht arbeiten, hatte lediglich eine kleine 3-Zimmer-Wohnung zu versorgen, hatte ein eigenes Auto, obwohl die Söhne selbst zu Fuß zur Schule oder zum Sportverein gingen… Er hat viel gearbeitet und trotzdem noch wochenends für die Familie gekocht, während sie ein bequemes und luxoriöses Leben führte…
          Jetzt sind beide über 70, sie ist hochgradig dement, liegt nur noch, wird gefüttert, gewindelt und gewaschen, lebt aber noch immer zuhause, während er sich jetzt auch noch rund um die Uhr um seine Frau kümmert – und das mit 77 Jahren!!!!
          Da hat er sich jahrelang abgerackert dafür, dass jetzt der letzte Rest seines Lebens kaputtgeht, er seine eigene Gesundheit gefährdet und am Ende dafür vielleicht noch sein Leben lässt…!
          Von ihm habe ich zu hören bekommen, dass ich egoistisch sei, weil ich den Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen habe – ich habe versucht, ihm zu erklären, dass ich einen gesunden Egoismus pflege, aber das will er mit seinem ständigen Gelaber von Güte einfach nicht begreifen…

          • maro sagt:

            Entschuldigung, wenn ich einfach in die Unterhaltung mit herein komme. Mir ist dazu etwas eingefallen. Immer mal wieder lese ich von solchen oder ähnlichen Konstellationen. Einer gibt – der andere nimmt. Es sieht nach ausnutzen aus. Ist es vielleicht auch einerseits. Andererseits lässt sich der Ausgenutzte ausnutzen. Warum?! Was hat er davon? Mögliche Gründe können mehrere sein. Der gebende Teil hat auch einen Nutzen davon. Und der nehmende Teil hat auch einen Schaden dabei. Vorausgesetzt es gleicht sich nicht gegenseitig aus.

            • osterhasebiene langnase sagt:

              Das ist eine verzwickte Konstellation, maro. Der „offiziell“ nehmende Teil (ist in Wirklichkeit der Gebende), er nimmt, obwohl er gar nicht möchte, um sich weniger schuldig zu fühlen (Woher kommt das Schuldgefühl?), um sich freizukaufen, dabei verstrickt er sich aber immer mehr. Ein Teufelskreis. Das Muster: „Was kann ich tun, dass es dir besser geht?“ (der Nehmende) „Friss meinen Scheiß!“ (der Gebende). Keiner bekommt, was er will. Der eine nicht die Freiheit, der andere nicht die Erfüllung. Die Methode ist, sich für sich selbst etwas über eine andere Person verschaffen (Bedürfnisse über andere befriedigen). Die klassische Hexen-Haus-Situation. Der Nehmende kann dadurch gedemütigt werden ohne Ende, steht nun immer mehr in der Schuld des anderen (obwohl er sich eigentlich von seinem Schuldgefühl freikaufen wollte) eine wahre Schuld-Falle. (Ist das die gewünschte Befriedigung?). Das Selbstbewusstsein des Nehmenden kann dadurch am Boden zerstört werden. Eine sehr perverse Situation. Die einzige Lösung, die mir einfällt: Muster durchschauen und bewusst durchbrechen. Selbstwert aufbauen. Hexe verbrennen (metaphorisch).
              LG

              • maro sagt:

                Die Interaktionen aller Beteiligten können ein inneres Gefängnis für jeden Einzelnen sein. Gewinn und Verlust verzeichnet jeder auf individuelle Weise.
                Kürzlich habe ich ein sehr interessantes Buch gelesen, das die Interaktionen zwischen (Ehe)Partnern in Abhängigkeitsverhältnissen sehr gut veranschaulicht. Vielleicht hatte ich es bereits empfohlen. Auch wenn es dabei um abhängige Partnerschaft geht, ist das Thema übertragbar auf andere Beziehungen. An dieser Stelle möchte ich das Buch noch mal nennen:
                „Sie küssen und sie schlagen sich“ von Barbara Kiesling.

                • osterhasebiene langnase sagt:

                  Danke für den Tipp, das Buch kenn ich noch nicht. Nach „küssen“ ist mir leider überhaupt nicht mehr zumute. Was ich auch tue (Hausverbot, Kontaktabbruch, neue Telefonnummern…) sie findet einen Weg, mir Schuldgefühle zu machen und das macht mich langsam wirklich wahnsinnig. Therapie? Das glaubt mir doch keiner!!!

                • osterhasebiene langnase sagt:

                  Die schlimmste und schmerzhafteste Verletzung/Demütigung, die man einem Menschen zufügen kann, ist der Angriff auf seine geschlechtliche Identität, seinen innersten (Wesens)Kern (z.B. Männer als „Schlappschwänze“ und „Versager“, Frauen als „Flittchen“). Diese Abwertung und Ablehnung kann nur schwer oder gar nicht verziehen werden. Eine Verletzung, die sich über Generationen hinweg fortsetzen kann, wenn sie nicht bewusst geheilt und überwunden wird.

                • maro sagt:

                  Ich zitiere Osterhasebiene Langnase: „Danke für den Tipp, das Buch kenn ich noch nicht. Nach „küssen“ ist mir leider überhaupt nicht mehr zumute.“
                  Es ist zwar traurig, wenn man nicht mehr küssen will, aber vielleicht kommt es eines Tages doch noch mal anders.
                  Ihre Befürchtung, dass Ihnen kein Therapeut glaubt, will ich gar nicht in frage stellen. Geben Sie einem Therapeuten die Chance Ihnen zu zeigen, dass er/sie Ihnen glaubt, auch wenn innerlich alles dagegen spricht. Ich wünsche Ihnen wirklich, dass Sie die Last Ihrer Schuldgefühle hinter sich lassen können.

                • osterhasebiene langnase sagt:

                  Wer leidet, der lebt wenigstens noch – hab ich mal gelesen.
                  Frohe Weihnachten

                • osterhasebiene langnase sagt:

                  So gesehen, bin ich doch ein Glückspilz, maro.

                • maro sagt:

                  So gesehen stehen Sie voll im Leben. 🙂

                  Ihnen und allen Schwarzen Schafen und Herrn Teuschel wünsche ich auch

                  Schwarzschöne Weihnachten!

                • Peter Teuschel sagt:

                  Herzlichen Dank!

                • cindy sagt:

                  Ob man in einer Partnerschaft der Gebende oder der Nehmende ist, hängt meiner Meinung nach zunächst einmal davon ab, was oder welcher Zustand dem Einzelnen von klein an am Wichtigsten ist, z.B. ob jemandem die Befriedigung seiner (materiellen) Bedürfnisse oder eher Ruhe und Frieden wichtig erscheinen…

                  Schon in seiner Kindheit strebt der Mensch danach, seine für ihn wichtigsten Bedürfnisse zu stillen und lernt aber auch, welche Strategien in seiner Herkunftsfamilie am besten zum Ziel führen – am Beispiel meiner Schwiegereltern sehe ich zum einen meinen geradezu harmoniesüchtigen Schwiegervater, der jedem Konflikt aus dem Weg geht, nur um seine vermeintliche Ruhe und seinen Frieden zu haben, auch wenn er dafür sogar seine eigene Gesundheit auf’s Spiel setzt und auch seine sonstigen Bedürfnisse völlig hintenan stellt und zum anderen meine Schwiegermutter, der materielle Dinge und Äußerlichkeiten schon immer das Wichtigste waren und die diese Ziele schon als Kind am besten erreicht hat, indem sie angefangen hat, zu jammern, zu meckern oder auch zu heulen…
                  Man merkt förmlich, wie unangenehm es meinem Schwiegervater ist, wenn jemand z.B. anfängt, zu weinen und dann tut er tatsächlich alles in seiner Macht stehende, damit der Betreffende damit aufhört – das habe ich leider schon zu oft bei seinem Umgang mit meinen Kindern beobachtet, die das dann auch schon mal gerne für sich ausnutzen wollten…!

                  Das Kurioseste an der Sache ist, dass sich solche gegensätzlichen Persönlichkeiten dann auch noch finden und fast perfekt ergänzen – zumindest so lange, bis einer der beiden körperlich und/oder seelisch zusammenbricht oder stirbt…
                  Einige kriegen eventuell doch noch vorher die Kurve und es kommt zur Trennung…

                  Bei meinen Erzeugern ist der Fall ähnlich gelagert – er, dem Geld und Macht das Wichtigste sind, sucht sich eine unterwürfige Partnerin mit vermögenden Eltern und findet die auch noch, wobei er sich sogar ihre Faulheit zunutze macht, um sie zu seinem willenlosen Anhängsel zu machen!!!!

                  So gesehen hat in solchen Konstellationen tatsächlich erst mal jeder einen Nutzen davon, aber spätestens wenn der gebende Partner „ausgeschlachtet“ ist, hat die Sache ein Ende…
                  Bei meinen Erzeugern hingegen scheint ein gegenseitiges Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen zu herrschen, wobei beide dann aber lieber von anderen Menschen, insbesondere von ihren Kindern genommen, diese regelrecht für ihre eigenen Bedürfnisse ausgenutzt haben…!

                • osterhasebiene langnase sagt:

                  Das o.g. Buch von Barbara Kiesling habe ich jetzt auch gelesen, fand es interessant, aber es hat mir auch ein wenig Bauchschmerzen bereitet – ehrlich gesagt! Mit der Traumatheorie von Prof. Dr. Franz Ruppert bin ich ja vertraut, sie ist einleuchtend, wenn auch wissenschaftlich nicht ganz beweisbar: ein Modell, das tatsächlich zu funktionieren scheint (in der Aufstellungsarbeit). Hierauf stützt Riesling ihre Ausführungen im Wesentlichen. Was ich schon aus der Hermetik (durch Rüdiger Dahlke u.a.) kenne, dass das (Missbrauchs-)Opfer (eigentlich) die Täterrolle einnimmt, indem es eigene nichtgelebte Aggressionen an einen misshandeln Partner, einen initiierten Unfall oder eine schwere Krankheit delegiert, also das Opfer auch Täter ist, leuchtet schon ein, aber inwieweit nutzt dieses Wissen dem Heilungsprozess? Auch die Annahme, dass ein Trauma nur dann geheilt werden kann, wenn es 1. voll erinnert und 2. nochmals mit allen schrecklichen Schmerzen durchlebt wird, ist -soweit ich weiß- nicht mehr auf dem neuesten Stand der Erkenntnis. Wie sollte durch so eine Tortur dann auch (automatisch) ein liebesfähiger Mensch entstehen? Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass Heilung immer nur mit Wahnsinnsschmerzen einhergehen muss, schon eher mit positiven (Einheits)Erfahrungen und Gefühlen. Der Gedanke, dass Schuldgefühle entstehen oder übernommen werden, um eine unkontrollierbare Situation kontrollierbar zu machen, leuchtet mir sehr wohl ein, habe ich so in der Funktion noch nicht realisiert. Mein Fazit: Ich denke, liebevolle Zuwendung/Akzeptanz heilt und es ist nicht Liebe, wenn es weh tut. Das Schreckliche muss nicht in jedem Detail nochmal durchlebt werden.
                  Liebe Grüße

                • maro sagt:

                  @osterhasebiene langnase, bzgl. Ihrer Frage: …, aber inwieweit nutzt dieses Wissen dem Heilungsprozess?“

                  Zunächst lässt sich mit der Erklärung des Zusammenhangs von Täter und Opfer das System zwischen beiden veranschaulichen. Es ist eine Hilfe zum Verständnis und zur Auflösung der Täter-Opfer-Verstrickung.
                  Wird in der Therapie beim (erwachsenen) Opfer nach den Ursachen gesucht, werden schädigende Ereignisse ans Tageslicht gebracht, die das damalige Opfer als Kind erleiden musste, z.B. Gewalt. Diese Erinnerung ist so schmerzhaft wie es als Kind erlebt wurde. Da die ursächlichen Ereignisse vom Kind verdrängt wurden, weil das die Psyche nicht verkraftet hat, bleibt das unverarbeitete Ereignis im Unbewussten stecken. Damit bleiben auch die Bewältigungsstrategien des Opfers erhalten. Diese können sich auf vielfältige Weise zeigen, z.B. Alkoholmissbrauch, Prostitution, Gewalt, Depression usw.
                  Der Heilungsprozess beginnt mit der Integrierung/Wiedererleben des Ereignisses und den damit verbundenen Schmerzen. Über dieses geistige UND emotionale Wiedererleben wird echte Empathie beim Opfer möglich. Diese ist keine rein verstandesgemäße Empathie, die sich der Mensch über seinen Kopf mittels gedanklicher Vorstellungskraft ermöglichen kann. Empathie ist ein Mitfühlen auf körperlicher, seelischer Ebene. Reales Erleben, das auch den Schmerz eines anderen Menschen konkret fühlt, und sich nicht nur im Kopf vorstellen kann.
                  Über das Wiedererleben der gemachten Erfahrungen, sind diese dann integriert im Bewussten, d.h. man weiß um das zuvor Abgespaltene, Verdrängte. Man versteht jetzt seine Bewältigungsstrategien, seine Abwehr, seine Ängste, sich selbst UND man fühlt mit sich (und anderen) mit.
                  Der Heilungsprozess ist kein Auslöschen vorgefallener Ereignisse, sondern eine Integration des Abgespaltenen ins Bewusste. Dadurch wird das eigene vorherige Handeln verstehbar UND änderbar. Das bedeutet z.B., das erfahrener Missbrauch nicht mehr mit selbstschädigendem Alkoholkonsum abgetötet werden muss. An dieser Stelle heilt Trauer das Entbehrte. Ein Verlassen der schädigenden Situation ist möglich. Es erwächst ein neues liebendes Selbst-Mit-Gefühl und setzt neue konstruktive Energien frei. Es können neue, förderliche Verhaltensweisen eingeübt und Zukunftsperspektiven angegangen werden.
                  Dieser heilende Prozess ist im Alleingang m.E. nicht möglich, insbesondere nicht bei schweren Erfahrungen. Es bedarf eines mitfühlenden Therapeuten, der Halt und Orientierung durch die schwierige Zeit bietet.
                  Da Menschen sehr verschieden sind, ist dieser Weg eine mögliche Lösung, aber nicht von jedem gewünscht oder jedem möglich. Die Entscheidung trifft jeder selbst.

      • cindy sagt:

        Früher dachte ich, ich sei ganz allein schuld an meiner Situation in meiner Herkunftsfamilie – schließlich war ich lt. meiner Erzeuger schon immer ein eigenwilliges und damit schwieriges Kind, während meine 4 Jahre jüngere Schwester eher die Unterwürfige von uns beiden war… Wie oft durfte ich mir Sätze anhören wie „Der Klügere gibt nach!“ oder „Warum bettelst du nicht um gut Wetter wie deine Schwester?“ (Original-Ton meiner Erzeuger!) anhören!
        Wenn ich dann irgendwann mal gesagt habe, dass ich mich doch verteidigen müsse, wurde ich von meinem narzisstische Erzeuger direkt in meine Schranken gewiesen, indem er mich dann noch kindisch nachäffte!!!!
        Als ich im Erwachsenenalter manchmal erwähnt habe, dass ich gegenüber meiner Schwester ungerecht behandelt worden wäre, wurde es meist abgestritten, manchmal aber doch zugegeben. „Deine Schwester war halt leichter zu lenken“ hieß es dann von ihnen…
        Eigenwillig und dann auch noch weiblich – das passte so gar nicht in die Welt dieser patriarchalischen Familie!!!!

        Als wir später im Deutschunterricht der Mittelstufe mal das Stück „Nora oder Ein Puppenheim“ von Henrik Ibsen durchnahmen, bekam ich zum ersten Mal eine Ahnung, wie meine Herkunftsfamilie tatsächlich gestrickt ist und leider hat sie sich bis zur jüngsten Generation bis heute nicht verändert…!
        Genauso lernte ich eigenwillige und freche Kinder kennen, die aber nicht wie ich zum Außenseiter wurden, sondern gerade aufgrund ihrer Durchsetzungsfähigkeit eine Menge Freunde hatten, während mir meine Erzeuger immer weismachen wollten, dass ich selbst schuld sei, dass ich keine Freunde hatte, weil ich doch so böse war – irgendetwas konnte da doch nicht stimmen!!!!
        Ich war nie kriminell, habe nie Drogen genommen oder Zigaretten o.ä. geraucht, bin bis jetzt keiner Sucht verfallen, mein Abitur habe ich trotz des damaligen Rauswurfs geschafft, während meine liebe Schwester erst ein Jahr nach ihrem Abitur erstmal auf eine Sprachenschule geschickt wurde („Und dann waren wir froh, als sie nun endlich auch aus dem Haus war!“)…

        Dass ich die in Herrn Teuschels Buch beschriebene Pechmarie bin, glaube ich daher nicht, eher vielleicht das Kind überforderter oder narzisstischer Eltern – oder was würden Sie dazu sagen, Herr Teuschel?
        In Ihrem Buch konnte ich mich bis jetzt leider noch nicht so richtig in die richtige Sorte von schwarzen Schafen einordnen…

        • Peter Teuschel sagt:

          Aufgrund der kurzen Schilderung ist eine Einordnung schwierig. Und letzten Endes ist das ja auch gar nicht immer möglich oder auch erforderlich. Sie beschreiben ja schön, was zur Ausgrenzung geführt hat: das Freche, Unangepasste, Widerspenstige, Eigenwillige. Dass die Eltern damit nicht zurechtkamen, lässt am ehesten auf überforderte (oder unwillige, eingeengte, sehr konservative) Eltern schließen. Aber da kann ich nur mutmaßen, ich kenne Ihre Eltern ja nicht und will keine Beurteilungen mir Unbekannter vornehmen oder Ferndiagnosen stellen. Von „Pechmarie“ kann ich hier aber weit und breit nichts erkennen.

          • cindy sagt:

            Danke Herr Teuschel, dass Sie mich nicht als Pechmarie ansehen, denn mir wurde von meinen Erzeugern wie oft auch Faulheit unterstellt und dabei ist doch eher meine Erzeugerin, die nie in ihrem Leben gearbeitet und sich auch vor Haushalt, Kindererziehung und vielen anderen Dingen nach Möglichkeit immer gedrückt hat, diejenige, die faul ist!!!!
            Da haben wir wieder ein Beispiel, wie Eltern ihre eigenen schlechten Eigenschaften gerne in ihre Kinder hineinprojezieren, um ja selbst nicht schlecht dazustehen – auch das ist mir erst nach dem Kontaktabbruch so richtig klargeworden!!!!
            Kontaktabbruch kann also auch dazu dienen, dass man sich über manche Dinge bewusst wird, die man vielleicht unter Beibehaltung des Kontaktes niemals so gesehen hätte!

            • Kiwi sagt:

              Liebe Cindy,
              mir ging es wie dir. Ich bin die Unangepasste, die Dinge hinterfragt, nicht pariert und den autoritären cholerischen und narzisstischen Vater provoziert. Wie passend war da ein Satz im Struwwelpeter: Und die Mutter blicket stumm….. Genau so ist es noch heute bei meinen Eltern. Ich betrachtete mich jahrelang als Pechvogel. Pech, in die falsche Familie geboren zu sein. Dank ihres Buches Herr Teuschel wurde mir bestätigt, was ich jahrelang vermutete. Meine Familie konnte einfach nicht mit mir umgehen, war überfordert, weil ich mich deren System nie anpasste.
              Den Kontakt habe ich noch nicht abgebrochen, jedoch drastisch reduziert auf die nötigsten Familienfeiern. Aufgrund des Alters meiner Eltern und der Krebserkrankung meiner Mutter bin ich mit meiner Familie an Weihnachten wieder dort und hoffe, dass es mich emotional nicht wieder mitnimmt, wenn meine Geschwister ihr inniges Verhältnis demonstrieren.
              Mir wurde und wird immer Neid vorgeworfen. Neidisch auf deren Leben bin ich überhaupt nicht.
              Gruß, Kiwi

              • cindy sagt:

                Liebe Kiwi,

                der Kontaktabbruch ist vielleicht oft nur eine Frage der Zeit und hängt auch davon ab, wie lange man bereit ist, sich diese Demütigungen noch weiter gefallen zu lassen…
                Ich war mit meiner Familie am Ende auch immer seltener bei meinen Erzeugern, weil ich gemerkt habe, dass wir dort im Grunde nicht willkommen waren, was sie uns immer häufiger spüren ließen – nach dem gefühlten 100sten Mal „Nächstes Jahr sind wir in der Karibik!“ ist einfach das Maß voll und man hat einfach keine Lust mehr, quasi darum betteln zu müssen, zu Besuch kommen zu dürfen…
                Ich habe dann einen Schlussstrich gezogen, indem ich einfach nicht mehr bei meinen Erzeugern angerufen habe – sie haben sich von sich aus sowieso so gut wie nie bei mir gemeldet und ich wollte denen einfach nicht mehr weiter hinterherlaufen…

                • Kiwi sagt:

                  Liebe Cindy,
                  du hast recht, es ist eine Frage der Zeit. Seit Sommer hat meine Mutter Krebs, wer weiß wie lange es noch geht. Mein Vater wird immer schwerhöriger und vergesslicher.
                  Mit meinen Schwestern rede ich nur das Nötigste und habe keinerlei Erwartungen mehr. Den Weihnachtspflichtbesuch haben wir gut überstanden.
                  Ich fiel in kein Loch, sondern bin dankbar, dass ich einen wundervollen Mann und ebenso wundervolle Kinder habe, die voll hinter mir stehen.
                  Ein gutes Neues Jahr 2017 wünsche ich dir.
                  Gruß, Kiwi

                • cindy sagt:

                  Liebe Kiwi,

                  ein gutes Neues Jahr 2017 – das wünsche ich dir und allen anderen hier auch!!!!

                  Ein Kontaktabbruch zwischen Kindern und Eltern geschieht nicht einfach so aus einer Lust oder Laune heraus – oft ist es ein jahrelanger Prozess und am Ende nicht mehr zu vermeiden… Dieses ewige Getue meiner Herkunftsfamilie hätte ich mir vielleicht noch jahrelang angetan und wäre dabei immer mehr kaputtgegangen… Ich wollte einfach nicht begreifen, dass ich bei den Besuchen eigentlich immer nur gerade mal so geduldet wurde – meine Erzeuger wollten nur etwas Unterhaltung in ihrer sonst vermutlich immer langweiliger werdenden „Super-Ehe“ und dazu brauchten sie meine Kinder und die Arbeit wollten sie dagegen aber nicht haben, haben diese lieber vollständig uns Eltern überlassen… Faule verwöhnte Neureiche eben, die sich aus dem Leben nur noch die Rosinen herauspicken möchten und denen andere Menschen im Grunde egal sind – selbst wenn es ihre eigenen Kinder und Enkel sind…
                  Die sind wahrlich nicht gestraft durch den Kontaktabbruch, im Gegenteil: Jetzt können sie ihr Leben in vollen Zügen genießen und brauchen sich um niemanden mehr zu kümmern, außer sich selbst…

  5. maro sagt:

    Wie auch immer man sich entscheidet, Kontakt oder Kontaktabbruch, es sind die Zusammenhänge mehrerer Faktoren auf Seiten des Schwarzen Schafs und auf Seiten der Familie und die daraus entstehenden Bedingungen für das Schwarze Schaf und für jedes einzelne Familienmitglied auf jeweils individuelle Weise.
    Die Zusammenhänge mit ihren verschiedenen Variablen tragen zur Wirksamkeit bei und damit zu den Konsequenzen für jeden Einzelnen. Es gibt ständig Wechselwirkungen. Negative und Positive.
    Beispiel: Wer sein Kind benachteiligt, gestaltet eine Beziehung, die nicht nur das Kind schädigt, sondern auch sich selbst, da daraus Konsequenzen folgen, die der Erwachsene genauso zu tragen hat wie das Kind. Das Ungleichgewicht zwischen Erwachsener und Kind habe ich dabei nicht berücksichtigt, da dies eine Frage der Verantwortung ist. Das Kind muss mit der Benachteiligung fertig werden, der Erwachsene mit den Folgen, z. B. Rückzug des Kindes im Erwachsenenalter.

    • Roswitha sagt:

      Ja, Maro.. Die Eltern schädigen sich selbst, im Umgang mit ihrem Schwarzen Schaf Nachwuchs. Denn sie werden durch ihre Missbrauchshandlung noch narzisstischer. Das ist so, als ob wir einem Spielsüchtigen Geld geben würden,
      einem Drogensüchtigen die Drogen usw.
      Also wenn wir nun den Kontakt abbrechen, dann stoppen wir diesen Kreis. Der Abbruch ist somit eine Handlung der Liebe und nicht Rache.
      Für Schwarze Schafe ist dieser Schritt eine Chance zur Echtheit und zum authentischen Erleben von sich selbst.
      Ich habe doch vor dem Kontaktabbruch schon alles versucht.
      Was hätte ich denn noch tun sollen?
      LG

      • Roswitha sagt:

        Zum Thema Kontaktabbruch hätte ich noch eine Ansammlung von Gedanken:
        Ich muss einen Weg gehen. Er muss mich hinweg führen von der Heuchelei und der unmöglichen Anpassung in ein System Familie. Er soll mich zur Authentizität und Freiheit führen.
        Damit diese Entwicklung gelingt, muss ich von dem ablassen, was meinem Weg hinderlich ist.
        Denn der Umgang in Ursprungsfamilie bringt mich nicht ans Ziel. Wie schon erwähnt, hab ich im Kreise meiner Familie schon alles erdenkliche versucht. Also muss ich diesen Weg gehen außerhalb der Situation.
        Jetzt habe ich die Ruhe, darüber nachzudenken was zu tun ist.
        Mein Ziel ist es, das Glück zu finden. Es geht auch hier, bei diesem Abstand nicht um Rache. Denn ich wünsche meinen Eltern genau – ebenfalls das Glück. Nur ist es nicht meine Aufgabe, sie zum Glücklich sein zu führen.

        Im Christentum wird gesagt, dass der Weg zum Paradies, – ein Weg von Hier nach Dort sei. Im Buddhismus wird gesagt, dass der Weg zum Nirvana, ein Weg von Dort nach Hier ist.
        Dann möchte ich lieber den Weg zum Hier wählen. Was für ein Glück! Wenn ich den christlichen Weg genommen hätte müsst ich hier weg. Das traue ich mich zu sagen, obwohl ich Christ bin. Aber das Christentum befürwortet auch das Leben und nicht den Tod. Trotzdem erdenken Christen das Paradies erst nach dem Sterben. Leider wählen manche Menschen den Freitod, um Freiheit zu finden. An die, möchte ich mit Liebe denken. Aus buddhistischer Sicht, sind sie aus einer Welt geflohen die möglicherweise das Paradies sein könnte. Vorausgesetzt, wenn sie die Weisheit von Buddha erreicht hätten. Na das schaffen wir alle doch mit links. Weisheit haben wir doch alle. 🙂 Also landen wir alle hier im Glück.

        Wenn ich nun räumlich den Abstand gewählt hatte, dann bringt es mich nicht hin zur vollkommenen Freiheit. Solange ich hier schreibe, ein Schwarzes Schaf zu sein und erwähne dass meine Eltern narzisstisch sind. So halt ich an meinem Leiden fest – und bin immer noch gefangen in meiner Unfreiheit. Was sollte ich stattdessen denken?

        Meine Eltern haben in mir immer das gesehen, was ich nicht bin, aber nach ihrer Vorstellung sein sollte. (Nach dem Motto: Sei so wie du nicht bist, dann lieben wir dich und akzeptieren dein Sein)
        Jetzt komme ich, und sehe in meinen Eltern, was sie nicht sind, aber, nach meiner Vorstellung sein sollten.
        Ich imitiere ihr Verhalten also.
        Wenn ich HIER IM NIRVANA ankommen möchte, darf ich aber mein Denken und Handeln – nicht selbst verurteilen. Sondern, Solidarität zu dem was ich bis jetz geschrieben und gedacht habe empfinden. Ich verurteile auch andere Menschen nicht, die es aussprechen und denken, Opfer zu sein.
        Ich merke nur, dass es mich nicht weiter bringt, wenn ich an meiner alten Rolle haften bleibe in meinem Denken.
        Alles ist wandelbar. Eine Blume, war früher Erde und ist später verwelkt.

        Ich habe in früheren Kommentaren erwähnt, dass mein Bewusstsein, entscheiden möchte, wer ich sein soll und diese Entscheidung selbstverwirklichen möchte.
        Wie auch mein Bewusstsein diese Entscheidungen trifft, könnte also auch meine Seele Entscheidungen treffen. Was wäre nun, wenn meine Seele gewählt hätte ein tapferes Herz zu haben, welches Schwierigkeiten stand halten könnte. Dann wäre meine Familie sozusagen ein Paradies für die Selbstverwirklichung meiner Seele, die tapfer und geduldig sein möchte.

        Ebenfalls hatte ich schon in früheren Kommentaren erwähnt, dass meine Eltern das authentizische Erleben dürfen, meiner bewussten Entscheidung, wer ich sein möchte, mit meinen echten Emotionen, abgelehnt hatten. Das kann ich jetzt nicht verändern.
        Was ich jetzt machen könnte ist; Ich könnte die getroffenen Entscheidungen meiner Seele annehmen.
        Ist es nicht auch ein spannendes Erlebnis was geschehen ist? Hätte ich nicht hier alle Kommentare lesen dürfen und alle hier kennen lernen sollen? Was ich gelesen und erfahren habe. usw. Die Medaille hat eine positive Seite.

        Ich stelle mir meine Seele vor, wie sie ein Kind ist und lernen möchte. Sie möchte erleben und verstehen und ausprobieren wozu sie fähig ist – und wer sie selbst ist. Wieviel Liebe steckt eigentlich in unser aller Seelen?
        Um zu lernen, bittet sie also ihren Vater, ihr ein Spielzeug zu geben.
        Sie bekommt Bauklötze, die sie sich selbst ausgesucht hat.
        Die Bauklötze sind doof und nervig. Sie lassen nichts mit sich anfangen und lassen sich nicht übereinander stapeln. Also weint die Seele und ist frustriert.
        Vielleicht müsste meine Seele, sich nicht selbst verurteilen für ihre Wahl – und einfach, – wenn sie aus diesem Spiel heraus gewachsen ist- ein anderes Spiel wählen. So wie Kinder sich einfach trösten lassen, wenn sie beim Spielen Frust erleben, und weiter machen, oder auch ein anderes Spiel wählen.
        Unsere Situation mit unseren Eltern ist auch nur ein Erfahrungsspiel.
        Der einfachste Weg, um Etwas Belastendes los zu werden ist; Ich nehme dieses Etwas an und schrieb es nicht vor mir her.

        Ich weiß es doch selbst nicht, was für mich noch zu tun und zu denken ist um im Hier zu verweilen. Ein achtsames munteres Erleben des Alltags ohne das zurück Erinnern was anderes oder besser hätte laufen sollen. Was jetzt besser laufen würde, wenn das Gestern anders gewesen wäre. Usw.
        Diese Gedanken laufen ständig vorweg und vernebeln die Sicht, zu erkennen, ob ich nicht eigentlich am gewünschten Ziel bin. Einfach Vertrauen haben und geduldig nachdenken! Es ist auch damit zu Rechnen, dass es auch manchmal Rückschläge gibt im Vorwärts kommen.
        Das ist auch nicht tragisch. Es geht immer zwei Schritte vor und einen zurück. Irgendwie werden alle ankommen am Ziel.
        LG

      • cindy sagt:

        Egal, was du getan hättest, liebe Roswitha, es hätte nichts genutzt und der Kontaktabbruch war auch in deinem Fall noch das Vernünftigste, was du tun konntest! Den Vergleich mit einem Süchtigen finde ich sehr passend – man hilft ihm am besten, wenn man ihm nicht das gibt, was seine Sucht noch nährt, sondern sich zurückzieht, ihn zumindest vorerst mal „in den Dreck fallen“ lässt und das dient zusätzlich auch dem Wohl des Co-Abhängigen…
        Leider wirkt dieser Rückzug sowohl bei einem Süchtigen als auch bei unseren Herkunftsfamilien nur dann, wenn sie keine anderen Quellen (mehr) haben, aus denen sie ihre „Sucht“ noch befriedigen können – dann entsteht bei denen nämlich kein Leidensdruck und somit gibt es für sie auch keinen Anlass, sich zu ändern… Oder sie geben die Schuld für ihr Leiden einfach den anderen, insbesondere dem schwarzen Schaf und auch dann wird für sie kein Anlass bestehen, auch mal an sich selbst zu arbeiten und dann wird sich auch für das schwarze Schaf nichts zum Positiven ändern…

  6. osterhasebiene langnase sagt:

    Wenn sie in einer Familie immer wieder sagen: „Uns steht alles zu und dir nichts“ (und sie haben „ihre“ Gründe für diese Sichtweise), dann sage ich in letzter Konsequenz: „Ja, ihr könnt alles haben. Aber ohne mich.“ Besser gehen (und für sich selbst sorgen) als um jeden Krümmel kämpfen/betteln, der einem gnädig angeboten wird, der in ihrer unermesslichen Großzügigkeit für einen abfällt. Man fühlt sich in solchen Familien immer als der Bettler und Bittsteller (egal wie viel man tatsächlich kann und besitzt). Zeigt man dann aber mal Selbstbewusstsein (ich habe dieselbe Rechte, ich wurde auch geliebt und gewollt), dann schlägt die falsche Großzügigkeit sofort in offenen Hass um. So erkennt man, mit wessen Geistes Kind man es zu tun hat. Sie kontrollieren und bestimmen, was einem zusteht und was nicht. Man selbst hat darüber nicht die geringste Kontrolle. Das nenne ich Psychoterror.

    • cindy sagt:

      Da fällt mir nur wieder der vielsagende Satz ein, den ich mir von meinem Erzeuger anhören durfte. „Warum bettelst du nicht um gut Wetter wie deine Schwester?“
      Solche Familien fühlen sich wie Gott, es grenzt schon fast an Blasphemie…!

  7. maro sagt:

    Danke, Roswitha, für den Beitrag.
    Es ist eine menschliche Tragödie, aus der manche den Weg finden und manche nicht.
    Eine Verurteilung möchte ich nicht vornehmen. Alle Betroffenen sind in diesem schädigenden System verstrickt. Als Erwachsener tragen wir Verantwortung gegenüber Kindern, die noch nicht soweit entwickelt sind. Es ist eine Chance für Eltern, wenn ihre Kinder Signale setzen. Schmerz innerlich zu betrachten ist nicht leicht. Aber ein Weg, der vielleicht zusammenführt.

  8. osterhasebiene langnase sagt:

    Liebe schwarze Schafe,

    ich sage Euch eins: Ich gehe da nie nie wieder hin! Mir kommt bei dem Gedanken schon tausendfach die Kotze! In meiner Familie (Geschwister) wurde ich rumgereicht und behandelt wie ein Flittchen. Was immer kommen mag, mich bringen keine zehn Pferde mehr in diesen Dunstkreis. Ich habe mich so geschämt. Für mich sind Familientreffen der wahrste Hexensabbat. Das alles konnte ich vor vielen Jahren nicht mal richtig fühlen (ausser durch Angst), so taub und abgestumpft war ich schon.
    LG

  9. Justina sagt:

    Ad Schwarze Schafe generell:
    Ich möchte hier nur noch einen (uralten) Literaturtipp geben, auf den ich rein zufällig beim Kramen gestoßen bin: Heinrich Böll, Die schwarzen Schafe. Böll wurde dafür kurz nach dem Erscheinen dieser Erzählung 1951 als noch nicht sehr bekannter Schriftsteller mit dem Literaturpreis in Bad Dürkheim ausgezeichnet. Justina

  10. osterhasebiene langnase sagt:

    Dafür, dass meine Geschwister verprügelt und psychisch misshandelt wurden und ich nicht (durch meine Eltern), dafür kann ich mit Sicherheit überhaupt nichts, auch dafür nicht, dass ich Papas Nesthäkchen war…Es tut mir aufrichtig leid! Da hatte ich wohl einfach verdammtes Glück und ich bin froh und dankbar, dass meine Seele nicht so zerstört wurde.

    • Roswitha sagt:

      Vielen Dank, Justina! Der Vorschlag hat mich interessieret.
      Es gibt noch zwei Ikonen die ebenfalls sehr hilfreiche Interviews und Referate im Internet anzubieten hätten. Umzwar: -Hans-Joachim Mazz und -Arno Gruen

      Osterhasenbiene Langnase, kann ich gut verstehen.

      Viel Spaß beim zuhören der beiden klugen Köpfe LG

  11. osterhasebiene langnase sagt:

    In einem Buch über Naturtherapie (Autor leider nicht zur Hand) sagt der Autor, dass unsere Erde letztendlich einzig und alleine durch gesunden und oft so verpönten Narzissmus gerettet werden kann (nicht durch staatliche Intervention), wenn Menschen sich für die gesunde Selbstliebe entscheiden und die daraus folgenden Konsequenzen ziehen. JA und NEIN jedes Einzelnen entscheidet über die Zukunft auf diesem Planeten. Davon bin ich auch überzeugt.

    In diesem Sinne wünsche ich allen schwarzen, weißen und andersartigen Schafen ein frohes Weihnachtsfest und ein glückliches Neues Jahr

  12. osterhasebiene langnase sagt:

    Mein Buchtipp (zu Kommentar oben): „Ökopsychologie – Der entwurzelte Mensch und der Ruf der Erde“ von Theodore Roszak

    • cindy sagt:

      Gesunder Narzissmus ist nie gefährlich, im Gegenteil…

      Ich wünsche allen hier ein gutes Neues Jahr, dass wir alle hier einen gesunden Narzissmus pflegen und diesen vom schädlichen Narzissmus klar unterscheiden können!!!!

  13. osterhasebiene langnase sagt:

    Hallo liebe schwarze Herde,

    vielleicht kann der eine oder andere mit dieser Geschichte etwas anfangen:
    Die russische Version des „Aschenputtels“ finde ich persönlich noch viel schöner und heilsamer, als die Grimmsche. Darin wird die Entwicklungsgeschichte und (Er-)Lösung von Aschenputtel noch stärker herausgearbeitet, die „Rettung“ durch den Prinzen fehlt völlig. Aschenputtel heißt hier Vasalisa. Sie lebt unter ähnlichen Umständen: (pathologisch) narzisstische Stiefmutter und zwei Stiefschwestern demütigen, verspotten sie und lassen sie die niedrigen Arbeiten verrichten. Einer ihrer Hauptaufgaben besteht darin das Herdfeuer im Haus
    zu hüten (sie hat so auch Macht über die Frauen, denn diese können sich nicht selbst (er-)wärmen, zeigt aber auch den dauernden emotionalen Missbrauch). Eines Tages beschließen die drei Frauen Vasalisa endgültig loszuwerden, denn sie sind zu neidisch auf ihre Schönheit und Tugendhaftigkeit. Deshalb löschen sie das Herdfeuer (riskieren so auch ihr eigenes Leben) und schicken Vasalisa in den Wald zur Hexe Baba Jaga, um neue Glut zu holen. Sie wissen, dass die Hexe jeden auffrisst, der sich ihrem Häuschen nähert. So denken sie, Vasalisa für immer loszuwerden. Natürlich klappt der Plan nicht, sonst wäre das Märchen ja zu Ende!
    Vasalisa macht sich auf den Weg zur Hexe Baba Jaga. Sie hat einen „Helfer“, von dem die bösen Frauen nichts wissen. Die leibliche Mutter hat Vasalisa vor ihrem Tod eine Puppe geschenkt, die genauso aussieht wie Vasalisa selbst (inneres Kind, Intuition). Mit Hilfe dieser Puppe findet sie problemlos den Weg zur Hexe. Das Hexenhäuschen steht auf Hühnerfüßen, die sich bewegen und ist von einem Zaun aus Knochen und aufgespießten Totenschädeln umgeben. Die Hexe stürzt sich sogleich auf Vasalisa, um sie zu töten. Dann lässt sie sich aber doch auf einen Deal ein: Vasalisa muss drei Aufgaben erfüllen: 1. der Hexe Essen kochen und mit ihr essen (das Böse annehmen und in sich aufnehmen) 2. das Hexenhäuschen aufräumen (das Böse integrieren und einen Platz zuweisen) 3. aus der Asche im Ofen innerhalb einer Nacht alle Linsen heraussuchen und auf einen Haufen legen. Die beiden ersten Aufgaben erledigt Vasalisa ohne Schwierigkeiten. Bei der dritten Aufgabe fühlt sie sich überfordert und fragt ihr „inneres Kind“, die Puppe, um Rat. Diese sagt, dass sie sich keine Sorgen machen brauche und sich nur Schlafen legen solle. Am Morgen sei alles erledigt (Vertrauen in die Selbstheilungskräfte, im Schlaf trennt sich Brauchbares von Unbrauchbarem, nicht in Aktionismus fallen) Vasalisa vertraut der Puppe und am Morgen ist alles getan, alle Linsen sind von der Asche getrennt. Die Hexe ist zufrieden, will Vasalisa aber immer noch nicht gehen lassen und stellt eine Zusatzaufgabe. In der kommenden Nacht muss sie aus einem Erdhaufen vor dem Haus alle Mohnsamen heraussuchen und von der Erde trennen. Gelingt es nicht, so müsse sie sterben. Auch diesmal legt sich Vasalisa auf Anraten der Puppe schlafen und am Morgen liegen alle Samen säuberlich getrennt von der Erde auf einem Haufen. Die Hexe gibt Vasalisa nun die gewünschte Glut in einem aufgespießten Totenschädel und schickt sie fort, ohne ihren Dank anzunehmen (Vasalisa ist frei und nicht in der Schuld der Hexe). Den Weg findet sie mithilfe der Puppe, der Totenschädel gruselt sie aber so entsetzlich, dass sie ihn am liebsten von sich schleudern möchte. Dieser spricht ihr jedoch immer wieder Mut zu (auf dem Nachhauseweg muss sie sich allen Lebenslügen und Illusionen stellen und sie „verbrennen“, sich der eigenen Wahrheit stellen). Die Stiefschwestern und Stiefmutter sind sehr erschrocken, als sie Vasalisa wiedersehen, aber auch froh, weil sie es nicht fertiggebracht haben, das Feuer im Ofen neu zu entfachen. Dann sehen sie, dass Vasalisa sich verändert hat (sie ist sich ihrer eigenen Kraft bewusst geworden) und die Frauen erkennen in ihr ihre eigene Kleinheit und verwandeln sich sogleich in drei Aschehäufchen. Von nun an lebt Vasalisa zufrieden und glücklich…mit oder ohne Prinz.
    Was für die (Selbst-)Entwicklung also notwendig sind (laut Märchen): Mut, dem Tod zu begegnen, Vertrauen in die Selbstheilungskraft und Intuition sowie Geduld und Ausdauer. Mehr von solchen Entwicklungsgeschichten findet man in dem Buch „Die Wolfsfrau“ von Clarissa Pinola Estes, Psychoanalytikerin (nach der Lehre von C.G. Jung) und Geschichtenerzählerin.

  14. osterhasebiene langnase sagt:

    Kontaktabbruch ist das Mittel der Wahl, wenn…
    – es hilft, die eigene Wahrheit und Integrität zu schützen, z.B. Familienmythen nicht weiterhin aufrecht erhalten, wie: Wir sind eine uns gegenseitig liebende und unterstützende Gemeinschaft, wenn das Empfinden ein völlig anderes ist, wie, die Familie ist der erbittertste Konkurrenzkampf und jeder sucht nur seinen eigenen Vorteil auf Kosten des anderen (wobei es Bündnisse gibt, die einen Schwächeren ausbeuten)
    – es hilft, in die eigene Stärke zu kommen und sie zu schützen (vor dauernder Abwertung)
    – es dem Aufbau eines eigenen funktionsfähigen Lebens dient (Autonomie)
    – es deutlich macht, in welchem Ausmaß die Schuldzuweisung der Familie absurd und ungerechtfertigt ist
    – es die Würde und den Wert des eigenen Lebens wieder bewusst macht
    – es hilft Symptome wie Angst und Panik z.B. in Kreativität und Mut zu verwandeln
    – wenn man erkannt hat, dass Beziehungen zu manchen Menschen toxisch sein können und man sich bewusst abgrenzen darf (emphatische Menschen und gestörte Narzissten= toxischer geht nicht!!!)
    – es ein Signal ist, dass Dinge sich ändern müssen (Entwicklungschance für alle Beteiligten, wobei keiner verantwortlich ist für die Entwicklung des anderen)
    – es die Lebensfreude und Vitalität deutlich steigert und es einfach eine Erleichterung des Lebens darstellt, man das Gefühl hat, eine Bürde und Last abgelegt zu haben
    – wenn materielle Verluste die gewonnene Lebensfreude um ein vielfaches überwiegen
    – wenn man wieder frei atmen kann
    – wenn das wunderbare Gefühl der Selbstwirksamkeit zurückkehrt
    – es hilft, die Realität zu erkennen und sie für das eigene Leben zu nutzen
    und und und
    (soweit aus meiner persönlichen Erfahrung)
    LG

  15. osterhasebiene langnase sagt:

    …und Kontaktabbruch hat sich vor allem (!!) dann gelohnt, wenn man seine eigene Empathie-Fähigkeit (wieder) ausleben darf – ohne gnadenlos ausgenutzt zu werden und man sich somit als vollständiges menschliche Wesen fühlen darf (statt als Mangelwesen). Die Einschränkung der Empathiefähigkeit in der Familie war (in der Vergangenheit) notwendig, um zu überleben. Das, glaube ich, ist der Hauptgewinn.

  16. osterhasebiene langnase sagt:

    @maro: zur Traumaheilung (bezgl. Barbara Kiesling „Sie küssten und sie schlugen sich“) Ich verstehe Ihre Ausführungen voll und ganz. Das Problem soll bei der Wurzel angepackt werden, der Eiter aus der Wunde gedrückt und das Problem ein für alle mal beseitigt werden: eine sehr logische und konsequente, aber auch mechanistische Vorstellung, die so leider nicht funktioniert, auch nicht bei bestem Willen. Leider führt es oft zum Gefühl des Versagens und zu Frustration. Ein Problem kann nicht auf dem selben Weg gelöst werden, auf dem es es entstanden ist, das hat übrigens schon Einstein erkannt. Ich habe mich sehr intensiv mit dem Thema Trauma beschäftigt. Ein Problem entsteht auf der psychischen Ebene und kann letztendlich nur auf der spirituellen Ebene (erweiterte Wahrnehmung) gelöst werden. Schmerz verursacht immer wieder neuen Schmerz (und neue Abwehr) und damit neues Trauma. Unser Körper unterscheidet nicht zwischen gutem (heilsamem) und schlechtem Schmerz. Einsicht ja, Verzweiflung nein. Also geht es letztendlich um Akzeptanz und Verzeihen, das Geschehene (wobei Erinnerung nicht Realität bedeutet) kann dann mit anderen Augen gesehen und neu bewertet werden. Die heutige Traumatherapie meidet in jedem Fall Re-Traumatisierung und stützt sich viel mehr auf Ressourcen-Arbeit. Leid und Schmerz sind aber gute Motivationen (wenn nicht die besten!) um Dinge zu verändern und neue Wege zu suchen.

    • maro sagt:

      In Kliniken mit psychosomatischer Abteilung und Fachärzten für Neurologie und Psychiatrie, sowie Kunsttherapeuten und weiteres Fachpersonal werden die Ressourcen des Patienten gestärkt, Kräfte wiederbelebt und hilfreiche Methoden gegen akute Stimmungen erlernt, um z.B. eine schwere Erschöpfung so gut wie möglich zu reduzieren und zu stabilisieren. Ein 6 – 8-wöchiger Aufenthalt wäre viel zu kurz, um eine tiefenpsychologische Behandlung wie beim ambulanten Psychotherapeuten durchzuführen. Sinn und Zweck eines solchen Klinikaufenthalts ist die Stabilisierung und Verbesserung des Gesundheitszustandes auf körperlicher und psychischer Ebene. Traumata werden durch Ärzte und Therapeuten selbstverständlich nicht geöffnet.

      Es gibt die Möglichkeit über die EMDR-Methode an einem Trauma zu arbeiten. Diese Methode ist relativ jung. Dafür gibt es speziell ausgebildete Traumatherapeuten, die zahlenmäßig weit weniger vorhanden sind, als tiefenpsychologisch arbeitende Psychologen/Psychotherapeuten.

      In der Psychotherapie wird zuerst an der Stabilisierung und Stärkung des Patienten gearbeitet, nachdem das Vertrauensverhältnis gebildet wurde. Erst wenn der Patient stabil genug ist, werden die Probleme angegangen. Auch Traumata! Durch das Vertrauen zum Therapeuten ist es dem Patient möglich sich den Themen zu stellen. Es ist der hierfür notwendige Halt durch den Therapeuten vorhanden. Dieser Halt ermöglicht die nähere Betrachtung der Traumata und darüber hinaus Schritt für Schritt die Integration ins Bewusste. Diese Methode ist alles andere als mechanisch! Es ist ein lebendiger Prozess! Dies erfordert Wille und Mut seitens des Patienten. Ein großer Leidensdruck kann den Weg in die Psychotherapie ebnen.

      Aber nicht jeder sucht die wirkliche Klärung seiner Themen. Manche bleiben lieber in der Opfer- und Vorwurfshaltung oder sind noch nicht bereit für diesen Schritt.

      • osterhasebiene langnase sagt:

        In den verschiedenen Ansätzen (z.B. somatisch-emotionale-Integration) zur Trauma-Heilung (Schock-und Entwicklungstrauma) wird -vereinfacht gesagt- versucht aus dem Kopf (Als-Ob-Schleife) wieder vermehrt in den Körper zu gelangen, zu spüren und zu reagieren, also das Wiedererlernten des ganzheitlichen Fühlens/Seins. Schamanische Praktiken tun hier nichts anderes: Die Seele soll wieder in den Körper zurückgeholt werden. Daher greifen linkshemisphärisch- rationale Therapieformen (Gesprächstherapie, Verhaltenstherapie, auch Kunsttherapie…)hier überhaupt nicht. Es bleibt bei ichzentrierter Nabelschau, was neue Probleme mit sich bringt.
        Das WIE des Gesagten ist viel wichtiger als das WAS (Kommunikation mit dem ganzen Sein), Körpersprache kommt an. Der Mensch ist kein rigides, sondern ein offenes System, d.h. jede Einwirkung/Beeinflussung von außen führt zur Veränderung des gesamten Systems. Eine Rückkehr in den Ur-Zustand ist nicht möglich, es findet immer eine Weiterentwicklung und Umstrukturierung statt. Daher hat „Klärung“ für mich in diesem Zusammenhang einen eher negativen Beigeschmack, denn geklärt kann eigentlich nichts werden. Die Seele ist keine Maschine, die man reparieren kann.

        Menschen vorzuhalten sich nicht genug um „Klärung ihrer Themen“ zu bemühen, finde ich persönlich eine sehr überhebliche und arrogante Haltung, die nicht auf Menschenliebe und Achtung basiert. Ich bin davor leider auch nicht immer gefeit – muss ich fairerweise zugeben!

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